Extremwetter
Hitzewelle sorgt für Rekordtemperaturen, überlastete Rettungskräfte und Stromausfälle

Die andauernde Hitzewelle in Deutschland sorgt weiter für historische Temperaturrekorde, überlastete Rettungskräfte und Störungen der Infrastruktur. In ganz Deutschland waren die Rettungskräfte im Dauereinsatz.

    Wettervorhersagekarte zeigt extreme Hitzewelle und hohe Temperaturen in ganz Europe. Globale Erwärmung, Klimawandel und das Konzept anomaler Sommerhitze mit rotglühenden Temperaturen.
    Neue Hitzerekorde in Europa (picture alliance/CHROMORANGE/Ales Utouka)
    So meldet die sächsische Landeshauptstadt Dresden mit 318 Feuerwehreinsätzen den einsatzstärksten Tag des Jahres, die Kölner Feuerwehr befand sich nach Angaben der Stadt an ihrer Kapazitätsgrenze. Bundesweit mussten die Rettungsdienste bei hitzebedingten Notfällen bewusstlosen Menschen helfen oder sie reanimieren. In Krefeld kollabierten fünf Senioren in einem Altenheim. In Dormagen wurden 16 Bewohner einer Einrichtung ins Krankenhaus gebracht. Das Gebäude hatte sich bis auf 35 Grad erhitzt. Angesichts solcher Ereignisse forderte die Stiftung Patientenschutz die Politik zu mehr Investitionen in Pflegeheimen auf.
    Auch die Notaufnahmen vieler Krankenhäuser waren überlastet. In einzelnen Gemeinden wurde an die Bevölkerung appelliert, nur in wirklich dringenden Fällen die Notfallaufnahmen aufzusuchen.
    Die rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger fuhren zwischen Freitag- und Sonntagmittag mehr als 30 Einsätze auf Nord- und Ostsee. Dabei wurden rund 75 Menschen gerettet oder betreut. Der Schwerpunkt der Einsätze lag in der westlichen Ostsee.

    Störungen in der Stromversorgung

    Vor allem im Westen Deutschlands waren nach Bränden an mehreren Trafostationen zahlreiche Menschen ohne Strom. Polizei, Feuerwehr und Energieversorger mussten in den vergangenen Tagen an vielen Orten ausrücken, zuletzt etwa in Idar-Oberstein, Bonn, Kerpen, Duisburg, Mönchengladbach und Weinheim.
    Im Raum Mannheim lösten technische Defekte Stromausfälle aus. Bereits in den Tagen zuvor gab es Brände und Stromausfälle, etwa in Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd oder Bocholt.
    Über Trafohäuschen nehmen örtliche Stromversorger elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz auf und regeln sie auf 230 beziehungsweise 400 Volt herunter. Anschließend geht sie über lokale Ortsnetze an die Endverbraucher. In Deutschland gibt es rund 600.000 Trafo- oder Umspannstationen.

    Hitze verursacht Schäden an Infrastruktur

    Die Hitze hat auch zu mehr Schäden an der Infrastruktur geführt, unter anderem an den Asphalt- und Betondecken von Autobahnen. Am Wochenende kam es zu mehreren Teilsperrungen, etwa auf der A2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Laut ADAC gelten zudem Geschwindigkeitsbegrenzungen.
    Auch der Zugverkehr wurde vielerorts zum Teil erheblich gestört. So meldeten mehrere Bahnunternehmen aus Nordrhein-Westfalen Probleme im Großraum Essen und am Düsseldorfer Hauptbahnhof. In der sächsischen Landeshauptstadt Leipzig fallen wegen Hitzeschäden am Schienennetz alle Straßenbahnen aus. Auch in Nürnberg wurde der Straßenbahnbetrieb komplett eingestellt.
    Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnverkehrsbetriebe hatten Fahrgäste aufgerufen, wegen der Hitze zu Hause zu bleiben. Nicht dringend notwendige Reisen im Fern- und Regionalverkehr sollten verschoben werden, so der Appell der Bahn und des Bundesverbands Schienennahverkehr (BSN).

    Ein Temperaturrekord jagt den nächsten

    In Deutschland hatte es drei Tage in Folge Temperaturhöchstwerte gegeben. Am Sonntagnachmittag meldete die Station des Deutschen Wetterdienstes im brandenburgischen Coschen an der polnischen Grenze einen Wert von 41,7 Grad. Zuvor waren am Freitag 41,3 Grad in Saarbrücken-Burbach gemessen worden, am Samstag dann 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Zudem war die Nacht zum Sonntag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen in Deutschland. Der Rekord wurde im ostsächsischen Kubschütz mit 29,4 Grad aufgestellt.
    Neue Spitzenwerte gab es auch in anderen europäischen Staaten, wie etwa in Tschechien mit 41,1 Grad. In der Schweiz war es mit 39 Grad noch nie so heiß in einem Juni.

    WHO-Chef warnt vor schnell zunehmender Hitze in Europa

    Die aktuelle Hitzewelle mit Rekord-Temperaturen in Europa ist nach Einschätzung des Chefs der Weltgesundheitsorganisation mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. WHO-Generaldirektor Tedros schrieb auf der Plattform X, seit dem 21. Juni seien in Europa mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet worden, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stünden. Europa sei der Kontinent der Erde, der sich am schnellsten erwärme - und zwar doppelt so rasch wie im globalen Durchschnitt.

    Städte rufen zum Wassersparen auf

    Der Deutsche Städte- und Gemeindebund rief alle Bürger zum Wassersparen auf.
    Vereine sollten beispielsweise kein Wasser für Tennisplätze oder Golfanlagen verschwenden, sagte der Hauptgeschäftsführer Berghegger der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bei Unverständnis müssten die Behörden zu Verboten greifen.

    Mehr Informationen:

    „Blow ups“ und „schwitzende Decken“: Was anhaltend hohe Temperaturen auf Autobahnen anrichten
    Hitzewelle: Berliner Architektenkammer-Präsident plädiert für mehr Grün in den Städten
    Rekord-Temperaturen: Vermehrt Stromausfälle durch Brände in Trafostationen
    Diese Nachricht wurde am 29.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.