Freitag, 30.07.2021
 
Seit 07:15 Uhr Interview
StartseiteAus Religion und Gesellschaft"Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen"27.01.2021

Heinrich Heine und die Religion"Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen"

Der Schriftsteller Heinrich Heine gilt zu Recht als Spötter - auch und vor allem mit Blick auf die Kirchen und auf seine eigene, die jüdische Religion. Aber er hat auch andere Seiten, die oft übersehen werden. Ihn fasziniert die Vorstellung einer Diesseits-Religion.

Von Burkhard Reinarzt

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Porträt von Heinrich Heine (1797- 1856). (imago stock&people)
Porträt von Heinrich Heine (1797- 1856) (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Heinrich Heines Wintermärchen Verse zur deutschen Identität

Heinrich Heine vor 175 Jahren "Nachtgedanken" erscheint erstmals in einer Zeitung

Dichter und ihre Städte Heinrich Heines Düsseldorf

Briefe aus Berlin Heinrich Heine, die Stadt und eine Verwandlung

Religion und Politik Die politische Philosophie nach Spinoza

Mir träumt‘: ich bin der liebe Gott,
Und sitz‘ im Himmel droben,
Und Englein sitzen um mich her,
die meine Verse loben.

Und Kuchen ess‘ ich und Konfekt
Für manchen lieben Gulden,
Und Kardinal trink ich dabei,
Und habe keine Schulden.

Doch Langeweile plagt mich sehr,
Ich wollt‘, ich wär‘ auf Erden,
Und wär‘ ich nicht der liebe Gott,
Ich könnt‘ des Teufels werden.

"Das ist ein sehr frühes Gedicht Heines entstanden in den 20er-Jahren. Ein Zeichen dafür, warum Heine auch mit Recht als Spötter gilt," sagt Christian Liedtke vom Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. "Das gängige Bild, das man von Heine hat, ist das desjenigen, der sich eigentlich über alles lustig gemacht hat und insbesondere über die Religion. Wenn man aber einen Blick in seine Werke wirft, sieht man, dass er sich sein Leben lang sehr intensiv mit Religion beschäftigt hat, sowohl in theologischer Hinsicht als auch in philosophischer, historischer und politischer Hinsicht."

Heine selbst merkte dazu an: "Man hat mir vorgeworfen: Ich hätte keine Religion. Nein, ich habe sie alle."

Kind assimilierter Juden

Heine kommt am 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf zur Welt. Seine Eltern sind assimilierte Juden. Der Junge besucht eine katholische Schule. In Bonn studiert er Jura. Sein unruhiger Lebensweg wird ihn über Göttingen, Hamburg und Berlin nach Paris führen. Schon früh wird ihm klar, was er eigentlich möchte: Schreiben und sich für Freiheit und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Heine wird Lyriker, Essayist, Journalist und politischer Kommentator.

Heftig attackiert er die unheilige Allianz von Thron und Altar, "jene Missgeburt, die man Staatsreligion nennt", so der Schriftsteller: "Ich spreche von jener Religion, die durch die Lehre von der Verwerflichkeit aller irdischen Güter, von der auferlegten Hundedemut und Engelsgeduld die erprobteste Stütze des Despotismus geworden ist."

Christian Liedtke kommentiert das so: "Heine hat nicht unbedingt die Religion angegriffen, sondern er hat sehr häufig ihre Vertreter angegriffen. Sprich die Priester, Theologen, Autoritätspersonen, die die Religion benutzt haben. Oft hat man eben zu Heines Zeit, wenn man den Leuten keine politischen Vorwürfe machen konnte, ihnen den Vorwurf gemacht, dass sie Gotteslästerung betrieben haben. Und darum traf dieser Bannstrahl dann auch Heinrich Heine", erzählt Christian Liedtke. Der Germanist arbeitet am Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut und hat mehrere Bücher über den Schriftsteller veröffentlicht.

