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StartseiteSport am Wochenende"Schwulenfeindlichkeit ist immer noch ein Problem"07.12.2019

Homophobie im Sport"Schwulenfeindlichkeit ist immer noch ein Problem"

Immer noch gibt es keinen geouteten Fußballprofi in Deutschland. Im DLF-Interview spricht Birgit Braumüller von der Deutschen Sporthochschule über die vielfältigen Gründe dafür. Sie sieht aber auch positive Entwicklungen im Umgang mit Homosexualität im Sport.

Birgit Braumüller im Gespräch mit Raphael Späth

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Eckfahne in Regenbogenfarben bei einem Fußballspiel in Malmö. (imago / Bildbyran)
Aktionen gegen Homophobie sind im Fußball eher selten. (imago / Bildbyran)
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In einer am Mittwoch (4.12.2019) veröffentlichten Studie der Deutschen Sporthochschule Köln geben 96 Prozent aller Befragten an, dass Homo- und Transphobie immer noch ein Problem im Sport sind. "Homosexualität ist im Sport und speziell im Fußball immer noch ein Tabu-Thema", sagt Birgit Braumüller, die an der Studie mitgewirkt hat. Das liege unter anderem daran, dass es wenige gesellschaftliche Bereiche gibt, in denen Männlichkeit noch so relevant ist wie im Sport. Die Umfrage mit insgesamt 5.500 Befragten aus allen 28 EU-Staaten war Bestandteil des europäischen Projekts "OutSport" aus dem Jahr 2018, an dem sich neben der Deutschen Sporthochschule Köln auch Sportinstitutionen aus Italien, Schottland, Österreich und Ungarn beteiligt hatten.

Kaum geoutete Sportler 

Dieses Ergebnis ist umso eindrücklicher, da sich im Fußball in den vergangen Jahren einiges zum Positiven verändert hat. Fast jeder professionelle Fußballverein hat einen Fanclub mit Bezug zur Lesben- und Schwulencommunity; viele Bundesliga-Vereine laufen in dieser Saison mit Regenbogenfarben auf, die englische Premier League widmete in der vergangenen Spielzeit sogar einen ganzen Spieltag der Vielfalt. Trotzdem gibt es gerade im männlichen Mannschaftssport kaum geoutete aktive Sportler.

Vorbilder sind wichtig

Braumüller spricht von ganz unterschiedlichen Gründen, warum sich aktive Sportler nicht outen wollen: Vertragliche Situationen, die Angst vor negativen Auswirkungen auf die Karriere oder die Reaktionen im Stadion sind dabei wohl die wichtigsten Punkte. Niemand wolle der erste im Fußball sein, so Braumüller. Der Fußball habe einfach eine zu große Aufmerksamkeit in Deutschland. Das wollten sich viele einfach ersparen. Der Lesben- und Schwulenverband betont jedoch, dass jedes Coming Out begrüßt werde, man brauche Vorbilder.

"Trotz allem eine positive Entwicklung"

Auch wenn sich bislang niemand im aktiven Fußball geoutet hat, sieht Braumüller eine positive Entwicklung im Umgang mit Homosexualität im Fußball. "Ganz lange hat sich der Sport da ganz rausgehalten und hat zum Beispiel homophobe Beleidigungen im Stadion einfach geduldet ohne dagegen vorzugehen. Und da sieht man auf jeden Fall eine ganz positive Entwicklung."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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