Ungarn
Hohe Beteiligung an Parlamentswahl bis zum Mittag - Niederlage Orbáns möglich

Bei der international mit Spannung beobachteten Parlamentswahl in Ungarn zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Nach Behördeninformationen gaben bis zum Mittag rund 54 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die Teilnahme liegt damit etwa 14 Prozentpunkte höher als zum gleichen Zeitpunkt bei der vergangenen Wahl vor vier Jahren.

    Aufnahme eines Wahllokals in Budapest während der ungarischen Parlamentswahlen: Eine Frau nimmt Stimmzettel entgegen.
    In Ungarn läuft die Parlamentswahl. (AP / dpa / Denes Erdos)
    Die Wahllokale in dem mittelosteuropäischen Land schließen um 19.00 Uhr, erste Ergebnisse sollen wenig später vorliegen. In letzten Umfragen lag die Fidesz-Partei von Regierungschef Orbán deutlich hinter der Partei Tisza des Oppositionspolitikers Magyar.
    Orbán regiert seit 2010 ununterbrochen, nachdem er das Land bereits von 1998 bis 2002 geführt hatte. Kritiker werfen dem 62-Jährigen vor, Ungarn mit einem autoritären Kurs in eine "illiberale Demokratie" umgewandelt zu haben. Orbán steht der EU kritisch gegenüber und hat gute Beziehungen sowohl zum russischen Staatschef Putin als auch zu US-Präsident Trump.

    Magyar will Ungarn wieder zu verlässlichem Bündnispartner machen

    Der 45-jährige Magyar, früher selbst Fidesz-Mitglied, steht für einen pro-westlichen Kurs und will Ungarn nach eigenen Angaben zu einem verlässlichen NATO- und EU-Partner machen.
    Orbán hatte die Wahl als eine Entscheidung zwischen "Krieg und Frieden" dargestellt. Er wirft Magyar vor, ​Ungarn in den Krieg Russlands mit der Ukraine hineinziehen zu wollen. Magyar weist dies zurück.
    Viele Ungarn sind nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und steigender Lebenshaltungskosten des 62-jährigen Orbán überdrüssig. ​Hinzu kommen Berichte über die Bereicherung von regierungsnahen Oligarchen. Magyar hat ‌die Unzufriedenheit über mutmaßliche staatliche Korruption und sinkenden Lebensstandard zum Thema seines Wahlkampfes gemacht.

    Mitentscheidend: Zieht rechtsextreme Partei ins Parlament ein?

    Für ⁠eine Regierungsbildung ist wichtig, ⁠ob die rechtsextreme Partei Mi Hazank ins Parlament kommt oder an ⁠der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Es könnte also auch zu einer Fidesz-Koalition ⁠mit Mi Hazank oder aber einer ‌Fidesz-geführten Minderheitsregierung kommen, selbst wenn Tisza stärkste Partei wird. Ein Unsicherheitsfaktor sind außerdem die zahlreichen ethnischen Ungarn ‌in den Nachbarländern, die meistens ⁠die Regierungspartei unterstützen.
    Rund acht Millionen Menschen sind wahlberechtigt.

    Weitere Informationen:

    Ungarn wählt - Schicksalswahl für Orbán – und für die EU
    Diese Nachricht wurde am 12.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.