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StartseiteInterview"Deutschland ist sehr gut vorbereitet“13.02.2020

Gesundheitspolitikerin Karin Maag (CDU) zu Coronavirus"Deutschland ist sehr gut vorbereitet“

Auf eine mögliche Pandemie mit dem Coronavirus COVID-19 sei Deutschland gut vorbereitet, sagte die CDU-Gesundheitspolitikerin Karin Maag im Dlf. Denn entscheidend seien die Pandemie-Pläne, die im Quarantäne-Fall greifen. Dann gebe es nicht mehr die klassischen Notfall-Abläufe in den Kliniken.

Karin Maag im Gespräch mit Sandra Schulz

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Die CDU-Politikerin Karin Maag (imago images / Christian Ditsch)
Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, sieht Deutschland für den Pandemie-Fall sehr gut vorbereitet (imago images / Christian Ditsch)
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China hat sich schneller als gedacht nach oben geschraubt. In Europa ist das Bild ein völlig anderes, aber eine Abstimmung ist natürlich wichtig. Heute beraten die EU-Gesundheitsminister. Viel dreht sich um die Frage, wie gut die Gesundheitssysteme der EU-Mitglieder auf die Situation vorbereitet sind, und zu den Vorbereitungen des deutschen Gesundheitssystems hat uns der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hier im Deutschlandfunk heute Morgen das gesagt:

O-Ton Christian Drosten: "Wir haben zwei ganz große ganz große Schwachpunkte im Gesundheitssystem. Das eine ist: Die Gesundheitsämter sind schlecht ausgestattet in ganz Deutschland. Die haben wenig Personal. Die müssen aber das Meldewesen organisieren. Das andere, was ich für ein eigentlich noch größeres Problem halte, das sind die Krankenhäuser. Alleine in den vergangenen zehn Jahren wurden so viele Reserven aus dem Gesundheitssystem herausgespart, die uns jetzt fehlen werden in einer Pandemie. In einer Pandemie braucht das ganze Gesundheitssystem seine Reserven, um den Anstrom von Patienten zu organisieren. Dann ist es natürlich so, dass Sie auch schwere Verläufe haben. Diese Personen müssen auf Intensivstationen behandelt werden und auf Intensivstationen sind die Betten immer knapp."

Illustration des Coronavirus nCoV im Jahr 2019. (imago images / ZUMA Press) (imago images / ZUMA Press)Virologe zum Coronavirus / Geringe Sterblichkeit, überlastetes Gesundheitssystem 
Bei einer Pandemie durch das Coronavirus wäre das deutsche Gesundheitssystem überlastet, sagte Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité.

Sandra Schulz: Der Virologe Christian Drosten heute Morgen hier bei uns im Deutschlandfunk. – Gleichzeitig – auch das muss man noch mal dazu sagen – hat er auch daran erinnert, dass wir nach allem, was wir bisher wissen, über eine Erkältungskrankheit sprechen, die wohl für die allermeisten Menschen keine bedrohliche Erkrankung ist, die sehr wohl aber für ältere Menschen eine Bedrohung sein kann. Was sagt dazu Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion? Wie gut ist Deutschland vorbereitet auf den Umgang mit COVID-19?

Karin Maag: COVID-19 ist jetzt die neue Bezeichnung für das Corona-Virus, nur dass wir uns da einig sind. – Wir sind im Moment sehr gut vorbereitet. Jetzt darf man nicht vergessen: Das was in Deutschland im Moment tatsächlich vorhanden ist, sind 14 Fälle, und der Verlauf der Fälle ist sehr moderat. Wir vergleichen es mit einer moderaten Grippe, wenn ich das so sagen darf. Da darf man jetzt auch keine Panik aufkommen lassen.

Schulz: Das ist ja auch das Thema, das immer wieder benannt wird.

