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Handelskonzern OttoÜberleben im Schatten von Amazon

Inneneinrichtung mit Virtual Reality, Lieferabfrage über den Sprachassistenten - mit neuen Service-Angeboten und Technologien will der Handelskonzern Otto gegen die mächtige Konkurrenz im Online-Handel bestehen.

Von Axel Schröder | 25.02.2019

Otto-Kataloge aus den vergangenen Jahrzehnten
Dokumente aus der Ära vor dem Online-Handel: Otto-Kataloge aus vergangenen Jahrzehnten (Markus Scholz/dpa)
Der Otto-Konzern baut um. Ganz real, in der Firmenzentrale an der Werner-Otto-Straße 1-7. Im Erdgeschoss einer ehemaligen und schon entkernten Lagerhalle steht Marc Opelt, der Vorsitzende des Bereichsvorstands bei Otto, mit Bauhelm auf dem Kopf auf dem staubigen Baustellenboden.
"Unsere neue Firmenzentrale, das Herz von Otto wird hier entstehen. 40.000 Quadratmeter. Vielleicht mal zur Orientierung: ein großes Einkaufszentrum hat heute etwa 20.000 Quadratmeter."
Schöne neue Handelswelt
Im achten Stock gibt es schon jede Menge farbenfrohe so genannte Co-Working-Spaces. Im achten Stock stellt der Konzern auch vor, wie die Kundschaft sich in Zukunft die neue Inneneinrichtung zusammenstellen kann. Zum Beispiel mit Virtual-Reality-Brillen auf der Nase, in der keine realen, sondern am Bildschirm, per Mausklick entstandene Möbel begutachtet werden können, erklärt Tobias Nientiedt, zuständig für das Thema CGI bei Otto, für Computer-Generated-Imagery:
"Wenn man jetzt 100 verschiedene Küchen im Angebot hat und diese Küchen gibt es mit zehn unterschiedlichen Arbeitsplatten, mit zehn Korpus-Farben, zehn Fronten und zehn Griffen, dann kommt man auf eine Million Küchen, die eigentlich fotografiert werden müssen."
Virtual-Reality-Brille von Otto zur Planung der Inneneinrichtung
Neu bei Otto: Inneneinrichtung mit Virtual Reality (Deutschlandfunk/Axel Schröder)
Und diese Millionen von Varianten werden in Zukunft durch computergenerierte Fotos abgebildet. Vorgestellt wurde auch ein neuer Service, bei dem die Kunden über den Sprachassistenten von Google den Lieferstatus ihres Paktes abrufen können. Denkbar sei dabei auch die Ausweitung auf die Sprachassistenten anderer Anbieter wie "Siri" von Apple oder "Alexa" vom Konkurrenten Amazon. Bis 2020 wolle Otto die Zahl seiner Partner auf der Unternehmensplattform von heute 400 auf 3000 erhöhen. Auf bestimmte Produktsparten sei man dabei nicht fokussiert, so Marc Opelt:
"So schauen wir da nicht drauf, dass wir irgendwas weglassen oder rauslassen. Wir bleiben bei unseren strategischen Schwerpunkten: insbesondere Möbel, Einrichtung, eigentlich alles rund um das Zuhause. Auch im Weißwarenbereich, Spülmaschinen, Waschmaschinen sind wir im Onlinehandel aktuell Marktführer."
Mehr Vernetzung und Paketboxen
Eine größere Kundenfreundlichkeit und -bindung könnte durch die Kooperation mit der Haushaltsgeräte-Sparte von Bosch entstehen. Otto stellte heute die vernetzte, ins WLAN eingebundene Spülmaschine vor, die neue Spülmaschinentabs nachbestellt, sobald die Packung zur Neige geht. Und diese Nachbestellung läuft dann über den Otto-Versand. Dass dadurch der Lieferverkehr und damit die Umweltbelastung in den Städten zunehmen könnte, glaubt Marc Opelt nicht. Zumindest nicht auf lange Sicht:
"Heute ist es sicherlich noch so, dass ein paar Mosaiksteine in einem sehr stark umweltverträglichen Logistik-Mosaik noch fehlen. Man müsste in den einzelnen Stadtteilen, einige gibt es schon, die Paketstationen ausbauen, in die Infrastruktur eingebettet. Und die Kunden müssen es dann auch annehmen. Man kann sich vorstellen, dass an großen Häusern Paketboxen dran sind. Und das muss sich einspielen."
Für das laufende Geschäftsjahr geht Otto von einem Wachstum von mehr als acht Prozent und einem Gesamtumsatz von 3,2 Milliarden Euro aus. Zum Vergleich: Amazon erwirtschaftete im letzten Jahr allein in Deutschland über 17 Milliarden Euro.