Richtungsweisende Abstimmung
Wahllokale in Ungarn geschlossen - Niederlage Orbáns möglich

Die Ungarn haben ein neues Parlament gewählt. Die Wahllokale schlossen um 19 Uhr. Mit ersten Ergebnissen wird im Laufe des Abends gerechnet. Die Wahlbeteiligung war hoch. Nach Behördeninformationen gaben bis zum Nachmittag bereits rund drei Viertel der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

    Aufnahme eines Wahllokals in Budapest während der ungarischen Parlamentswahlen: Eine Frau nimmt Stimmzettel entgegen.
    In Ungarn läuft die Parlamentswahl. (AP / dpa / Denes Erdos)
    Unklar ist derzeit noch, wer davon profitieren wird. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schreibt, gilt die geografische Verteilung des Wählerverhaltens als entscheidend. Von den 199 Abgeordneten werden 106 in den Wahlkreisen direkt mit relativer Mehrheit gewählt, die übrigen Abgeordneten über Parteilisten. Die Wahlkreise sind laut dpa zudem so zugeschnitten, dass größere Städte auf mehrere Kreise aufgeteilt sind, denen ländliche Gebiete zugeschlagen sind. In den kleineren Dörfern verfüge die Fidesz von Regierungschef Orbán über eine starke Wählerbasis, während die Bürger in den Städten mehrheitlich der Tisza des Oppositionspolitikers Magyar zuneigten. 

    Orbán oder Magyar?

    In letzten Umfragen lag die Fidesz-Partei deutlich hinter der Tisza. Orbán regiert seit 2010 ununterbrochen, nachdem er das Land bereits von 1998 bis 2002 geführt hatte. Kritiker werfen dem 62-Jährigen vor, Ungarn mit einem autoritären Kurs in eine "illiberale Demokratie" umgewandelt zu haben. Orbán steht der EU kritisch gegenüber und hat gute Beziehungen sowohl zum russischen Staatschef Putin als auch zu US-Präsident Trump.

    Magyar will Ungarn wieder zu verlässlichem Bündnispartner machen - Orbán spricht von Wahl zwischen Krieg und Frieden

    Der 45-jährige Magyar, früher selbst Fidesz-Mitglied, steht für einen pro-westlichen Kurs und will Ungarn nach eigenen Angaben zu einem verlässlichen NATO- und EU-Partner machen. Orbán hatte die Wahl als eine Entscheidung zwischen "Krieg und Frieden" dargestellt. Er wirft Magyar vor, ​Ungarn in den Krieg Russlands mit der Ukraine hineinziehen zu wollen. Magyar weist dies zurück.
    Viele Ungarn sind nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation und steigender Lebenshaltungskosten des 62-jährigen Orbán überdrüssig. ​Hinzu kommen Berichte über die Bereicherung von regierungsnahen Oligarchen. Magyar hat ‌die Unzufriedenheit über mutmaßliche staatliche Korruption und sinkenden Lebensstandard zum Thema seines Wahlkampfes gemacht.

    Mitentscheidend: Zieht rechtsextreme Partei ins Parlament ein?

    Für ⁠eine Regierungsbildung ist wichtig, ⁠ob die rechtsextreme Partei Mi Hazank ("Unsere Heimat") ins Parlament kommt oder an ⁠der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Es könnte also auch zu einer Fidesz-Koalition ⁠mit Mi Hazank oder aber einer ‌Fidesz-geführten Minderheitsregierung kommen, selbst wenn Tisza stärkste Partei wird. Ein Unsicherheitsfaktor sind außerdem die zahlreichen ethnischen Ungarn ‌in den Nachbarländern, die meistens ⁠die Regierungspartei unterstützen. Rund acht Millionen Menschen sind wahlberechtigt.

    Weitere Informationen:

    Ungarn wählt - Schicksalswahl für Orbán – und für die EU
    Diese Nachricht wurde am 12.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.