Samstag, 18. Mai 2024

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IGLU-Studie
Lesekompetenz von Grundschülern im internationalen Vergleich

Wie gut können deutsche Grundschülerinnen und -schüler Texte lesen und verstehen? Wie schneiden sie im internationalen Vergleich ab? Ergebnisse liefert seit mehr als 20 Jahren die IGLU-Studie.

16.05.2023
    Ein Schulkind hat ein Schulbuch in der Hand, sitzt an einem Tisch und liest. Man sieht es von hinten.
    Alles verstanden? Die IGLU-Studie untersucht die Leseleistungen von Viertklässlern im internationalen Vergleich. (picture alliance / Fotostand / Fotostand / K. Schmitt)
    Bildung ist ein Menschenrecht. Doch ohne Lesen zu können, ist Bildung kaum möglich. Das Lesen von Texten ist eine der grundlegenden Kernkompetenzen für soziale und kulturelle Teilhabe. Die Grundschule ist entscheidend, um eine solide Lesekompetenz zu erwerben, und hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler mit Werkzeugen und Strategien auszustatten, um ihnen eine Basis für das Lesenlernen zu vermitteln und dem Unterricht auf der weiterführenden Schule folgen zu können. Die IGLU-Studie setzt an diesem Punkt an. Die Ergebnisse der neuesten IGLU-Studie wurde am 16. Mai 2023 veröffentlicht.

    Was ist die IGLU-Studie?

    IGLU ist eine bedeutende international vergleichende Schulleistungsstudie, die die Lesekompetenz von Grundschulkindern misst. IGLU (Internationale Grundschul-Leseuntersuchung) ist dabei die deutsche Bezeichnung der Studie, international ist sie besser bekannt als PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study). In Deutschland sind hauptsächlich Forschende des Instituts für Schulentwicklungsforschung für die Ausführung der Studie verantwortlich.

    Was untersucht die IGLU-Studie genau?

    Die IGLU-Studie vergleicht die Lesefähigkeiten von Schülerinnen und Schülern der vierten Klasse in verschiedenen Ländern miteinander. In einem Test werden literarische und sachliche Texte verwendet, um die Lesefähigkeit zu bewerten. Die Kinder werden gebeten, die Texte aufmerksam zu lesen und anschließend eine Reihe von Fragen zu beantworten. Die Textaufgaben sind unterschiedlich schwer, um ein breites Spektrum der Lesefähigkeit zu erfassen.
    Die IGLU-Studie untersucht auch die Lesemotivation, die Lesegewohnheiten und die Einstellung der Schülerinnen und Schüler zum Lesen. Dazu werden Fragebögen an die Kinder, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen verteilt und ausgewertet.

    Wie oft wird die IGLU-Studie durchgeführt?

    Die Studie wird alle fünf Jahre durchgeführt. Deutschland hat bisher fünfmal teilgenommen, in den Jahren 2001, 2006, 2011, 2016 und 2021. Somit können Veränderungen der Leistungsstände über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren analysiert werden.

    Wie viele Schüler nehmen an der Studie teil?

    In Deutschland haben an der Erhebung von 2021 laut dem dafür verantwortlichen Institut für Schulentwicklungsforschung rund 8.900 Viertklässler an rund 400 Grund- und Förderschulen in allen 16 Bundesländern teilgenommen.
    International beteiligen sich Kinder aus rund 60 Ländern, wobei die Anzahl der beteiligten Schülerinnen und Schüler je nach Land unterschiedlich ist. 2016 waren es mehr als 310.000 Kinder. Im Durchschnitt nehmen weltweit mehrere Hunderttausend Schülerinnen und Schüler teil. Das macht sie zu einer der umfangreichsten internationalen Vergleichsstudien im Bereich der Lesefähigkeit von Grundschulkindern.

    Wie gut sind deutsche Grundschüler im internationalen Vergleich?

    Seit dem Jahr 2001 liegen die Leseleistungen der Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland über dem internationalen Durchschnitt und im Bereich des EU- und OECD-Durchschnitts.
    Allerdings konnte Deutschland seine Position in der internationalen Rangfolge nicht halten. Im Jahr 2001 erreichten nur vier Länder höhere Leistungswerte als Deutschland, während es im Jahr 2016 bereits 20 Länder waren. Die Prognose lautete: weiter fallend.
    2016 konnte laut der Studie jeder fünfte Viertklässler in Deutschland Texte nicht richtig lesen und verstehen. Zudem zeigte die Studie erneut, dass der Einfluss des Elternhauses auf die Lesekompetenz der Kinder in Deutschland ganz besonders stark ausgeprägt ist. Der Leistungsunterschied zwischen Kindern, deren Eltern regelmäßig lesen und in deren Haushalt mehr als 100 Bücher vorhanden sind, und Kindern, deren Eltern kaum oder gar nicht lesen, betrug laut der Studie von 2016 in Deutschland mehr als ein ganzes Schuljahr.
    Die Tendenz setzte sich fort, die Leseleistungen deutscher Schüler verschlechterten sich weiter. 2021 erreichte sogar ein Viertel aller Viertklässler nicht den festgelegten Standard. Die Forscher führten die Entwicklung der Schülerleistungen auf die Corona-Pandemie und die vielfältige Zusammensetzung der Schülerschaft zurück. Unterschiede zeigen sich zwischen verschiedenen Gruppen wie Mädchen und Jungen, Kindern mit oder ohne Migrationshintergrund sowie Kindern aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Ein weiterer Grund ist die begrenzte Zeit, die dem Lesen im deutschen Unterricht gewidmet wird. Im Durchschnitt stehen dafür in Deutschland 141 Minuten pro Woche zur Verfügung, während es in anderen OECD-Mitgliedsländern etwa 200 Minuten sind, so Studienleiterin Nele McElvany gegenüber dem Deutschlandfunk.

    Wie nützlich können Bildungsstudien wie IGLU sein?

    Außer der IGLU-Studie gibt es noch weitere vergleichende Untersuchungen im Bereich der Bildungsforschung. Darunter sind PISA (Programme for International Student Assessment), TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study), DESI (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) oder der IQB-Bildungstrend (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen).
    Die konkreten Auswirkungen sind allerdings unterschiedlich. Oft mangelt es auch an Zeit und Ressourcen, um die Daten zu interpretieren und die richtigen Schlüsse für den eigenen Unterricht zu ziehen.
    Quellen: Institut für Schulentwicklungsforschung IFS, KMK, BMBF, Thekla Jahn, og