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StartseiteSprechstundeImpfen bei Rheuma09.04.2013

Impfen bei Rheuma

Nur ein Drittel der Patienten folgt Impfempfehlung

Vor allem bei entzündlichen rheumatologischen Erkrankungen spielt die körpereigene Abwehr eine entscheidende Rolle. Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Strukturen an. Mit Medikamenten wird daher das Immunsystem in seiner Aktivität gebremst. Deshalb sind allgemeine Schutzimpfungen bei diesen Patienten besonders wichtig. Doch eine Studie aus Leipzig zeigt jetzt, dass die aktuellen Impfempfehlungen zu selten eingehalten werden.

Von Anna-Lena Dohrmann

Weil Rheuma-Patienten abwehrgeschwächt sind, empfehlen sich bei ihnen Impfungen besonders. (AP)
Weil Rheuma-Patienten abwehrgeschwächt sind, empfehlen sich bei ihnen Impfungen besonders. (AP)

Christoph Baerwald:
"Guten Tag Frau Andrecke. Ich hoffe, Ihnen geht es so weit gut? Ja! Aber sie haben ja auch Medikamente und das sind ja auch Medikamente, die ihr Immunsystem beeinflussen und zusammen mit ihrer Erkrankung geht es darum, dass man möglichst vor Infektionen schützt. Und deswegen die Frage, ob die Impfungen bei ihnen so weit aktuell sind."

Diese Frage ist in der Sprechstunde von Prof. Christoph Baerwald, Leiter der Rheumatologie der Uniklinik Leipzig, Standard. Simone Andrecke leidet an einer entzündlichen rheumatologischen Erkrankung. Das heißt: Ihr Immunsystem greift teilweise ihren eigenen Körper an - besonders häufig zeigt sich das zum Beispiel an den Gelenken. Die Patienten sind dadurch generell abwehrgeschwächt.

Christoph Baerwald:
"Dadurch dass das Immunsystem im Zentrum der Entstehung der Krankheit steht, reagiert es nicht normal - was auch zum Beispiel körperfremde Bakterien angeht. Und deswegen haben die Patienten eine erhöhte Neigung, Infekte zu bekommen."

Deshalb ist es für diese Patienten besonders wichtig, geimpft zu sein. Simone Andrecke weiß das. Sie hat zwar heute ihren Impfpass nicht dabei, ist aber bestens informiert:

Simone Andrecke:
"Soweit sind alle Impfungen aktuell, bis auf die Pneumokokken-Impfung, die muss ich jetzt noch wieder nachholen. Also ich kenne das nicht, ungeimpft zu sein. Wir haben da von klein auf immer drauf geachtet, dass man durchgeimpft ist."

Doch das ist längst nicht immer der Fall, erzählt Baerwald.:
"Wir haben jetzt eine Untersuchung durchgeführt, die eben gezeigt hat, dass eben nur ein Drittel der Patienten den empfohlenen Impfschutz hat. Und da muss eben noch mehr getan werden, dass die Ärzte und auch die Patienten darauf achten, dass die Schutzimpfungen entsprechend durchgeführt werden."

Denn Infektionen zählen bei Rheuma-Patienten - neben Herz- Kreislauferkrankungen - zu den häufigsten Todesursachen. Natürlich lässt sich nicht jede Infektion durch eine Impfung verhindern. Doch viele Studien haben gezeigt, dass bestimmte Impfstoffe sehr gut verträglich und auch wirksam sind.

Christoph Baerwald:
"Generell ist zu empfehlen, dass gegen Grippe geimpft wird, rechtzeitig im Herbst immer der aktuelle Impfstoff jedes Jahr neu aufgefrischt wird. Es sollte gegen Pneumokokken geimpft werden, es sollte gegen Meningokokken geimpft werden und der Vierfachimpfstoff Diphtherie, Tetanus, Polio und Pertussis. Das ist auch etwas, was entsprechend den Impfleitlinien aufgefrischt werden sollte."

All diese Impfstoffe sind sogenannte Totimpfstoffe. Das heißt, der Impfstoff enthält nur inaktivierte Bestandteile von Krankheitserregern. Es besteht also keine Gefahr, durch die Impfung selbst die Krankheit zu bekommen. Das ist für immungeschwächte Patienten besonders wichtig. Anders sieht das bei Lebendimpfstoffen aus, dort werden die Erreger nur abgeschwächt.

Christoph Baerwald:
"Bei den Patienten, die eine sogenannte Immunsuppression haben, bei unseren rheumatologischen Patienten, die eben die Medikamente auch bekommen, sollten keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden wie eben zum Beispiel Maser, Röteln oder Mumms-Impfstoff."

Immunsuppressive Medikamente schwächen das Abwehrsystem zusätzlich. Als Teil der Therapie ist das gewollt. Denn dadurch greifen die Immunzellen auch nicht mehr fälschlicherweise den eigenen Körper an. Beim Impfen muss der Arzt das allerdings bedenken.

Christoph Baerwald:
"Man sollte impfen bevor man eine immunsuppressive Therapie einsetzt. Das heißt, es erfordert eine gewisse Planung, die Impfungen rechtzeitig durchzuführen. Und man sollte möglichst Impfen, wenn die Erkrankung in einem ruhigen Stadium ist."

Denn rheumatische Erkrankungen verlaufen meist in Schüben. Den Wechsel zwischen ruhigen und aktiven Stadien der Erkrankung kennt auch Simone Andrecke nur zu gut:

Simone Andrecke:
"Manche Tage überstehe ich den ganzen Tag nicht, ohne eine Pause einzulegen, mich hinzulegen für eine Weile. Also man ermüdet schnell. Aber eben auch nicht durchgehend. Also es gibt auch Phasen, da fühle ich mich so, als könnte ich Bäume ausreißen. "

Eine solche Phase wäre also ideal zum Impfen. Doch es muss auch nicht generell gegen alles geimpft werden. Schließlich belastet jede Impfung den Körper. Deshalb ist es wichtig gemeinsam mit dem Arzt, die wirklich wichtigen Impfungen zu besprechen.

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