Pandemie-Pläne auf Bundes- und Länderebene

Maag: Wenn es denn schlimmer würde – das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, steht aber auch nicht im Raum -, dann ist Deutschland sehr gut vorbereitet. Wir haben beispielsweise Pandemie-Pläne. Der Bund hat den Pandemie-Plan, die Länder haben eigene Pläne, die aber koordiniert und abgestimmt sind, so dass vom örtlichen Gesundheitsdienst, von der Meldung eines Arztes an den Gesundheitsdienst bis hin zur Frage, was passiert dann mit infizierten Personen, wie werden die untergebracht, wie müssen die ärztlich behandelt werden, das läuft nach bestimmten Ablaufplänen und die gibt es. Wir haben unser Robert-Koch-Institut, das auf Bundesebene auch für die Bewertung dieses COVID-19 und der Erkrankung in Deutschland zuständig ist und uns berät. Wir haben gestern im Gesundheitsausschuss darüber debattiert. Da sind wir sehr gut vorbereitet.

Konzeptionelle Darstellung einer Virusinfektion der Lunge mit einem Mers Coronavirus  (imago / Science Photo Library) (imago / Science Photo Library)Lungenkrankheit Covid-19 / Wie gefährlich ist das Coronavirus? 
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Schulz: Frau Maag, geben Sie mir die Gelegenheit, konkreter nachzufragen. Wir haben die Warnungen von Christian Drosten ja gehört. Erstes Thema, das er benennt, und damit fängt ja alles an, ist die Frage nach den Statistiken. Wenn ich sinnvoll handeln, wenn ich sinnvoll reagieren will, brauche ich natürlich erst mal einen guten Überblick über die Lage. Da sagt Christian Drosten ja, es geht schon damit los, dass wir überhaupt keine Chance haben, dass die Gesundheitsämter nachhalten, wie viele COVID-19-Fälle, Verdachtsfälle und so weiter es gibt. Wer soll das machen, wenn die Gesundheitsämter überlastet sind?

Maag: Zunächst mal geht die Meldung an das jeweils zuständige Gesundheitsamt und natürlich sind die Gesundheitsämter mit Ärzten sehr unterschiedlich besetzt. In kleineren Gemeinden kann es sein, dass es nur den einzigen Arzt im Gesundheitsamt gibt. Das ist für die Regel ausreichend, für den Regelbetrieb. In großen Städten sind die Gesundheitsämter anders ausgestattet, aber das wird in dieser Pandemie-Planung auch berücksichtigt.

Schulz: Inwiefern wird das berücksichtigt? Werden da Leute eingestellt?

Maag: Dann wäre es tatsächlich zu spät. Die müsste man erst finden. – Jetzt haben wir im Moment kein Problem und wir gehen noch mal davon aus, dass es weiterhin keine Probleme geben wird. Wir bemerken aber in der Durchführung jetzt, dass wir natürlich nacharbeiten müssen. Das heißt – auch darüber haben wir gestern im Gesundheitsausschuss gesprochen: Wenn der akute Verlauf mit diesem Virus ausläuft, wenn in Deutschland keine Ansteckungsfälle mehr festgestellt werden, dann müssen wir natürlich über das Infektionsschutzgesetz reden, über die Frage, wie sind die Informationsketten gestaltet, ist es nicht sinnvoller, dass grundsätzlich der Bund zuständig ist mit dem sehr leistungsstarken Robert-Koch-Institut, bei dem aber natürlich auch jetzt ein Zwei-Schicht-Betrieb eingerichtet wurde, weil diese Informationsflut, die national und international anfällt, auch bearbeitet werden muss.

Gedanken machen über Laborkapazitäten

Schulz: Das würde ich gerne noch konkreter machen. Wir haben es von Christian Drosten gehört: Es bräuchte eigentlich viel mehr Betten im Intensivbereich. Die fehlen. Warum sagen Sie, dass die Vorbereitungen gut sind?

Maag: Weil wir zunächst uns Gedanken machen über Laborkapazitäten. Laborkapazitäten heißt, wir müssen zunächst mal feststellen, ist jemand tatsächlich mit diesem Virus infiziert. Aussage des Robert-Koch-Instituts gestern: Ausreichend in Deutschland vorhanden.

