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StartseiteWirtschaft am MittagUnsicherheit an deutschen Thomas-Cook-Standorten24.09.2019

Insolvenz des ReisekonzernsUnsicherheit an deutschen Thomas-Cook-Standorten

Nach der Insolvenz von Thomas Cook ist die Zukunft der deutschen Konzerntöchter ungewiss. Bei der Fluggesellschaft Condor gibt es Signale aus der Politik, den Betrieb mittels eines Überbrückungskredits aufrechtzuerhalten. Für die deutsche Zentrale von Thomas Cook sieht es schlechter aus.

Von Ludger Fittkau

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Check-in-Schalter von Condor am Flughafen Düsseldorf (AFP / Ina Fassbender)
Der deutsche Ferienflieger Condor soll auch nach der Thomas-Cook-Pleite weiterfliegen (AFP / Ina Fassbender)
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Ein Gewerbegebiet in Oberursel bei Frankfurt am Main. Hier liegt die deutsche Firmenzentrale des insolventen Thomas-Cook-Konzerns. Ein Kamerateam des Hessischen Rundfunks trifft vor dem Eingang des Reiseunternehmens Robert Nieß. Für Anfang November hat der Hesse bei einem Tochterunternehmen von Thomas Cook eine Reise in die Türkei gebucht und will in der Firmenzentrale erfahren, wie es damit aussieht. Vergeblich.

"Er hat zu mir gesagt, er kann kein Storno, nichts machen. Er kommt in kein System rein. Der Reiseveranstalter wird sich bei mir melden."

Rund 1.200 Menschen arbeiten in der deutschen Thomas Cook-Zentrale in Oberursel, die nun vom Computersystem des Mutterkonzerns abgehängt ist. Für den sehen die Wirtschaftsprognosen schlechter aus als für die Fluggesellschaft Condor, bisher eine Thomas Cook-Tochter. Auch Condor hat seinen Sitz in Hessen.

Die ebenfalls im Taunus lebende Nancy Faeser, gerade neu gewählte SPD-Fraktionsvorsitzende im hessischen Landtag und wohl künftige Landesvorsitzende der Sozialdemokraten, macht zumindest den Condor-Beschäftigten in der Region Hoffnung. Für Condor arbeiten insgesamt 3.500 Menschen in Deutschland. Nancy Faeser im Radiosender HR Info:

"Es ist richtig, dass es diesen Überbrückungskredit von Seiten des Bundeswirtschaftsministeriums geben soll. Thomas Cook hat da einen Antrag gestellt über 200 Millionen Euro. Da ist es üblich, in die Co-Finanzierung durch die Länder zu gehen, das wären dann 100 Millionen für Hessen. Und ich finde das ausdrücklich richtig, diesen Überbrückungskredit zur Verfügung zu stellen."

Hessens Regierung: "Condor in der Luft halten"

Die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen sieht das grundsätzlich genauso. Tarek Al Wazir, der grüne Wirtschaftsminister des Landes weist jedoch im HR-Fernsehen darauf hin, dass der Antrag der Thomas Cook GmbH zur Rettung der deutschen Tochter Condor nun erst gründlich geprüft werden müsse - unter Hinzuziehung externer Gutachter:

"Es geht darum, die Condor in der Luft zu halten. Und natürlich muss sich dann sehr genau anschauen, was für Möglichkeiten es gibt und vor allem wie die wirtschaftliche Lage ist. Da muss man an dieser Stelle sagen: Condor ist ein im Kern gesundes Unternehmen, was Profit gemacht hat in den letzten Jahren. Und wird jetzt quasi durch die Mutter mit in die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gerissen."

Auch die FDP-Opposition im hessischen Landtag unterstützt die grundsätzliche Bereitschaft der schwarz-grünen Landesregierung sowie der SPD, sich mit bis zu 100 Millionen Euro an einer Bundesbürgschaft zur Rettung der Condor zu beteiligen. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit, die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO sowie ver.di sprechen sich dafür aus, den kurzfristigen finanziellen Engpass zu beseitigen, der durch die Insolvenz der britischen Konzernmutter eingetreten ist.

"Brexit-Opfer" Thomas Cook

Die wirtschaftliche Situation bei Condor sei viel besser als bei Air Berlin oder Germania, die unlängst Pleite gegangen waren, so die Gewerkschaften. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir, der wegen des Brexits und den Auswirkungen auf die Rhein-Main-Region in den vergangenen Monaten häufig in London war, sieht das ähnlich:

"Indirekt ist Thomas Cook ja ein Brexit-Opfer geworden. Weil: Thomas Cook war schon länger in Schwierigkeiten. Aber die Situation in den letzten drei Jahren - sehr niedriger Pfund-Kurs, geringe Buchungszahlen gerade in Großbritannien, Rechnungen in Euro, haben mit dazu beigetragen, dass es jetzt zu dieser Situation gekommen ist."

Für Condor kommen also aus Hessen Signale der Unterstützung - für die deutsche Thomas Cook- Firmenzentrale in Oberursel sieht es wohl schlechter aus.

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