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Irak-BesuchMattis relativiert Trumps Äußerungen

Der neue US-Verteidigungsminister Jim Mattis war zu einem Überraschungsbesuch im Irak. Konkrete Ankündigungen gab es nicht - dafür aber beschwichtigende Worte. Denn zuvor hatte US-Präsident Donald Trump mit Äußerungen über die Beschlagnahmung von irakischem Erdöl für Empörung gesorgt.

Von Anna Osius | 20.02.2017

US-Verteidigungsminister James "Jim" Mattis nach seiner Ankunft in der irakischen Hauptstadt Bagdad.
US-Verteidigungsminister James "Jim" Mattis nach seiner Ankunft in der irakischen Hauptstadt Bagdad. (AFP / Thomas WATKINS)
Der Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" – Hauptthema bei dem überraschenden Besuch von US-Verteidigungsminister Jim Mattis heute im Irak. Mattis berät dort mit Regierungsvertretern über mögliche Strategien gegen den IS. Die USA unterstützen die irakische Armee bei ihrer Offensive auf die IS-Hochburg Mossul, mehr als 5.000 US-Soldaten sind im Irak stationiert. Gestern hatte die irakische Regierung den Beginn der Offensive auf den Westteil von Mossul verkündet. Der Osten der Großstadt gilt als weitergehend von IS befreit.
"Die Operation Westmossul wurde schon seit einiger Zeit vorbereitet", so Mattis gestern. "Ich habe großes Vertrauen in die irakischen Truppen, die den Angriff jetzt begonnen haben. Und unsere US-Einheiten sind sehr nah dran, auch wenn wir selbst nicht kämpfen. Wir unterstützen die irakischen Truppen mit verstärkter Kraft, um den IS zu zerstören."
Eroberung von Westmossul könnte noch Monate dauern
Doch bleibt es auch in Zukunft dabei, dass die US-Einheiten nur unterstützen, aber nicht selbst kämpfen? Die Eroberung des Westteils könnte Beobachtern zufolge noch Monate dauern, die IS-Kämpfer leisten offenbar erbitterten Widerstand. Tausende Zivilisten laufen Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten. Und so könnte es sein, dass die USA unter dem neuen US-Präsidenten ihre Strategie ändern und sich wieder stärker im Irak engagieren.
Trump hat seinen Verteidigungsminister Mattis angewiesen, bis Ende des Monats ein Konzept vorzulegen, wie der IS schneller bekämpft werden könnte. Die Möglichkeiten reichen von einer besseren Ausbildung und Beratung lokaler Verbündeter über verstärkte Militärhilfe bis hin zu Entsendung zusätzlicher US-Truppen in den Irak und nach Syrien. Mattis ging heute nicht auf Einzelheiten ein und sagte, er müsse zunächst Informationen sammeln. Doch schon vor einigen Tagen hatte er klar gesagt:
"IS ist nichts, was schnell vorbei ist. Aber wir sind entschlossen, den Kampf zu verstärken."
Verstärken - mit US-Truppen an vordersten Front? Das ist noch offen.
Angespannte Beziehungen zwischen beiden Ländern
Und heute musste Mattis bei seinen irakischen Verbündeten erstmal die Wogen glätten: Sein Besuch im Irak wurde von den Aussagen des US-Präsident Trump der vergangenen Wochen überschattet. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind derzeit angespannt. Denn Trump hatte nicht nur ein Einreiseverbot unter anderem gegen Iraker verhängt, sondern auch bereits im Wahlkampf erklärt: Der Irak müsse kostenlos Erdöl an die USA liefern - als Ausgleich für den US-Einsatz im Irak.
Diese Idee wies Mattis heute gleich zu Beginn seines Iraks-Besuch zurück – und ging damit auf Distanz zu Trump. Nicht zum ersten Mal: Mattis hatte auch die von Trump gebilligte Anwendung von Folter als Verhörmethode kritisiert und sich um Ausnahmen beim US-Einreiseverbot bemüht. Heute räumte Mattis mit Trumps Erdöl-Drohung gleich zu Beginn seines Irak-Besuchs auf: Erdöl werde nicht beschlagnahmt, so Mattis – Amerikaner bezahlten in der Regel für ihr Gas und Öl.