Nahost
Hisbollah im Libanon lehnt neue Vereinbarung zur Waffenruhe ab

Die militant-islamistische Hisbollah hat auch die neue Vereinbarung für eine Waffenruhe im Libanon abgelehnt. Hisbollah-Chef Kassim wies in einer Ansprache vor allem die Forderung nach einer Entwaffnung der Miliz zurück. Er forderte einen vollständigen Rückzug Israels aus dem Libanon.

    Libanon, Dahiyeh: Der stellvertretende Generalsekretär der Hisbollah, Scheich Naim Kassim
    Scheich Naim Kassim ist Hisbollah-Anführer. (Archivbild) (Bilal Hussein / P/dpa)
    Unterhändler Israels und der libanesischen Regierung hatten sich gestern in Washington darauf verständigt, die bereits seit April geltende, aber brüchige Waffenruhe tatsächlich umzusetzen. Die libanesische Armee soll die Hisbollah entwaffnen. Den Absprachen zufolge sollen die libanesischen Streitkräfte die Kontrolle über Sicherheitszonen im Libanon übernehmen, aus denen die Miliz verbannt werden soll.
    Als Teil der Umsetzung einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon hat sich die israelische Armee aus dem libanesischen Grenzort Dibbin zurückgezogen. Die libanesischen Streitkräfte bestätigten dies. Israels Armee äußerte sich bislang nicht.
    Die libanesische Regierung selbst ist keine Kriegspartei. Sie hat nur begrenzt Einfluss auf die im Land agierende proiranische Miliz, die Israel immer wieder mit Raketen angreift.

    Unstimmigkeiten in der israelischen Regierung

    Der israelische Polizeiminister Ben-Gvir wandte sich gegen die jüngsten Gespräche in den USA zur Umsetzung der Waffenruhe. Er schrieb auf der Plattform X, der libanesische Staat sei ein Partner der Hisbollah und nicht in der Lage, die Miliz aus dem Grenzgebiet zu verdrängen. 

    Neue Angriffe im Südlibanon

    Trotz der Vereinbarung gab es heute wieder israelische Angriffe im Süden des Libanon. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von mehreren Drohnenattacken auf Fahrzeuge im Süden des Landes. Dabei soll es mindestens ein Todesopfer gegeben haben. Israels Verteidigungsminister Katz ⁠sagte, man setze auch den Bodeneinsatz gegen die Hisbollah-Miliz vorerst fort.
    Bei einem Angriff auf einen UNO-Stützpunkt kam im Süd-Libanon ein Blauhelm-Soldat ums Leben; zwei weitere Soldaten wurden verletzt. Israel machte die Hisbollah für die Attacke verantwortlich.

    Auch in Gaza wieder neue Angriffe

    Bei neuen israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mindestens neun Menschen getötet worden.
    Es gab zudem 15 Verletzte. Laut einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurden mehrere Wohnungen in Gaza-Stadt getroffen. Die israelische Armee erklärte, die Angaben zu prüfen.
    Offiziell gilt seit Oktober vergangenen Jahres eine Waffenruhe für den Gazastreifen. Dennoch kommt es immer wieder zu Kämpfen. Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte zuletzt angekündigt, die militärische Kontrolle über das Palästinensergebiet von derzeit 60 auf 70 Prozent der Fläche ausweiten zu wollen.
    Diese Nachricht wurde am 04.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.