
"Seine Maxime war Freiheit vor Einheit"
Frei sagte im Interview der Woche im Deutschlandfunk, diese Überzeugungskraft habe Adenauer vorgelebt. Der Geschichtsprofessor betonte die Bedeutung dieser politischen Stärke für die Demokratie und erinnerte an Adenauers Verdienste für eine freiheitlich-demokratiche Bundesrepublik: "Seine Maxime war Freiheit vor Einheit".
Mit Blick auf ein sich abzeichnendes Ende einer Epoche der unbedingten Westbindung lobte Frei Adenauer dafür, den Großteil der Bürger für das westeuropäisch-transatlantische Bündnis gewonnen zu haben. Dies sei seine dialektische Leistung gewesen.
"Kalkuliertes Beschweigen" beim Thema Nationalsozialismus
Adenauers Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus in Deutschland sieht der Historiker kritisch. Ein kalkuliertes Schweigen habe Adenauer in diesem Punkt betrieben. Der Christdemokrat habe sich aus machtpolitischen Überlegungen lange nicht als NS-Verfolgter geoutet, obwohl er einer gewesen sei. Frei glaubt, die Deutschen an ihre nationalsozialitische Vergangenheit zu erinnern, wäre für Adenauer im Hinblick auf Wählerstimmen ein politischer Fehler gewesen.
Dass Adenauer an seinem Kanzleramts-Chef Hans Globke, einem ehemaligen hochrangigen NS-Funktionär, festgehalten habe, sei aus Sturheit und Bequemlichkeit geschehen. Die Causa Globke habe Adenauer aber gerade auch in der außenpolitischen Wahrnehmung zeitlebens schwer geschadet.
Konrad Adenauer war Mitgründer der CDU und der erste Nachkriegs-Kanzler. Er wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren und wäre somit am Montag 150 Jahre alt geworden.
Der Deutschlandfunk sendet das Interview der Woche am Sonntag, 4. Januar 2026 um 11.05 Uhr.
Diese Nachricht wurde am 03.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.