Auch wenn Heine sich nicht zur jüdischen Religion bekennen kann, fühlt er sich zeitlebens mit dem Judentum verbunden: "Wie kann ich aus meiner Haut fahren, die aus Palästina stammt und welche von den Christen gegerbt wird seit achtzehnhundert Jahren."

Porträt Heinrich Heine (1797-1856) (imago) (imago)Heinrich-Heine-Biografie "Die Erfindung des europäischen Intellektuellen"
Heinrich Heine gilt als einer größten deutschen Schriftsteller. Sein Werk sei immer wieder von den verschiedensten Seiten vereinnahmt worden, sagt Heine-Biograf Rolf Hosfeld.

Protestantische Taufe

Heine bezieht sich immer auf die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes - sowohl in seinem Werk als auch beim Engagement im "Berliner Verein für Kultur und Wissenschaft". Die Entscheidung, sich im Juni 1825 protestantisch taufen zu lassen, war eine Mischung aus Existenzangst und der Erfahrung religiöser Ausgrenzung. Aus Harry wird Heinrich - Christian Johann Heinrich Heine. Der Schriftsteller schreibt: "Es war eine dehmüthigende Conzession."

"Heine musste sich taufen lassen, weil er wollte als Rechtsanwalt arbeiten. Rechtsanwälte waren in der Zeit, wenn sie Juden waren, nicht zugelassen. Er hat später diesen Schritt immer mal wieder bereut", meint Christian Liedtke.

Seine Begeisterung für die Ideale der Französischen Revolution schränkt seine beruflichen Perspektiven in Deutschland ein. 1831 emigriert Heine nach Paris, wo er als Korrespondent für deutsche Zeitungen arbeitet. Vier Jahre später begründet die deutsche Bundesversammlung das Generalverbot von Heines Schriften nicht nur politisch. Er greife "die christliche Religion auf die frechste Art an". Der Vatikan setzt seine Werke auf den Index der verbotenen Bücher.

"Heine schwebte ein modernes, ein säkulares Judentum vor, das sich nicht mehr religiös definierte, sondern das sich auf ein kulturelles Selbstbewusstsein stützte, auf ein Bewusstsein der eigenen kulturellen Errungenschaften der jüdischen Literatur und Philosophie, das auf diese Weise in einer modernen und säkularen Gesellschaft seinen Platz finden könnte", sagt Christian Liedtke.

In seinem letzten Lebensjahrzehnt wird Heine sich wieder stärker mit der traditionellen Religion seiner Vorfahren verbinden. Als kirchenkritisch eingestellter protestantisch getaufter Jude beeindruckt Heine die Mission Martin Luthers.

Protestierender Protestant

"Er sah den Protestantismus als eine Befreiungsbewegung an," sagt Christian Liedtke, "er hat das emanzipatorische Element des Protestantismus entdeckt und gerühmt. Insbesondere durch Luther sei die Denkfreiheit eingeführt worden. Und in dem Sinne, so sagt er von sich selber, ist er ja sein Leben lang ein protestierender Protestant geblieben, also eher in einem politischen und geistesgeschichtlichen Sinne, weniger in einem theologischen Sinne."

Heine: "In meinen jetzigen religiösen Überzeugungen weht noch immer der Geist des Protestantismus. Ich bin für die protestantische Kirche noch immer parteiisch."

Christian Liedtke: "Heine war kein Gottsucher in dem Sinne, dass er sich öffentlich gequält hätte mit seinem Glauben wie andere berühmte Schriftsteller wie Dostojewski oder Kierkegaard. Für ihn äußert sich in der Gottesvorstellung eine Glücksvorstellung und der Anspruch auf Lebensglück. Das war etwas, was Heine umtrieb, und das war etwas, was er in der Religion, in allen Religionen suchte."

Christian Johann Heinrich Heine,1797 1856. German poet, journalist, essayist, and literary critic. After a contemporary print. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY DesignxPicsx/xKenxWelsh 902_05_12539549HighRes (imago stock&people)Heinrich Heine grübelnd - ein zeitgenössisches Portrait (imago stock&people)

Der Schriftsteller war aber auch ein Zweifler. Sein gnadenloses Nachbohren machte auch vor Gott nicht halt:

Lass die heil‘gen Parabolen,
Lass die frommen Hypothesen -
Suche die verdammten Fragen
Ohne Umschweif uns zu lösen.

Warum schleppt sich blutend, elend,
Unter Kreuzeslast der Gerechte,
Während glücklich als ein Sieger
Trabt auf hohem Ross der Schlechte?

Woran liegt die Schuld? Ist etwa
Unser Herr nicht ganz allmächtig?
Oder treibt er selbst den Unfug?
Ach, das wäre niederträchtig.

Also fragen wir beständig,
Bis man uns mit einer Handvoll
Erde endlich stopft die Mäuler -
Aber ist das eine Antwort?

Meister des Spotts

Heine gilt als Meister des Spotts. Welche Trauer und Wut sich hinter seiner Ironie verbirgt, hat er in dem Satz ausgedrückt:

"Wenn die weitklaffende Todeswunde meines Herzens sprechen könnte, so spräche sie: ich lache."

Mich locken nicht die Himmelsauen
Im Paradies, im selg‘en Land;
Dort find‘ ich keine schönre Frauen
Als ich bereits auf Erden fand.

Kein Engel mit den feinsten Schwingen
Könnt‘ mir ersetzen dort mein Weib;
Auf Wolken sitzend Psalmen singen,
Wär’ auch nicht just mein Zeitvertreib.

O Herr! Ich glaub‘, es wär das Beste,
Du ließest mich in dieser Welt;
Heil‘ nur zuvor mein Leibgebreste,
Und sorge auch für etwas Geld.

Ich weiß, es ist voll Sünd’ und Laster
Die Welt; jedoch ich bin einmal
Gewöhnt, auf diesem Erdpechpflaster
Zu schlendern durch das Jammertal.

Glück auf Erden, nicht erst im Jenseits

Christian Liedtke: "Heines Perspektive war immer eine irdische. Ihn interessierte immer das Glück auf Erden, nicht das Glück im Jenseits. Darin entdeckte er immer eine politische Agenda der Unterdrückung. Darum hat er jegliche Art von Verweis auf das Jenseits immer sehr heftig kritisiert, manchmal leicht verspottet, mal mit starken Angriffen beantwortet hat."

Auf diesem Felsen bauen wir
Die Kirche von dem dritten,
dem dritten neuen Testament;
Das Leid ist ausgelitten.

Vernichtet ist das Zweierlei,
Das uns so lang betöret;
Die dumme Leiberquälerei
Hat endlich aufgehöret.

Hörst du den Gott im finsteren Meer?
Mit tausend Zeichen spricht er.
Und siehst du über unserm Haupt
Die tausend Gotteslichter?

Der heilge Gott, der ist im Licht
Wie in den Finsternissen;
Und Gott ist alles, was da ist;
Er ist in unsern Küssen.

"Heine versucht in dem Gedicht auf wunderbare Weise zu demonstrieren, was er in seinen philosophischen Schriften ausgeführt hat," analysiert Christian Liedtke, "nämlich, dass die Leiberquälerei, sprich die Unterdrückung der Sinnlichkeit und alles Körperlichen, in einer guten Religion nichts zu suchen habe, sondern dass die Religion das Schöne, das Göttliche eben auch im Körperlichen, auch in den Genüssen zu entdecken habe. Und darum sind natürlich auch Küsse und die Liebe göttlich..

In seiner Schrift "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland", bekennt Heine sich 1835 zum Pantheismus und beschreibt wie der große jüdische Denker Baruch de Spinoza seine Weltanschauung geprägt hat:

"Die Welt ist nicht bloß gottgetränkt, gottgeschwängert, sondern sie ist identisch mit Gott. "Gott", welcher von Spinoza die eine Substanz und von den deutschen Philosophen das Absolute genannt wird, ‚ist ‚alles, was da ist‘, er ist sowohl Materie wie Geist, beides ist gleich göttlich und wer die heilige Materie beleidigt, ist ebenso sündhaft, wie der, welcher sündigt gegen den heiligen Geist."

Diesseits-Religion

"Heine war fasziniert von der Vorstellung einer Diesseits-Religion, also einer Religion, die eben die Göttlichkeit schon auf Erden entdeckt," beobachtet Christian Liedtke: "Glückseligkeit auf Erden - das war für ihn im Grunde ein Gegenmodell zu der Unterdrückung der Sinnlichkeit, wie er sie im Christentum und im orthodoxen Judentum seiner Zeit entdeckt."

Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.
Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder
Und Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.
Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

An anderer Stelle sagt Heine, was aus seiner Sicht "die eigentliche Idee" des Christentums sei - eine Idee, die er ablehnt:

"Dem guten Christus steht der böse Satan gegenüber; die Welt des Geistes wird durch Christus, die Welt der Materie durch Satan repräsentiert; jenem gehört unsere Seele, diesem unser Leib; und die ganze Erscheinungswelt; die Natur ist demnach ursprünglich böse und Satan, der Fürst der Finsternis, will uns damit ins Verderben locken und es gilt allen sinnlichen Freuden des Lebens zu entsagen, damit die Seele sich desto herrlicher emporschwinge in den lichten Himmel, in das strahlende Reich Christi. Diese Weltsicht, die eigentliche Idee des Christentums, hatte sich, unglaublich schnell, über das ganze römische Reich verbreitet wie eine ansteckende Krankheit."

Von dieser harschen Kritik nimmt der Schriftsteller ausdrücklich den historischen Jesus aus, den er seinen Lieblingsgott nennt, betont Christian Liedtke:

"Heine sieht Christus eigentlich als ein Revolutionär. Er nennt ihn da an einer Stelle den "göttlichen Kommunisten". Also deutet er ihn ganz und gar politisch als einen Befreier, ganz im Sinne seiner Suche nach Emanzipation. Das ist Christus für ihn, der die Geldwechsler aus dem Tempel jagt und die Schriftgelehrten eines Besseren belehrt. Weil er eben ein Mensch ist, weil er leidet."

Typisch für Heine ist etwas, das heute nur von wenigen wahrgenommen wird: Er verzahnt seine Kritik an den politischen Zuständen mit dem Aufruf zur Befreiung der Religion. Etwa wenn er schreibt: "Die politische Revolution, die sich auf den französischen Materialismus stützt, wird in den Pantheisten keine Gegner finden, sondern Gehilfen, die ihre Überzeugung aus einer tieferen Quelle, aus einer religiösen Synthese, geschöpft haben. Das große Wort der Revolution, das Saint-Just ausgesprochen: Das Brot ist das Recht des Volkes lautet bei uns: Das Brot ist das göttliche Recht des Volkes. Wir kämpfen nicht für die Menschenrechte des Volkes, sondern für die Gottesrechte des Menschen."

Emanzipatorische Momente im religiösen Denken

"Einer der Grundsätze Heines war: Die große Aufgabe unserer Zeit ist die Emanzipation," so Christian Liedtke. Und weiter: "An diesem Grundsatz hat er die Religion und ihre Vertreter gemessen und beurteilt. Und da hat er eben einerseits entdeckt, dass die Religion politisch zur Unterdrückung beiträgt, indem sie sich verbündet mit den Mächtigen seiner Zeit. Andererseits hat er aber auch im religiösen Denken emanzipatorische Momente gesucht und gefunden."

Auch wenn Gott schon immer im Mittelpunkt seines Denkens stand, rücken im Alter religiöse Fragen noch stärker in den Fokus: "Weder die Böswilligkeit meiner Feinde, noch die pfiffige Torheit meiner Freunde, soll mich davon abhalten, über die wichtigste Frage der Menschheit, über das Wesen Gottes, unumwunden und offen, mein Bekenntnis auszusprechen." Und bereits im Jahr 1833 schreibt Heine: "Anfang und Ende aller Dinge ist ein Gott." Mit Gedichten wie "Jehuda ben Halevy" sucht er eine Rückbindung an die Tradition seines eigenen Volkes. Der zweite Teil des Gedichts beginnt mit dem Psalm 137.

Bei den Wassern Babels saßen
Wir und weinten, unsre Harfen
Lehnten an den Trauerweiden -
Kennst du noch das alte Lied?

Lange schon, jahrtausendlange
Kocht‘s in mir. Ein dunkles Wehe!
Und die Zeit leckt meine Wunde,
Wie der Hund die Schwären Hiobs.

Dank dir, Hund, für deinen Speichel -
Doch das kann nur kühlend lindern -
Heilen kann mich nur der Tod,
Aber ach, ich bin unsterblich!

Jahre kommen und vergehen,
Menschentränen träufeln, rinnen
Auf die Erde, und die Erde
Saugt sie ein mit stiller Gier.

"Die Rolle, die Heine hier wählt, ist die des Hiob, des Anklägers Gottes, des Zweiflers, der leidet und Gott anklagt, Gott als Diskutant gegenübertritt und ihm die Frage nach der Gerechtigkeit auf Erden stellt", sagt Christian Liedtke.

Matratzengruft

Seine letzten acht Lebensjahre verbringt Heinrich Heine im Krankenbett, das er seine "Matratzengruft" nennt. Die Ursachen seines Leidens bleiben unklar. Wahrscheinlich eine tuberkulöse Gehirnhautentzündung. Auf dem Krankenbett ringt er mit Gott wie einst Jakob mit dem Engel und verschafft sich Luft im Spott:

"Kennst Du jenes schauerliche, peinigende Gefühl, welches ich die Verzweiflung des Leibes nenne? Gottlob, dass ich jetzt wieder einen Gott habe, da kann ich mir doch im Übermaße des Schmerzes einige fluchende Gotteslästerungen erlauben; dem Atheisten ist eine solche Labung nicht vergönnt."

Bei aller Ironie bekennt sich der Dichter jetzt zum Glauben an einen persönlichen Gott:

"Ausdrücklich widersprechen muss ich jedoch dem Gerüchte, als hätten mich meine Rückschritte bis zur Schwelle irgendeiner Kirche oder gar in ihren Schoß geführt; kein Glockenklang hat mich verlockt, keine Altarkerze hat mich geblendet. Ich habe meiner Vernunft nicht ganz entsagt."

Heinrich Heine, Paris FRANKREICH, France, Paris, 22.12.2017 Grab mit Skulptur von Heinrich Heine auf dem Friedhof Cimetiere de Montmartre Cemetery in Paris. Grave of the German poet and author Heinrich Heine on the graveyard Cimetiere de Montmartre Cemetery in Paris, France. (imago stock&people)Grabmal von Heinrich Heine auf dem Pariser Friedhof Montmartre (imago stock&people)

Heinrich Heine stirbt am 17. Februar 1856 in Paris. Drei Tage später wird er auf dem Friedhof Montmartre beerdigt. Er verbittet sich jede Ansprache. Kein Rabbi, kein Pastor, kein Priester darf an seinem Grab sprechen. Selbst im Angesicht des nahen Todes begleiten ihn sein Witz und seine Ironie:

"Bin sehr elend. Hustete schrecklich vierundzwanzig Stunden lang; ich werde den lieben Gott, der so grausam an mir handelt, bey der Thierquälergesellschaft verklagen."

O Gott, verkürze meine Qual
Damit man mich bald begrabe;
Du weißt ja, dass ich kein Talent
Zum Martyrtume habe.

Ob deiner Inkonsequenz, O Herr,
Erlaube dass ich staune:
Du schufest den fröhlichsten Dichter und raubst
Ihm jetzt seine gute Laune.

Der Schmerz verdumpft den heitern Sinn
Und macht mich melancholisch;
Nimmt nicht der traurige Spaß ein End,
So werd‘ ich am Ende katholisch.

Ich heule Dir dann die Ohren voll
Wie andere gute Christen -
O Miserere! Verloren geht
Der beste der Humoristen!

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk