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StartseiteSport am Wochenende"Zu vorhersehbar, zu schematisch"25.01.2020

Handball-Nationalmannschaft"Zu vorhersehbar, zu schematisch"

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Männer hat die EM mit Platz 5 abgeschlossen und die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Für den Handball-Experten Erik Eggers ist nicht nur der verpasste Halbfinaleinzug ein Grund, warum die aufgekommende Trainerdiskussion eine logische Konsequenz ist.

Erik Eggers im Gespräch mit Marina Schweizer

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Der deutsche Handballer Hendrik Pekeler in Aktion gegen den Kroaten Zeljko Musa  (dpa-Bildfunk / Robert Michael)
Handball EM: Kroatien - Deutschland in Wien (dpa-Bildfunk / Robert Michael)
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Mit einem 29:27-Sieg über Portugal hat die Nationalmannschaft die Handball-Europameisterschaft mit dem fünften Platz abgeschlossen. Am Ende verlor das deutsche Team bei sechs Siegen im Turnier nur gegen die beiden Finalisten Kroatien und Spanien. Dennoch ist der letzte Titel nun schon vier Jahre her.  Erik Eggers ist Handball-Experte, beobachtet das Team seit Jahren und zieht im Dlf seine Schlüsse aus dem Turnier.

"Wir lernen daraus, dass der deutsche Handball oder die Nationalmannschaft einige Positionen hat, die Weltklasse verkörpern", sagt Erik Eggers im Dlf-Gespräch über den Kader bei der EM. Die Torhüter, die Abwehr, die Außen und der Mittelblock seien im deutschen Team auf einem hohen Niveau.

"Achillesferse Rückraum"

Doch nicht alle Positionen seien bestens besetzt. Speziell im Rückraum sieht Eggers große Probleme. Hier fehle der Nationalmannschaft laut Erik Eggers einfach die Qualität. Ursache sei unter anderem auch die fehlende Wettkampferfahrung auf diesem Niveau: "Das sind einfach keine Spieler, die jeden Tag in der Champions League auch gefordert sind. Die spielen halt in Melsungen, in Hannover, in Berlin. Das sind alles nicht Vereine, die in der Champions League wirklich jeden Tag oder jeden Spieltag auf höchstem Niveau gefordert sind", erklärt Erik Eggers.

Trainerdiskussion um Prokop "berechtigt"

Eine Diskussion, welche während des Turniers ausbrach, war die Personalie des Bundestrainers Christian Prokop. Speziell Ex-Welthandballer Daniel Stephan kritisierte den Trainer scharf und stellte ihn in seiner Position in Frage. Für Erik Eggers ist die Diskussion berechtigt: "Weil wir jetzt das dritte Turnier sehen, wo die Mannschaft ja nicht das erreicht, was sie eigentlich erreichen wollte." Dieses Jahr habe man das ausgegebene Ziel "Halbfinale" nicht erreicht, so Eggers.

Der Bundestrainer hat nun erst einmal eine Jobgarantie bis zum Qualifikationsturnier für Olympia. Dennoch, so Eggers, sei nicht jeder beispielsweise vom Deutschen Handballbund von Christian Prokop zu 100% überzeugt.

In Gesprächen seien Eggers besonders Vorbehalte im taktischen Bereich aufgefallen. Diese seien aber auch nachvollziehbar: "Weil Prokop bisher in diesen großen Turnieren gegen große Gegner bisher nicht nachgewiesen hat, dass er wirklich entscheidende Impulse setzen kann. Ja, das er auch mal in der Lage ist, auch ein Spiel mit einem taktischen Kniff, wirklich zu entscheiden". Zudem sei das deutsche Spiel vorhersehbar und zu schematisch. 

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