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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWirtschaft leidet unter Coronakrise24.04.2020

ifo-InstitutWirtschaft leidet unter Coronakrise

Die Coronakrise hat die Wirtschaft fest im Griff. Laut Münchner ifo-Institut ist die Stimmung in den Unternehmen so schlecht wie nie. Einige Experten befürchten sogar, es könnte zur schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte kommen. Doch es gibt auch Hoffnung.

Von Brigitte Scholtes

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PKWs stehen nebeneinander auf Halde und warten auf Abnehmer. (Picture Alliance / Sven Simon)
Es gibt auch Stimmen, die eine Besserung der wirtschaftlichen Situation für das zweite Halbjahr 2020 erwarten (Picture Alliance / Sven Simon)
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Als "katastrophal" bezeichnet der Chef des Münchner ifo-Instituts die Stimmung in den deutschen Unternehmen. Und so stürzte der ifo-Geschäftsklimaindex im April auf das Rekordtief von 74,3 Punkten, 85,9 Punkte waren es noch im März gewesen. Und auch da war der vielbeachtete Index schon deutlich eingebrochen. Die Unternehmen blickten so pessimistisch wie noch nie auf die kommenden Monate.

"Wir haben Probleme eigentlich in allen Branchen der Wirtschaft. Es geht in allen Branchen bergab, allerdings gibt es da schon Unterschiede. Im verarbeitenden Gewerbe, in der Industrie ist der Einbruch besonders stark", sagte Fuest in der ARD.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Schnelle Erholung nicht in Sicht

Die Coronakrise treffe die Unternehmen mit voller Wucht. Eine schnelle Erholung ist also nicht in Sicht, meint auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank:

"Wir haben einen Absturz innerhalb von zwei Monaten, wie wir ihn vorher so noch nicht gesehen haben. Wir denken, dass es ab Mai wieder aufwärtsgeht. Aber wir glauben, dass es zwei Jahre dauern wird, bis die Wirtschaftsleistung wieder den Stand von, sagen wir mal, Januar erreicht haben wird."

Auch die Prognosen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung deuten in eine ähnliche Richtung. Das IAB rechnet mit einem Einbruch um 8,4 Prozent, das wäre die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte, glaubt IAB-Forscher Enzo Weber. Er rechnet mit mehr als drei Millionen Arbeitslosen in den nächsten Monaten, um Jahresschnitt werde die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,5 Millionen steigen. Im zweiten Halbjahr könnte sich die Wirtschaft aber schon wieder erholen, glaubt er:

"Insgesamt ist der Arbeitsmarkt eigentlich robust. Und das hilft uns jetzt. Derselbe Schock vor 15 Jahren, der hätte den Arbeitsmarkt ins Bodenlose stürzen lassen. Aber jetzt steigen die Kurzarbeiter-Zahlen viel mehr als die Arbeitslosenzahlen. Und das zeigt schon: Die Betriebe wollen wirklich im großen Umfang ihre Leute auch halten."

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Rettungsschirm für neue Jobs gefordert

Die Maßnahmen der Regierung seien gut, sagt Weber. Das aber werde die Wirtschaft nicht aus der Krise bringen, deshalb plädiert er für einen Rettungsschirm für Neueinstellungen. Der könnte so aussehen, dass man bei neuen Jobs vorübergehend auf die Sozialbeiträge verzichte, die ja immerhin 40 Prozent der Kosten ausmachten, die sollten dann aus dem Bundeshaushalt finanziert werden:

"Der würde genau da ansetzen, wo der Arbeitsmarkt funktioniert, nämlich wo Menschen in Jobs gebracht werden. Und das ist extrem effektiv angelegtes Geld.

Daneben müssen wir auch darauf achten, dass wir möglichst früh jetzt wieder intensiv in die Qualifizierung investieren. Denn wir haben in Deutschland oft gesehen, wenn Arbeitsplätze in der Rezession erst mal weg waren, dann kann sich die Arbeitslosigkeit über die Zeit verfestigen. Wenn nämlich der strukturelle und technologische Wandel über die Arbeitslosen hinweg geht, die Qualifikationen veralten, dann bleiben die Menschen da drin hängen. Das wäre im Moment das schlechteste Szenario."

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Auch das IAB will aber nicht ausschließen, dass sie die aktuelle Krise zu einer globalen, systemischen Krise auswachsen könnte – mit entsprechend langanhaltenden Schäden in der Real- und Finanzwirtschaft.

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