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StartseiteWirtschaft am MittagStaatlicher Rettungsschild für marode Banken 21.12.2016

ItalienStaatlicher Rettungsschild für marode Banken

Rund 360 Milliarden Euro faule Kredite haben Italiens Banken angesammelt. Jetzt will die italienische Regierung ein Hilfspaket in Höhe von 20 Milliarden Euro auf den Weg bringen, um Zehntausende Kleinanleger vor dem Ruin zu retten. Doch das steht nicht im Einklang mit den neuen europäischen Regeln zur Bankenrettung.

Von Tassilo Forchheimer

Das Eingangstor zum Gebäude der italienischen Bank Monte dei Paschi. (dpa/picture-alliance/Mattia Sedda)
Dass das älteste Bankhaus der Welt - die italienische Monte dei Paschi - schon seit Langem pleite sei, sagt eine Finanzanalystin. (dpa/picture-alliance/Mattia Sedda)
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In den Problemen der italienischen Banken spiegeln sich viele Probleme Italiens.

Von der Wirtschaftsflaute bis zur weit verbreiteten Vetternwirtschaft lässt sich hier einiges studieren. Ein besonders interessantes Studienobjekt ist das älteste Bankhaus der Welt, Monte dei Paschi di Siena, wo in der Vergangenheit längst nicht alle Kreditnehmer die nötigen Sicherheiten vorweisen mussten, sagt Tatjana Eifrig, Finanzanalystin der Finnat-Bank:

"Die Kredite sind sehr leichtfertig vergeben worden, an Freunde, Verwandte, Politiker. Diese Klientelwirtschaft hier, die typisch ist. Aber wenn dazu noch 'ne Finanzkrise kommt, dann haben auch viele Unternehmen, die vorher eigentlich ziemlich gesund waren, haben große Probleme, ihre Kredite dann zurück zu zahlen. Das kommt dann dazu. Es sind zwei verschiedene Wege, die sich dann überkreuzen. Zum einen die Vetternwirtschaft, zum anderen dann noch die echte Finanzkrise."

Die Folge sind faule Kredite in einem Volumen von etwa 45 Milliarden Euro - allein bei Monte dei Paschi. Bis Ende des Jahres braucht die Bank dringend fünf Milliarden Euro frisches Kapital. Andernfalls droht das älteste Bankhaus der Welt für immer Geschichte zu werden. Für Tatjana Eifrig ist das allerdings nur eine theoretische Option. Der Untergang sei trotz miserabler Zahlen sehr unwahrscheinlich, so die Analystin.

"Man wird versuchen, sie zu retten, weil sie zu - too big to fail ist. Es hängen zu viele Arbeitsplätze ab von der Monte dei Paschi. Es ist auch die drittgrößte Bank Italiens."

Neben der Größe der Bank wird dabei sicher auch die Besitzstruktur eine wichtige Rolle spielen. Von einer Pleite wären bei Monte dei Paschi Zehntausende von Kleinanlegern betroffen. Deren Ruin will Italiens Regierung gerne verhindern. Anfang der Woche hat Ministerpräsident Paolo Gentiloni deshalb einen staatlichen Rettungsschild ins Gespräch gebracht.

"Wir haben ein Hilfspaket auf den Weg gebracht, das ich 'Rettet die Ersparnisse‘ nennen möchte. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, eine Vorab-Bewilligung von bis zu 20 Milliarden, und ich hoffe, alle politischen Bewegungen im Parlament teilen diese Verantwortung."

Neue europäische Regeln: Privatanleger müssen Verluste mittragen 

Schulden machen für Italiens Banken. Laut Finanzminister Pier Carlo Padoan könnte mit der Summe die Liquidität im Finanzsystem gesichert und zugleich die Kapitaldecke der Banken aufgebessert werden. Allerdings stehen solche staatlichen Eingriffe in einem gewissen Widerspruch zu den neuen europäischen Regeln zur Bankenrettung, nach denen auch Privatanleger Verluste tragen müssen, wenn Banken staatliche Unterstützung erhalten. Entsprechende Kritik aus dem Ausland will Padoan aber nicht gelten lassen.

"Mich erstaunt ehrlich gestanden diese Fassungslosigkeit. Auch weil sie aus dem Bauch kommt, ohne dass irgendjemand schon etwas geprüft hätte."

Wie auch immer eine mögliche Hilfsaktion am Ende konkret aussehen mag, alle Probleme des italienischen Bankensektors lassen sich damit ganz sicher nicht lösen. Mit rund 700 Finanzinstituten ist der Markt in Italien extrem zersplittert. Insgesamt leiden die Banken hierzulande unter faulen Krediten in einem Volumen von rund 360 Milliarden Euro. Die aktuellen Niedrigzinsen vermindern die Gewinnspannen. Und während das Online-Banking boomt, stehen vielerorts die Schließung von Filialen und der Abbau von Arbeitsplätzen auf der Tagesordnung.

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