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StartseiteNachrichten vertieftWeniger Anti-Islam-Demonstranten als erwartet15.11.2014

HoGeSa in HannoverWeniger Anti-Islam-Demonstranten als erwartet

In Hannover haben sich Hooligans und Rechtsextremisten zu ihrer Anti-Islamismus-Demonstration versammelt. Vorwiegend schwarz gekleidete Teilnehmer aus ganz Deutschland reisten am frühen Mittag zur Kundgebung "Hooligans gegen Salafisten" an. Bisher gab es keine größeren Zwischenfälle.

Demonstranten sammeln sich am 15.11.2014 vor der Anti-Islamismus-Demo "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)" in Hannover  (dpa/picture alliance/Julian Stratenschulte)
Demonstranten sammeln sich am 15.11.2014 vor der Anti-Islamismus-Demo "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)" in Hannover (dpa/picture alliance/Julian Stratenschulte)
Weiterführende Information

Anti-Salafisten-Proteste - Hannover rüstet sich für die Hooligan-Demo
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(Deutschlandfunk, Hintergrund, 13.11.2014)

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(Deutschlandfunk, Interview, 02.11.2014)

Die Zahl der Demonstranten liegt bisher unter den erwarteten 5.000 Teilnehmern. Bisher gab es nach Polizeiangaben auch keine Zwischenfälle zu der Versammlung unter dem Motto "Europa gegen den Terror des Islamismus". Ein Sprecher bezeichnete die Lage als ruhig. Den Versammlungsort hinter dem Hauptbahnhof hatte die Polizei weiträumig abgesperrt und kontrollierte auf den den Zufahrtsstraßen nach Hannover alle Fernbusse. Jeder Teilnehmer wurde vor Betreten des Kundgebungsortes von der Polizei eingehend durchsucht. Dadurch verzögerte sich der Start der Demonstration.

Gegendemonstranten sind "Bunt statt braun"

Am Rande der HoGeSa-Demonstation kam es zu Rangeleien zwischen der Polizei und Gegendemonstranten. Diese versuchten, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, um das zu verhindern. Von den angekündigten 18 Gegendemonstrationen wurde viele wieder abgesagt, nachdem feststand, dass die HoGeSa-Teilnehmer nicht durch die Stadt ziehen, sondern sich eingekesselt von der Polizei hinter dem Hauptbahnhof versammeln dürfen. Dennoch kamen mehr als 2.000 Gegendemonstranten in der Innenstadt zusammen.  

Der Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok (l-r), Edelgard Bulmahn (beide SPD) und Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) protestieren am 15.11.2014 in Hannover (Niedersachsen) gegen die Anti-Islamismus-Demo "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)". (dpa/picture alliance/)Der Oberbürgermeister von Hannover, Stefan Schostok (l-r), Edelgard Bulmahn (beide SPD) und Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) protestieren am 15.11.2014 in Hannover (Niedersachsen) gegen die Anti-Islamismus-Demo "Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)". (dpa/picture alliance/)Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) rief dazu auf, sich nicht provozieren zu: "Wir zeigen die Rote Karte gegen jede Form von Verachtung unserer Grundwerte", sagte er an die Gegendemonstranten gerichtet. Die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) begrüße die strengen Auflagen der HoGeSa-Kundgebenung. "Wir dürfen unser Versammlungsrecht nicht von den Nazis aushebeln lassen", so Roth. Eine zentrale Gegendemonstration von Gewerkschaften und Parteien unter dem Motto "Bunt statt braun" wird erst später am Nachmittag beginnen, zu der rund 1.600 Menschen erwartet werden. 

Kein Alkohol, keine Feuerwerkskörper erlaubt

Die Polizei ist mit tausenden Beamten, Wasserwerfern und Räumfahrzeugen auf Ausschreitungen vorbereitet. Ein von ihr zuvor ausgesprochenes Demonstrationsverbot scheiterte beim Verwaltungsgericht Hannover. Strenge Auflagen wie Alkoholverbot, Verbot von Glasflaschen und Feuerwerkskörpern sollen Krawalle und Ausschreitungen wie drei Wochen zuvor am 26. November bei einer Großdemonstration der HoGeSa am Kölner Hauptbahnhof verhindern. Mindestens 4.000 gewaltbereite Unterstützer von teils verfeindeten Fußballklubs hatten sich dort mit Rechtsextremen versammelt. Es kam zu massiven Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas gegen die zum Großteil stark alkoholisierten und aggressiven Demonstranten ein.

Hooligans gegen Salafisten
Die Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) hat sich über soziale Netzwerke und das Internet organisiert. Dem Verfassungsschutzbericht 2013 zufolge gibt es "einzelfallbezogene Überschneidungen""zwischen Rechtsextremisten und der Hooligan-Szene. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung heißt es: Auch wenn viele Hooligans sich selbst als "unpolitisch" bezeichnen, sind rassistische und antisemitische Einstellungen in der Szene weit verbreitet. Der Salafismus, auf den sich HoGeSa bezieht, ist eine sehr konservative Bewegung des Islams, die von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Ziel ist die Errichtung eines Gottesstaates nach den Regeln der Scharia. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz gibt es in Deutschland mehr als 6000 Salafisten. Teile der Bewegung sind gewaltbereit.

(pb/swe)

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