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StartseiteInformationen am MorgenProvokation oder Selbstverteidigung?04.02.2019

Iranischer RaketentestProvokation oder Selbstverteidigung?

Der Iran hat nach Regierungsangaben einen neuen Marschflugkörper erfolgreich getestet. Reichweite mehr als 1.300 Kilometer - das reicht bis nach Jerusalem oder Riad. Präsentiert wurde die Rakete als Teil der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979.

Von Christian Buttkereit

Irans neue Mittelstrekcenrakete "Hoveizeh" steht zur Ausstellung in einem Gebäude in Teheran. (AFP / Atta Kenare )
Die Rakete soll eine Reichweite von 1.300 Kilometern haben (AFP / Atta Kenare )
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Die Iraner konnten den Test der neuen Rakete im Staatsfernsehen verfolgen. Angeblich gebaut ausschließlich mit heimischer Technologie und iranischem Know-how. Vorgestellt wurde sie passenderweise bei einer Waffenschau anlässlich des 40. Jahrestages der Rückkehr von Ayatollah Khomeini aus dem Exil. Stolz erklärte Verteidigungsminister Amir Hatami den Test für erfolgreich.

"Heute haben wir den Marschflugkörper mit dem Namen 'Hoveizeh' enthüllt. Die Rakete hat eine Reichweite von 1.350 Kilometern und ist innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit. Sie kann in einer geringen Höhe fliegen und sie hat einen kräftigen Sprengkopf."

Im Gegensatz zu herkömmlichen Mittel und Langstreckenraketen soll der neue Marschflugkörper durch die für diese Waffengattung charakteristische geringe Flughöhe von weniger als 100 Metern
von feindlichen Raketenabwehrsystem schwerer erfasst werden können. Außerdem kann er mit verschiedenen Sprengköpfen bestückt werden - theoretisch auch mit atomaren.

Allerdings zeigte sich zuletzt sogar der US-Geheimdienst CIA überzeugt, dass Iran solche nicht besitzt, und bestätigte damit die bisherigen Erkenntnisse der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO. Fakt ist, Iran baut sein Raketenprogramm massiv aus. Laut iranischer Führung allein zur Verteidigungszwecken.

Raketenprogramm wird massiv ausgebaut

Nach einer Studie des internationalen Instituts für strategische Studien in London von 2017 arbeitet Iran an einem Dutzend Raketentypen mit einer Reichweite zwischen 200 und 2.000 Kilometern.

Grundsätzlich sei das iranische Waffenarsenal veraltet, nicht zuletzt durch internationale Sanktionen, sagt die Iran-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Azadeh Zamirirad.

"Was Iran allerdings hat, ist ein sehr weit ausgeprägtes, sehr fortschrittliches Raketenprogramm und auch das größte Raketenarsenal in der Region mit mehr als 1.000 Kurz- und Mittelstreckenraketen. Darin liegt eigentlich die militärische Stärke, wenn man so will, Irans und da ist die Islamische Republik tatsächlich heute stärker als sie je zuvor in ihrer Geschichte wahr."

Iran lässt zum 40. Jahrestag die Muskeln spielen

Dass der neue Marschflugkörper ausgerechnet jetzt vorgestellt wurde, folgt der Tradition, rund um den Jahrestag der islamischen Revolution militärisch die Muskeln spielen zu lassen. Dieses Jahr wird am 11. Februar der 40. Jahrestag gefeiert, selbstverständlich mit einer großen Militärparade
und wohl auch nicht ohne die altbekannten Slogans "Tod den USA" und "nieder mit Israel".

Auch wenn sich viele Iraner mit diesen Parolen längst nicht mehr identifizieren könnten, meint der Politologe Sadegh Zibakalam von der Universität Teheran, gehörten sie immer noch zur politischen Folklore des Regimes. Genauso wie das Waffenschaulaufen rund um den Jahrestag der Revolution.

"Zentrale Bestandteile der iranischen Strategie sind Ideologie und Propaganda. Die iranische Führung weiß, dass sie Israel nicht zerstören kann. Slogans wie 'nieder mit Israel' oder auch die Demonstrationen militärischer Stärke richten sich vor allem an die eigene Bevölkerung."  

So versuche das Regime weiterhin, die Wut der Bevölkerung über zum Teil drastisch verschlechterte Lebensbedingungen auf einen äußeren Feind umzulenken. Das Raketenprogramm kann dabei eine Hilfe sein.

USA dürften sich bestätigt fühlen

Immerhin erinnern sich viele ältere Iraner noch, wie wehrlos ihre Städte während des Iran-Irak-Krieges in den 80er-Jahren den Raketen Saddam Husseins ausgeliefert waren. Heute wäre das anders, betonte Verteidigungsminister Amir Hatami am Samstag.

"Mit der Vorstellung dieses Marschflugkörpers ist das nationale Raketenprogramm komplett und wesentlich schlagkräftiger."

Bei den Europäern, die weiterhin drauf setzen, auch nach dem Ausstieg der USA den Atomdeal mit Iran aufrechtzuerhalten, dürfte der jüngste Raketentest auf wenig Begeisterung stoßen. Und die USA dürften sich in ihrem Vorwurf, Iran verstoße gegen das Atomabkommen, bestätigt fühlen.

Zwar verbietet das Atomabkommen nicht ausdrücklich Raketenprogramme. Jedoch wird Iran darin  aufgefordert, alles zu unterlassen, was zu Entwicklung und zum Bau von Raketen führe, die Atomsprengköpfe tragen könnten. Aber genau das scheint Iran mit der Entwicklung der "Hoveizeh"-Marschflugkörper jetzt getan zu haben.

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