Samstag, 24. Februar 2024

Frauen-Bundesliga
Medienwissenschaftlerin: "Montagsspiele könnten Nische sein"

Montagsspiele sind ein Teil der neuen Marketing- und TV-Strategie des DFB für die Frauen-Bundesliga. Vor Saisonbeginn wurde der Termin stark kritisiert. Doch für die Frauen könnte das die passende Nische sein, so Medienwissenschaftlerin Jana Wiske.

Raphael Späth im Gespräch mit Jana Wiske | 03.10.2023
Die Bayernspielerinnen nach dem Sieg auf dem Weg zu den Fans.
In der Frauen-Bundesliga finden immer mehr Spiele in den großen Stadien der Männer statt - wie hier in München das Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Köln (picture alliance / Eibner-Pressefoto / Eibner-Pressefoto / Feiner)
Medienwissenschaftlerin Jana Wiske von der Hochschule Ansbach hat als Journalistin für den „kicker“ viele Jahre über den Frauenfußball in Deutschland berichtet. Die Frauen-Bundesliga sei mittlerweile fest in der Gesellschaft etabliert, so Wiske im Dlf:
"Man hat immer gesagt: Wir haben eine erfolgreiche Nationalmannschaft - warum kann man das nicht in die Bundesliga rüber retten? Und das scheint gelungen, auch wenn die Nationalmannschaft diesmal nicht so erfolgreich war."
Nun hat es in der Frauen-Bundesliga bereits zwei Montagsspiele gegeben, die neu eingeführt worden sind. Daran hatte es viel Kritik und Bedenken hinsichtlich der Belastung der Spielerinnen, die oft noch studieren oder arbeiten gegeben.
Medienwissenschaftlerin Wiske sieht darin aber auch Vorteile: "Mehr Sichtbarkeit und neue Zuschauer könnten gewonnen werden." Auch wenn die Spieltagszerstückelung kritisch gesehen wird und die Zuschauer nach Kontinuität suchen, könnte der Frauenfußball vielleicht eine Nische gefunden haben:
"Wir haben Dienstag, Mittwoch, Champions League, Euroleague und so weiter. Wir haben am Wochenende die Bundesliga der Männer unter Frauen ganz schön entzerrt, jetzt auf vier Spieltage. Aber wir haben diesen einen Tag in der Woche, den Montag, wo der Frauenfußball einen festen Platz hat, sichtbar im Free-TV. Und das könnte ich mir schon vorstellen, dass das positiv angenommen wird."

Neue Fans aquirieren

Das Zielpublikum der Frauen-Bundesliga besteht bisher hauptsächlich aus Familien mit jungen Kindern. Doch am Montagabend könnte man eventuell ein anderes Publikum ansprechen: "Das ist schon eine Chance, am Montag um 19:30 Uhr vielleicht mal andere anzusprechen. Da kommt schon auch ein anderes Klientel mit rein, die man dann vielleicht eher abholt, am Montag."
Der Frauenfußball punkte vor allem über die Identifikation mit Spielerinnen wie DFB-Kapitänin Alexandra Popp. In Bezug auf die Vermarktung auf Social Media gebe es aber noch Aufholbedarf, so Wiske. Dort könnten traditionelle Social Media-Strategien genutzt werden können, um mehr Fans zu aquirieren. Trotz des schwachen Abschneidens der Nationalmannschaft bei der letzten Weltmeisterschaft bliebe das Interesse an der Frauen-Bundesliga bestehen, stellt Wiske fest. Erfolge der Nationalmannschaft könnten jedoch zusätzlichen Auftrieb geben. "Es hätte einen Effekt gehabt mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft".