Seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Donnerstag, 05.12.2019
 
Seit 23:10 Uhr Das war der Tag
StartseiteInformationen am MorgenRemainer, Brexit-Befürworter und die Europawahl22.05.2019

GroßbritannienRemainer, Brexit-Befürworter und die Europawahl

In Großbritannien könnten bei der kommenden Europawahl Labour und Tories große Verluste einstecken. Mit der bisherigen Brexit-Politik haben sie ihre Wähler abgeschreckt. Nigel Farages Brexit-Partei hat dagegen deutlich bessere Chancen - obwohl es auch Gegenwind gibt.

Von Friedbert Meurer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Nigel Farage spricht am 19.04.2019 in Coventry anlässlich der Gründung seiner Brexit-Partei (Mark Thomas / imago images)
Nigel Farage gründet seine neue Brexit-Partei am 19.04.2019 in Coventry (Mark Thomas / imago images)
Mehr zum Thema

Britische Brexit-Gespräche gescheitert Das absehbare Ende einer Schauveranstaltung

Großbritannien May und Corbyn wollen Brexit vorantreiben

Großbritannien und die Europa-Wahl Eine Chance für Brexit-Gegner?

Heidi Allen ist die Vorsitzende der neuen EU-freundlichen Partei mit dem Namen Change UK. Sie bedankt sich ironisch bei den Fotografen, dass sie alle Großaufnahmen von ihrer Parteifreundin Rachel Johnson machen wollen. Rachel Johnson steht auf der Bühne etwas hinter Allen und ist die Schwester von Ex-Außenminister Boris Johnson, den Allen jetzt attackiert. 

"Die Konservativen sind weit nach rechts weggedriftet. Wir sind deswegen für eine Volksabstimmung und dafür, in der EU zu bleiben."

"Wir werben für ein neues Referendum", erläutert Rachel Johnson später. "Wenn wir das gewinnen, dann wollen wir für Reformen in der EU und in Großbritannien werben. Deswegen heißt unsere Partei so."

Brexit-Partei fast sicher stärkste Partei

Auch ein anderes Geschwisterpaar kämpft im Wahlkampf gegeneinander. Annunziata Rees-Mogg hat, anders als ihr Bruder Jacob Rees-Mogg, die Konservativen verlassen und tritt als Europa-Kandidaten für Nigel Farages Brexit-Partei an. Noch vehementer als ihr prominenter Bruder streitet sie jetzt für den Brexit.

"Das ist ein fundamentaler Augenblick für uns alle. Ich ertrage einfach nicht, wie die Politik den Ärger in der Bevölkerung ignoriert."

"Wenn wir die EU nicht verlassen, werde ich nie wieder wählen", schwört in der Tat nicht nur dieser enttäuschte Brexit-Wähler in Hull. "Für mich ist die Demokratie am Ende." - "Niemand in dieser Stadt wird je wieder wählen gehen. Wir sind stocksauer."

Dossier: Europawahlen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Europawahlen (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Gegenwind für Farage

Nigel Farages Brexit-Partei wird fast sicher stärkste Partei werden. Aber Farage erfährt auch Gegenwind. Er persönlich hat 450.000 Pfund von Parteisponsor Arron Banks kassiert und verschwiegen.

"Arron Banks hat kein Geld für die Partei spendiert", wehrt sich Farage. Die halbe Million sei für ihn persönlich bestimmt gewesen, um aus der Politik aussteigen zu können. Wenige Tage später wird Farage von einem Demonstranten mit einem Milch-Shake beworfen. Ein Komplize hat die Szene mit seinem Handy gefilmt. Die Polizei bat zuletzt alle Filialen von McDonalds oder Burger King in der Nähe von Wahlveranstaltungen der Brexit-Party, keine Milk-Shakes mehr zu verkaufen.

"Es ist ein angemessener Protest gegen Leute wie Farage", rechtfertigt sich der Angreifer. "Er verbreitet Gift und Rassismus. Das ist viel schlimmer als so ein Milk-Shake."

Großbritannien ist über den Brexit polarisiert wie eh und je. In der Mitte bewegt sich Labour. Parteichef Jeremy Corbyn hält sich beide Wege offen: für den Brexit, wenn die Bedingungen richtig sind, und für eine zweite Volksabstimmung:

"Wenn wir keinen vernünftigen Vertrag bekommen, dann unterstützt Labour eine Volksabstimmung."

Labour und die Tories verlieren Stimmen

Das Ergebnis der Doppeldeutigkeit: Remainer wählen lieber die kleinen Parteien und Brexit-Befürworter die Brexit-Partei. Labour und die Tories verlieren deutlich.

"Wenn Sie mitten auf der Straße stehen, dann werden sie von beiden Seiten überfahren. Eine Mehrheit ist doch jetzt für eine neue Volksabstimmung. Sie wissen einfach jetzt, was der Brexit wirklich kosten wird."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk