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StartseiteSprechstundeAntiobiotika als Risikofaktor 07.05.2019

Herz-Kreislauf-ErkrankungAntiobiotika als Risikofaktor

Eine längere Antibiotika-Einnahme wirkt sich ungünstig auf das Herz-Kreislauf-System aus, hat eine Studie ermittelt. "Es zeigt sich eine Verdopplung der Herzinfarkt-Rate bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalter", sagte der Kardiologe Claudius Jacobshagen im Dlf.

Claudius Jacobshagen im Gespräch mit Carsten Schroeder

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Computergrafik eines Herzinfarkts (imago / Science Photo Library)
Zwischen Antibiotika und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht ein Zusammenhang - so eine neue Studie (imago / Science Photo Library)
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Seit mehr als 40 Jahren, genau gesagt seit 1976, gibt eine Gruppe von 40.000 US-amerikanischen Krankenschwestern Wissenschaftlern alle zwei Jahre Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten und Erkrankungen. Die "Nurses Health Study" hat geholfen, Antworten auf viele medizinische Fragen und Probleme zu finden. Ganz aktuell gibt die Langzeitstudie eine Antwort auf die Frage: Wie wirkt sich eine längere Behandlung mit Antibiotika auf die Herzgesundheit aus? 

Die verblüffende Antwort: Wenn Frauen, die älter als 60 sind, zwei Monate oder länger Antibiotika einnehmen, dann steigt ihr Risiko, später eine Herz-Kreislauf-Erkrankung – etwa einen Herzinfarkt – zu erleiden. "Es zeigt sich eine Verdopplung der Herzinfarkt-Rate bei Frauen im mittleren und höheren Lebensalter, die einen Herzinfarkt erleiden", sagte Prof. Dr. med. Claudius Jacobshagen, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen im Deutschlandfunk.

Bakterien-Mix verändert, Fresszellen aktiviert

Der Kardiologe geht davon aus, dass diese Erkenntnisse auch auf Männer übertragbar sind: "Endlich untersucht eine große Studie auch Frauen - die werden sonst vernachlässigt."

Denkbar sei, dass die Antibiotika die Bakterien-Zusammensetzung im Darm veränderten. Das habe Einfluss auf die Funktion der Blutplättchen, die wiederum dafür verantwortlich seien, wenn es innerhalb eines Gefäßes zu einem Blutgerinnsel komme. Bestimmte Antibiotika könnten Fresszellen aktivieren, was zu einem beschleunigten Prozess der Gefäßverengung führen könne. 

Die Studie sei allerdings rein deskriptiv, beantworte also zum Beispiel nicht die Frage, ob nicht etwa die Infektionen Einfluss auf die Herzkrankheiten hätten, sagte Claudius Jacobshagen. Man könne aber festhalten:

"Diese Studie bestärkt das, was wir Mediziner schon länger sagen: Man soll den Einsatz von Antibiotika sehr sorgfältig abwägen. Man sollte die Antibiotika so kurz wie möglich einnehmen, nicht zu kurz, aber nicht zu lang."

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