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StartseiteInterview"Ohne Blütenbestäubung keine gesunden Lebensräume"20.05.2018

Imker zum UN-Weltbienentag"Ohne Blütenbestäubung keine gesunden Lebensräume"

Honigbienen seien auch für Wildpflanzen unverzichtbar. Ohne gesunde Landschaften könne sich die Menschheit nicht ernähren, sagte Bienenexperte Thomas Radetzki im Dlf. Auch nach dem Verbot von Neonikotinoiden seien die anstelle derer eingesetzten Pestizide genauso schlecht untersucht und deren Effekte nicht dokumentiert.

Thomas Radetzki im Gespräch mit Benedikt Schulz

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Man habe lange Jahre daran gearbeitet, das Thema Bienensterben in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, sagte der Imker und Gründer der Aurelia-Stiftung, Thomas Radetzki:

"Die wissenschaftlichen Daten sind nicht mehr zu verleugnen, es sei denn, man hat einen von Interessen geleiteten Gesichtspunkt."

"Die Bienen haben einen Stellenwert von 70 Milliarden Euro weltweit für die Ernährung, in Deutschland ungefähr zwei Milliarden Euro. Aber dabei geht es nur um die ökonomisch genutzten Früchte - Raps, Sonnenblumen, Gemüsesaatgut. Aber die unverzichtbare Stellung der Honigbienen und eben auch der solitär Lebenden müssen wir auch bei den Wildpflanzen sehen, das wird nicht kalkuliert ökonomisch, denn die sind die diejenigen, die unsere Landschaft ausmachen. Wir brauchen Bestäubung der Wildpflanzen, damit die Vögel, Reptilien, Kleinsäuger sich auch ernähren können. Ohne Blütenbestäubung gibt es keine gesunden Lebensräume - das ist unverzichtbar."

Zur Rolle der Bienen bei der Ernährung der Menschheit:

"Die Menschheit kann sich nicht ernähren ohne gesunde Landschaften. Wie soll das gehen? Außer man hat eine Philosophie, die sich immer mehr ausbreitet: dass Landschaft und Agrarproduktion getrennte Dinge sind. Industrialisierte Landwirtschaft - und das ist ja unser Problem - da geht natürlich die Menschheit zum Schluss dran zugrunde."

Zur tatsächlichen Gefährdung der Bienen:

"Wir hatten in diesem Jahr 20 Prozent Völkerverluste bei den Honigbienen bundesweit, das sind offizielle Daten. Und bei den solitär lebenden Bienen, sogenannten Wildbienen, da sind von den gute 560 Arten mehr als die Hälfte gefährdet, ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Und die neuesten wissenschaftlichen Daten zeigen ja auch gerade in Deutschland den dramatischen Rückgang der Insekten."

Zum Verbot von drei Neonikotinoiden:

"Das ist überfällig gewesen und auch richtig. Und das ist auch ein Erfolg für uns. Wir sind auch mit unserem Bündnis zum Schutz der Bienen als Aurelia-Stiftung in den Gerichtsverfahren beteiligt gewesen. (...) Die Risikoprüfungen, die dabei stattfinden, die berücksichtigen nicht die Wirkungsmechanismen der modernen Wirkstoffe, insbesondere der Nervengifte. Die verursachen ja die sogenannten subletalen Effekte - also Schäden, an denen die Bienen nicht gleich sterben - sondern zum Beispiel ihre Orientierungsfähigkeit verlieren oder das Immunsystem geschwächt wird. Und deswegen, trotz des Verbots dieser drei Stoffe, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass das Bienensterben sich nicht wesentlich verbessert, denn die Pestizide, die anstelle dessen eingesetzt werden, die sind genauso schlecht untersucht und diese Effekte nicht dokumentiert."

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