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StartseiteForschung aktuellSeltene Erden für die Energiewende sichern05.05.2021

Internationale Energieagentur fordertSeltene Erden für die Energiewende sichern

Die Nutzung erneuerbarer Energien ist an bestimmte Rohstoffe gebunden, etwa an Lithium oder Seltene Erden. Die Internationale Energieagentur hat berechnet, in welchen Mengen sie zur Verfügung stehen müssen, damit die Energiewende gelingt. Die Mengen sind aber nicht die einzige Herausforderung.

Von Volker Mrasek

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Menschen und Fahrzeuge spiegeln isch in Salzbecken des Lithiums-Abbaus in Atacama, nahe Calama city, in Chile. (picture alliance / Ariel Marinkovic)
Die Nachfrage nach Litihium könnte sich in den nächsten Jahren stark erhöhen (picture alliance / Ariel Marinkovic)
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Die Internationale Energieagentur wurde vor knapp 50 Jahren als Reaktion auf die globale Ölkrise gegründet. Mittlerweile seien Fragen der Energiesicherheit wieder von größter Bedeutung, betonte IEA-Direktor Fatih Birol heute in Paris.

Energiewende in Gefahr?

Nur gehe es nicht mehr um die Sorge, dass der Welt das Erdöl ausgehen könne, sondern dass ganz andere Rohstoffe knapp werden. Ohne sie sei die Energiewende in Gefahr: "Versuchen Sie, sich unser künftiges Energiesystem vorzustellen. Millionen elektrische Autos, lauter Wind- und Solarparks. Sie alle brauchen keine Treibstoffe, um zu laufen, dafür aber große Mengen an mineralischen Rohstoffen für ihren Bau. Ob diese kritischen Minerale in ausreichenden Mengen verfügbar sein werden, ist aus unserer Sicht entscheidend für die Energiesicherheit im 21. Jahrhundert."

Ein Kind und eine Frau arbeiten in Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo an Steinen aus einer Kobalt-Mine. Sie sitzen im Staub. (AFP / Junior Kannah) (AFP / Junior Kannah)Kobaltabbau im Kongo
In der Batterieherstellung für Smartphones, Tablets und Elektroautos benötigen die Hersteller Kobalt. Im Kongo wird der Rohstoff unter katastrophalen Bedingungen abgebaut – häufig von Kindern. 

Für Batterien als Energiespeicher braucht man Nickel, Kobalt, Mangan und Lithium. In den Antrieben von E-Mobilen und Windkraftanlagen stecken Dauermagnete, die zum Teil aus sogenannten Seltenerdmetallen bestehen; dazu zählen etwa Dysprosium und Terbium. Darüber hinaus benötigt die neue Energie-Infrastruktur jede Menge Kupfer und Aluminium.

Bedarf an Seltenerdmetallen wird steigen 

In ihrer Studie kalkuliert die IEA jetzt, wie stark der Bedarf an diesen Mineralen und Metallen demnächst steigen wird, wenn die Welt die Energiewende stärker vorantreibt, um ihre Klimaschutzziele aus dem Abkommen von Paris zu erreichen. Dazu der britische Wirtschaftswissenschaftler Tim Gould, einer der Autoren des heute veröffentlichten Berichts:

"Ein typisches Elektroauto benötigt sechsmal so viel Minerale wie ein Verbrenner, eine Offshore-Windkraftanlage sogar 13mal mehr als ein Gaskraftwerk mit der gleichen Leistung. Wenn wir alle Anstrengungen unternehmen, um unsere aktuellen Klimaziele zu erreichen, werden wir für erneuerbare Energieträger im Jahr 2040 mindestens eine viermal so große Menge Minerale benötigen wie heute. Und wenn wir bei den CO2-Emissionen schon 2050 auf null kommen wollen, dann ist es sogar das Sechsfache."

Der winterlichen Hafen von Nuuk (Grönland). (picture alliance / Mads Pihl / Visit Greenland A/S/dpa) (picture alliance / Mads Pihl / Visit Greenland A/S/dpa)Grönland im Fokus der Großmächte
Spätestens seit dem Kaufangebot von US-Präsident Donald Trump ist den 56.000 Grönländern klar, dass sie mit ihrer Insel Begehrlichkeiten bei den Großmächten geweckt haben. Nicht nur die USA, auch Russland und China haben ein Auge auf die Rohstoffe der Arktis geworfen.

Im Fall einzelner Rohstoffe sind die Zahlen noch viel dramatischer. Beispiel Lithium: Bei dem Batterie-Metall geht die Energieagentur davon aus, dass die Nachfrage in zwanzig Jahren sogar 40mal so hoch sein könnte wie heute – immer vorausgesetzt, die Welt baut regenerative Energieträger in Zukunft viel stärker aus, so wie es der Pariser Klimaschutzvertrag eigentlich vorsieht.

Versorgung mit kritischen Mineralen gewährleisten

Sorge bereitet der IEA nicht nur das schiere Ausmaß an benötigten Mineralen, sondern zum Teil auch ihre Herkunft: "Anders als im Fall von Öl oder Erdgas konzentriert sich die Produktion vieler wichtiger Minerale für die Energiewende auf wenige Länder. Das erhöht das Risiko für Versorgungsengpässe durch Naturereignisse oder Handelsbeschränkungen. Die Demokratische Republik Kongo in Afrika zum Beispiel produziert 70 Prozent der globalen Kobaltmenge. Und China ist verantwortlich für rund 60 Prozent bei den Seltenerdmetallen."

IEA-Chef Fatih Birol forderte die Regierungen heute zum Handeln auf. Es genüge nicht, neue Ausbauziele für erneuerbare Energieträger zu beschließen. Es müsse auch alles getan werden, um die Versorgung mit kritischen Mineralen zu gewährleisten. Lagerstätten gibt es laut Birol genug. Nur müssten sie stärker und schneller erschlossen werden, um eine Verknappung der Rohstoffe und starke Preissprünge auf dem Weltmarkt zu vermeiden. Denn dann, so die Mahnung der IEA, könnte die Energiewende am Ende wesentlich teurer werden als erhofft.

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