"Cicero"-Interview
Iran-Experte Vali Nasr hat Zweifel, dass Schah-Sohn Pahlavi ein zentraler Akteur eines Wandels im Land sein könnte

Der Politologe und Iran-Experte Vali Nasr hat Zweifel, dass der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, ein zentraler Akteur eines Wandels in der Islamischen Republik sein könnte. Pahlavi hatte zuletzt wiederholt zu Kundgebungen und Streiks im Iran aufgerufen.

    Das Foto zeigt den Iran-Experten und Politologen Vali Nasr.
    Der Politologe Vali Nasr bezweifelt, dass der Sohn des Schah im Iran eine tragfähige Basis für einen Wandel hat. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Riccardo GIordano)
    Der Professor an der Johns Hopkins University in Baltimore sagte dem Magazin "Cicero" vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste, zwar biete Pahlavi jenen Iranern, die die Islamische Republik überwinden wollten, einen symbolischen Bezugspunkt. Pahlavi verfüge aber über keine politische Organisation im Iran. Er habe keine tragfähigen Allianzen mit Bürokratie, Militär oder politischen Eliten aufgebaut, und er habe das Land seit Jahrzehnten nicht von innen erlebt.

    "Keine belastbare Koalition, die religiöse Teile der Gesellschaft einschließt"

    Nasr betont, Pahlavi habe auch keine belastbare Koalition geschaffen, die religiöse Teile der Gesellschaft einschließe. Wer den Iran künftig regieren wolle, müsse aber weit über die stark säkularisierte, westlich orientierte Opposition hinausgehen. Er müsse Menschen in Verwaltung, Sicherheitsapparat und religiösen Milieus einbinden. Bislang folge Pahlavi den Protesten eher, als dass er sie anführe. Ohne institutionelle Basis aber sei es extrem schwierig, ein so komplexes Land politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch zu steuern, so Nasr.
    Reza Pahlavi hatte in den vergangenen Tagen wiederholt zu Kundgebungen und auch zu Streiks im Iran aufgerufen. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs lebt im Exil in den USA.

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    Diese Nachricht wurde am 11.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.