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StartseiteWirtschaft und GesellschaftKaufpreise und Mieten steigen03.02.2015

Gutachten der Immobilienwirtschaft Kaufpreise und Mieten steigen

Laut einem Gutachten des Spitzenverbands der deutschen Immobilienwirtschaft ist die Gesamtentwicklung auf dem Markt gut und nicht besorgniserregend. Deshalb seien staatliche Regulierungsmaßnahmen wie die geplante Mietpreisbremse unnötig. Diese Ansicht teilt die Politik aber nicht.

Von Dieter Nürnberger

Alles weitgehend im grünen Bereich - denn laut Frühjahrgutachten des zentralen Immobilienausschusses ZIA, des Spitzenverbandes der deutschen Immobilienwirtschaft, steigen die Mieten in Deutschland kaum noch. Ausnahmen seien allenfalls Topregionen oder besonders beliebte Großstädte, wo die Nachfrage nach Wohnungen tatsächlich noch größer ist als das Angebot. Ansonsten aber sei die Gesamtentwicklung auf den Immobilienmärkten gut und vor allem nicht besorgniserregend, sagt ZIA-Präsident Andreas Mattner:

"Betongold bleibt gefragt und 2014 flossen über 50 Milliarden Euro in den deutschen Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt. Das ist ein Statement! Ja, es gibt gestiegene Kaufpreise, keine Frage, natürlich auch in bestimmten Metropolen. Trotzdem: Wir sehen darin keinen Grund zur Sorge, weder im Wohnungsbau-, noch bei Gewerbeimmobilien."

Laut ZIA-Gutachten zogen die Immobilien-Kaufpreise 2014 in Westdeutschland um 5,5 Prozent an. Allerdings fielen die Mietpreissteigerungen geringer aus als 2013. Im Westen der Republik sank die Quote von 3,3 auf 2,7 Prozent, in Ostdeutschland von 2,5 auf 1,9 Prozent. Und auch in einigen Großstädten sei der 2014 der Anstieg der Mieten fast gebremst worden: Spitzenreiter sei weiterhin München mit einem Anstieg um drei Prozent, 2013 habe dieser allerdings bei sieben Prozent gelegen. Für Frankfurt am Main wurde 2014 sogar ein Durchschnittswert von minus einem Prozent ermittelt.

Verband beklagt staatliche Regulierung

Für den Spitzenverband ein Zeichen dafür, dass staatliche Regulierungsmaßnahmen wie die geplante Mietpreisbremse, unnötig seien. Dieser Auffassung widersprach jedoch Florian Pronold (SPD), der parlamentarische Staatssekretär im Bauministerium, dem das Gutachten übergeben wurde. Er konterte mit einem alten Zitat von Franz-Josef Strauß.

"Der hat einmal gesagt: Mit dem Durchschnitt sei das eine ganz gefährliche Sache: Wer mit dem Hintern auf der heißen Herdplatte sitzt und mit dem Kopf in der Gefriertruhe steckt, der habe im Durchschnitt eine angenehme Körpertemperatur. Im Durchschnitt wird halt nicht so deutlich, was massenhaft Wohnungssuchende in Berlin oder Hamburg erleben. Dort haben wir enorme Steigerungen bei der Wiedervermietung. Wir werden darauf reagieren, ohne Investitionen entsprechend abzuwürgen."

Der Immobilienverband beklagte sich daraufhin über weitere Regularien, die neben einer hohen Nachfrage die Preise treiben würden - etwa Vorgaben bei der Energieeffizienz. Und noch etwas wollte der Zentrale Immobilienausschuss klarstellen: Preisblasen auf dem Markt drohten nicht. Lars Feld ist Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, er hat den ZIA-Report mitverfasst:

"Es ergibt sich auch nicht die Situation, dass die Anleger hingehen würden und aufgrund erwarteter Preissteigerungen auf den Immobilienmärkten verstärkt in Immobilienkredite gingen. Es ist tatsächlich eher eine Umschichtung, diese Investitionstätigkeit ist somit vor allem Eigenkapital-getrieben. Deswegen können wir auch noch nicht von einer Preisblase sprechen."

Für spekulative Hoffnungen auf einen weiteren und mehrjährigen Anstieg der Preise auf den Immobilienmärkten gebe es keinen Anlass, so der ZIA-Report. Trotz noch vorhandener regionaler Unterschiede.

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