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StartseiteEuropa heuteDen Krisenmodus verlassen30.01.2019

GriechenlandDen Krisenmodus verlassen

Vergessen ist der jahrelange Kampf gegen die Staatspleite noch nicht. Inzwischen aber hat Griechenland das internationale Hilfsprogramm verlassen und damit begonnen, mit einer Staatsanleihe wieder Geld bei Anlagern einzusammeln. Steht das Land wieder auf eigenen Beinen?

Von Michael Lehmann

Eine Frau steht während der Demonstration auf einer Mauer vor dem Abendhimmel. Sie hält eine griechische Flagge. (AFP / ANGELOS TZORTZINIS)
Die Arbeitslosenquote ist zwar deutlich gesunken - aber allzu oft reicht die Höhe eines Lohns nicht aus, um davon zu leben. (AFP / ANGELOS TZORTZINIS)
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Auf dem Papier hat sich die finanzielle Lage Griechenlands tatsächlich verändert: Das Land erwirtschaftet wieder Überschuss, so wie es die Geldgeber-Länder verlangen. Seit langem ist der über den gewünschten 3,5 Prozent. Allerdings ist bei diesem Überschuss der enorme Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Euro nicht mit berücksichtigt. In diesem Punkt hat sich in Griechenland und wird sich so schnell nichts zum Besseren ändern. Aber, so der Athener Ökonom Dimitrios Siakantaris, die guten Zahlen haben sich bei Investoren rumgesprochen - und das ist enorm wichtig für Griechenland:

"Die meisten der Investoren in aller Welt haben registriert, dass die Krise in Griechenland zu Ende geht. Es verändert sich was zum Guten. Wir können relativ zuversichtlich sein, dass das Kapital der Investoren wieder verstärkt ins Land fließt."

Noch zu wenig gute bezahlte Arbeitsplätze

Alexis Tsipras, der griechische Regierungschef hat also Recht, wenn er sagt, es wird wieder investiert in Griechenland. Allerdings haben die Investitionen bisher zu wenige sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen können. Die Arbeitslosenquoten ist zwar auf deutlich unter 20 Prozent gesunken - aber: Allzu oft reicht die Höhe eines Lohns nicht aus, um davon zu leben. Dieser Athener Gasableser hat deshalb nicht nur diese eine Arbeit:

"Ich glaube im Moment gibt es wirklich nur ganz wenige Jobs, mit denen man seine Familie richtig gut versorgen kann. Ich habe zwei Jobs - und auch zwei Kinder. Für die brauche ich das Geld, für meine Familie. Für mich bleibt da nichts übrig. Ich kann nur hoffen, dass das in den Jahren mal besser wird."

Ebenfalls bisher nur ein Versprechen der Regierung sind in Griechenland die Renten, die Tsipras wieder anheben will. In den letzten Monaten gab es immer wieder kleinere und auch größere Demonstrationen von Rentnern, die mit manchmal nur 300 Euro in einer Großstadt wie Athen eigentlich kaum überleben können:

"Wie soll ich mit 300 Euro auskommen? Nur weil ich älter bin, soll ich kein Recht auf ein normales Leben haben? Wer ist schuld an den Rentenkürzungen? Ich habe doch viel eingezahlt!"

Tourismus zieht an

Eine wichtige Zugmaschine aus der Krise ist der Tourismus. Hier stimmt auch die Analyse von Alexis Tsipras, dass es steil nach oben geht. 33 Millionen Übernachtungsgäste in der letzten Saison 2018 - das war neuer Rekord. Und gut und wichtig an dieser Entwicklung ist, dass dabei auch für andere Bereiche der griechischen Wirtschaft neue Jobs entstehen. Ein Beispiel von der Insel Samos, wo Hotelbesitzer Paris Anadiopoulos viel investiert hat - und dadurch auch mehr Gäste anlockt, die höhere Übernachtungspreise bezahlen:

 "Wir haben gemerkt, dass wir auch eine etwas gehobenere Kundschaft ansprechen, seit wir unser Hotel so aufwändig renoviert haben. Auch die Qualität von lokalem Essen ist für sie wichtig. Das bekommen sie bei uns schon am Frühstückstisch zu spüren. Ich kann sagen, die neuen Touristen sind interessiert an der ganzen Insel, und in diese Richtung müssen wir weiter denken, mehr anbieten."

"Qualität entwickeln - das muss auch der Leitspruch für das griechische Handwerk sein - hier hat der Regierungschef halb recht, wenn er sagt, dass das Land sich erneuert hat. Noch gibt es kein Ausbildungssystem wie in Deutschland - aber mancher Kleinunternehmer ist bereit, in Ausbildung zu investieren und dadurch auch mehr zu verdienen und am Ende einen oder zwei Mitarbeiter mehr einstellen zu können. Es hat sich also manches getan in Griechenland in Sachen Aufschwung - der ganz große Wurf ist also noch nicht gelungen.

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