Historiker Timothy Garton Ash
"In Europa gibt es Bedenken gegenüber Deutschlands wachsender Militärmacht"

Der britische Historiker Timothy Garton Ash hat auf die Bedenken europäischer Nachbarn gegenüber der deutschen Aufrüstung hingewiesen.

    Der Historiker Timothy Garton Ash.
    Der britische Historiker Timothy Garton Ash fordert Deutschland auf, bei der Aufrüstung die Bedenken der europäischen Nachbarn zu bedenken. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
    Am heutigen 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zeichne sich ab, dass Deutschland bald wieder die führende Militärmacht des Kontinents sein werde, schreibt Garton Ash in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung". Frankreich sehe die Aussicht auf eine deutsche Dominanz in der Rüstungsindustrie mit Sorge und die polnische Rechte sei geradezu hysterisch, meint der Historiker. Doch auch anderswo in Europa wachse das Unbehagen, verstärkt durch die Möglichkeit, dass die AfD eines Tages eine derart mächtige Militärmacht übernehmen könnte. - Erst gestern hatte die AfD bei einer Wahlumfrage in Sachsen-Anhalt einen Rekordwert von 41 Prozent erzielt. Im Herbst sind dort Landtagswahlen.
    Garton Ash appellierte an die Bundesregierung, auf eine integrierte europäische Verteidigungsindustrie hinzuarbeiten, jenseits konkurrierender nationaler Industrien. Ähnlich wichtig werde sein, ob die Europäer Russland aus eigener Kraft abschrecken könnten, also ohne Unterstützung aus den USA, die unter Präsident Trump unsicher geworden ist.
    Diese Nachricht wurde am 08.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.