Wenn es dann tatsächlich dazu kommt, dass mehr als tatsächlich 14 Menschen infiziert werden, wenn wir Weiterungen prüfen müssen, wenn jemand unter Quarantäne gestellt werden muss, dann ist es nicht so, dass jedes Krankenhaus in Deutschland diese Einrichtungen vorhalten kann und muss, sondern dann müssen wir Zentren haben.

Im Institut für Virologie an der Charité Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen, steht Laborausrüstung.  (dpa) (dpa)Kampf gegen Corona / Das Virus muss ins Labor 
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Schulz: Da muss ich kurz der Vollständigkeit halber sagen: Sie sprechen von 14 Fällen. Nach der aktuellen Nachrichtenlage, die uns hier vorliegt, sind es im Moment 16 Fälle. Das wollte ich kurz spiegeln, ist ja auch wichtig, dass man weiß, über welche Zahlen man spricht. - Sind die Notaufnahmen in den Kliniken denn gut vorbereitet?

Maag: Noch mal: Es macht einen Unterschied, ob ich einen Quarantäne-Fall habe, der nach Infektionsschutzgesetz läuft, oder ob ich einen Notfall in einer Klinik habe. Wenn heute der Verdacht auf eine Infizierung mit diesem COVID-19, mit diesem Corona-Virus besteht, dann wandere ich bitte nicht zum nächsten Arzt, setze mich in die Sprechstunde und warte darauf, bis tatsächlich feststeht, ob ich erkrankt bin oder nicht, sondern ich informiere den Arzt, ich habe selber den Verdacht, und dann geht eine ganz andere Kette los. Dann wird er nicht in eine normale Notaufnahme gebracht, sondern dann ist die Frage, wo findet eine Quarantäne statt, wo kriege ich den isoliert. Das wird auch nicht in jeder Intensivstation funktionieren. Das sind Abläufe, die nicht vergleichbar sind.

Pandemie-Plan öffentlich einsehbar

Schulz: Es ist jetzt aber nicht ganz ausgeschlossen, wenn eine Pandemie käme – wie gesagt, der Stand ist, dass die Experten es im Moment zumindest nicht ausschließen können, und die Chance, dass die Pandemie noch zurückgedrängt werden kann, für eher klein halten -, ist ein Szenario überhaupt nicht unrealistisch, dass da 50 Leute gleichzeitig in einer Notaufnahme sind. Jetzt kennen viele Patienten aus der Situation, als Patient in einer Notaufnahme zu erscheinen, die Lage so, dass die jetzt schon im Normalbetrieb nicht gerade unterausgelastet sind, um es mit Angela Merkel zu sagen. Wie soll das dann bewältigt werden?

Maag: Wir haben jetzt schon das Thema der Rückkehrer aus Wuhan. Die sind nicht in einer Notaufnahme untergebracht, sondern man hat innerhalb von drei Tagen eine Möglichkeit gefunden, während der Inkubationszeit diese Menschen in einer Bundeswehrkaserne unterzubringen und dort ärztlich zu betreuen. Das ist der Unterschied.

Schulz: Bei denen war das ja auch vorher bekannt. Aber die Situation, dass in einer großen Stadt Menschen diese Symptome haben, in einer Notaufnahme erscheinen oder beim Arzt, die ist ja nun nicht komplett unrealistisch.

Maag: Ja, und wie gesagt, aber noch mal: Nicht jedes Krankenhaus kann dann tatsächlich im Pandemie-Fall die Menschen so beherbergen - da sind wir uns ja ganz einig -, dass es funktioniert. Deswegen gibt es den Pandemie-Plan, der übrigens auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts öffentlich eingesehen werden kann, wie die Zusammenarbeit funktioniert, wie wir uns abstimmen können mit den Ländern, dass die Menschen auch adäquat untergebracht werden können. Solche Dinge sind dort niedergelegt und geklärt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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