Archiv

Diplomatie
"Großes geleistet": Henry Kissinger feiert seinen 100. Geburtstag

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger feiert heute seinen 100. Geburtstag. Als Heinz Alfred Kissinger wurde er 1923 in Fürth geboren, 50 Jahre später wurde er zum vielleicht berühmtesten Diplomaten der USA. Der frühere Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Ischinger sagte, für Kissinger seien persönlicher Austausch und Vertrauen die Währung der Diplomatie.

12.06.2023
    Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger am 04.05.2010 im Rathaus in Fürth (Mittelfranken)
    Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger am 04.05.2010 im Rathaus in Fürth (Mittelfranken) (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
    Kissinger würde auch mit einem Kriegsverbrecher reden, wenn es notwendig sei, sagte Ischinger im Deutschlandfunk. Der ehemalige Außenminister habe sich der Frage verschrieben, wie Großmächte einen Umgang miteinander entwickeln können, damit Krieg und damit eine Katastrophe verhindert werden. Kissinger sei ein Meister der stillen Diplomatie gewesen und habe viel im Verborgenen gewirkt. "Er war nur acht Jahre im Amt, aber noch heute hören ihm alle zu," sagte Ischinger.

    Von Deutschland in die USA

    Kissingers jüdische Familie floh 1938 vor den Nazis aus Deutschland in die USA. Ab 1943 leistete er Dienst in der US Army. Das führte ihn zurück nach Deutschland: nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er an der Aufklärung von Kriegsverbechen und der Entnazifizierung. 1969 wurde er Nationaler Sicherheitsberater in den USA, 1973 dann unter den Präsidenten Nixon und Ford Außenminister. Im selben Jahr erhielt er den Friedensnobelpreis für ein Waffenstillstands- und Abzugsabkommen mit Nordvietnam.
    Andere sahen in Kissinger auch einen skrupellosen Machtmenschen. Die Unterstützung der Invasion Indonesiens in Osttimor 1975 gilt als einer der dunklen Flecken in seiner außenpolitischer Karriere. Berühmt wurde Kissinger durch die sogenannte Pendeldiplomatie: Er reiste zwischen Hauptstädten hin und her und verhandelte zwischen Konfliktparteien.

    Fischer und Steinmeier würdigen Kissinger

    Der frühere Bundesaußenminister Fischer nannte Kissinger im "Tagesspiegel" einen "Jahrhundertmann" und "Metternich des amerikanischen Jahrhunderts". Kissinger habe "Großes geleistet", sagte Fischer unter Verweis auf dessen Lehre vom nötigen Gleichgewicht der Mächte als Voraussetzung für dauerhaften Frieden.
    Auch Bundespräsident Steinmeier würdigte Kissingers politisches Wirken. "Sie meisterten schwierige politische Herausforderungen und haben für Ihre Leistungen sowie Ihre bemerkenswerte Karriere in der internationalen Diplomatie auf der Welt viele Bewunderer", schrieb Steinmeier.

    Anerkennung in China

    Selbst in China wird Kissingers Wirken anerkannt. In der Internationalen Presseschau des Deutschlandfunks wird die chinesische Zeitung "Huanqiu Shibao" mit den Worten zitiert: "Besonders in diesen Zeiten vermisst man einen Politiker dieser Größe in den USA. Erwähnt sei Kissingers Beitrag zur Aufnahme der diplomatischen Beziehung der Vereinigten Staaten mit der Volksrepublik China 1972."
    Kissinger selbst geht auch davon aus, dass er in China einen guten Ruf genießt. Er antwortete jüngst im US-Fernsehen auf die Frage, ob Chinas Präsident Xi Jinping den Hörer abheben würde, sollte Kissinger anrufen: "Die Chancen stehen gut, dass er meinen Anruf annimmt."