Montag, 15. April 2024

Frauen-Bundesliga
Mit der Euphorie zu mehr Professionalität

Mehr Zuschauer, mehr TV-Präsenz, mehr Professionalität: Nach der Euphorie um die Frauen-EM 2022 steigt auch die Bedeutung der Bundesliga weiter. Der eingeschlagene Weg scheint richtig, doch für einige Frauenvereine könnte es eng werden.

Sabine Mammitzsch im Gespräch mit Raphael Späth | 01.05.2023
Sabine Mammitzsch, DFB-Vizepräsidentin des deutschen Frauen- und
Mädchenfußball, freut sich das die Hype der EM in den Alltag hinübergerettet werden konnte
Sabine Mammitzsch, DFB-Vizepräsidentin des deutschen Frauen- und Mädchenfußball, freut sich das der Hype der EM in den Alltag der Bundesliga hinübergerettet werden konnte (dpa / picture alliance / Nico Paetzel)
Der deutsche Frauenfußball befindet sich im Aufwind. Steigende Zuschauerzahlen in der Bundesliga, vermehrt Spiele in großen Stadien und mehr übertragene Spiele im Fernsehen. "Wir haben zum einen das Highlight-Konzept: Und wir haben mehrere Vereine gehabt, die gesagt haben, wir gehen ins große Stadion und die damit tatsächlich die Stadien nahezu voll gemacht", sagte Sabine Mammitzsch, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball im Deutschlandfunk. Mit dieser Explosion von Zuschauerzahlen habe sie nicht zu träumen gewagt. Es habe sich aber bestätigt, dass sich die Euphorie der EM in den Liga-Alltag hinüber gerettet habe.
Das neue Medienpaket trage ebenfalls dazu bei: Länderspiele werden um 18 Uhr übertragen und nicht mehr am Nachmittag, sagte die Sportfunktionärin. "Das ist großartig was da passiert."
DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch
DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch sieht den Frauenfußball auf einem richtig guten Weg (IMAGO/Revierfoto)

Klassische Frauenvereine droht Verdrängung

Seit ein paar Jahren streben immer mehr professionelle Männervereine in den Frauenfußball, gründen eigene Teams oder fusionieren mit traditionsreichen Frauenmannschaften. Aktuell sind mit der SGS Essen und Turbine Potsdam nur noch zwei klassische Frauenmannschaften in der 1. Bundesliga vertreten. Doch der Verdrändungswettbewerb ist groß.
Es sei dabei für die Frauenteams, bei denen ein Lizenzteam im Hintergrund stehe, viel einfacher, weil die nötige Infrastruktur vorhanden sei. Andere Vereine müssten dies alles erst selber erwirtschaften, sagte Mammitzsch. Die Tendenz zu mehr Professionalisierung sei dabei nur zu schaffen, wenn sich die kleineren Vereinen den größeren Vereinen anschließen. Und das sei auch der Wunsch des DFB, damit die Spielerinnen auf hohem Niveau gefordert seien und im Endeffekt auch die Nationalmannschaft profitiere.

Frauen-Bundesliga "spannend" und "interessant"

Dabei bereite es ihr auch keine Sorgen, dass die Frauenmannschaften bisher noch ein Verlustgeschäft für die Lizenzvereine sind. "Wir gehen schon auf einem ganz guten Weg. Beim nächsten Medienvertrag wird es sicher noch einen Schlag oben drauf geben, noch mehr Highlight-Spiele. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auf einem guten Weg sind, noch professioneller uns aufzustellen."
Dafür sei es sehr von Vorteil, dass die Frauen-Bundesliga sowohl im Meisterrennen, als auch im Abstiegskampf sehr spannend sei. "Spannung bringt auch Interesse und Medienpräsenz und das brauchen wir auch."