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StartseiteSternzeitErddrehung, Strudel und Eisenbahnschienen 10.09.2018

Große und kleine Folgen der ErddrehungErddrehung, Strudel und Eisenbahnschienen

Dass sich die Erde um die eigene Achse dreht und nicht der gesamte Himmel um die im Mittelpunkt ruhende Erde, gehört heutzutage zum Allgemeinwissen – und ist noch nicht als Fake News in Frage gestellt worden. Ein solcher Versuch wäre auch zum Scheitern verurteilt.

Von Hermann-Michael Hahn

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Die Wolkenspiralen von Tiefdrucksystemen werden durch die Wirkung der Corioliskraft auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn eingedreht, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn  (Eumetsat)
Die Wolkenspiralen von Tiefdrucksystemen werden durch die Wirkung der Corioliskraft auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn eingedreht, auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn (Eumetsat)
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Schließlich kann jeder auf den täglichen Satellitenbildern der Erde sehen, dass sich die mit Tiefdruckgebieten verbundenen Wind- und Wolkenfelder auf Nord- und Südhalbkugel in entgegengesetzte Richtung drehen.

Denn genau dazu führt die Corioliskraft, deren Namen auf den französischen Mathematiker und Physiker Gaspard Gustave de Coriolis zurückgeht. Sie tritt überall dort auf, wo sich etwas relativ zu einem rotierenden Bezugssystem bewegt, in diesem Falle also relativ zur Erdoberfläche.

Solche Verformungen von Eisenbahnschienen in Australien haben nichts mit der Corioliskraft zu tun, sondern mit den hohem Temperaturen im Innern des Kontinents (Australian Transport Safety Bureau)Solche Verformungen von Eisenbahnschienen in Australien haben nichts mit der Corioliskraft zu tun, sondern mit den hohem Temperaturen im Innern des Kontinents (Australian Transport Safety Bureau)

Dass diese von den Physikern als Scheinkraft bezeichnete Folge der Erddrehung auch die Strudelrichtung über dem Abfluss einer Badewanne bestimmt, ist allerdings eine Mär: Herunter gerechnet auf die Größe einer Badewanne ist die Corioliskraft viel zu schwach, um sich gegen andere Einflüsse durchzusetzen, wie etwa die Form der Badewanne oder auch nur die Turbulenz, die beim Ziehen des Stöpsels ausgelöst wird.

Ähnliches gilt für die ungleiche Abnutzung von rechter und linker Eisenbahnschiene. Sie lässt sich zwar berechnen, bleibt aber im Promille-Bereich der Kraft, mit der ein Zug bei gleicher Geschwindigkeit in einer weiten Kurve stärker auf die Außenschiene drückt. Eisenbahn-Bauingenieure brauchen die Erdrotation und ihre Folgen also nicht zu berücksichtigen.

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