Dienstag, 29. November 2022

Urteil für Ex-FIFA-Vizepräsident
Jack Warner wird an die Justiz in den USA ausgeliefert

Der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner soll sich im Rahmen der WM-Vergaben in Millionenhöhe bereichert haben. Jetzt hat das Privy Council in London entschieden, ihn an die Justiz in den USA auszuliefern. Warner sieht sich aber weiterhin im Recht und droht über die FIFA auszupacken.

Von Thomas Kistner | 17.11.2022

CONCACAF Präsident und FIFA Vizepräsident Jack Austin Warner (Trinidad und Tobago) während der Pressekonferenz zur U 20 WM 2007 in Toronto
Damals noch FIFA-Vizepräsident Jack Austin Warner (Trinidad und Tobago) während einer Pressekonferenz zur U20-WM 2007. (IMAGO / Icon Sportswire)
Damit endet ein sieben Jahre währender Kampf des Skandalfunktionärs aus dem Karibik-Staat, der sich aber weiter im Recht sieht. In einem Statement verschanzte er sich hinter angeblich edelsten Zielen der FIFA. Der Fußball-Weltverband habe stets eine gerechte WM-Austragung betrieben, besonders in Hinblick auf die Entwicklungsländer – die seien wirtschaftlich abgehängt worden, weil sie „lange Zeit unter kolonialer Herrschaft standen“.
Warner argumentiert seit Jahrzehnten mit der Dritten Welt – zugleich hat sich der gelernte Geschichtslehrer laut Aktenlage um einen zweistelligen Millionenbetrag an Fußballgeldern bereichert. Im Jahr 2020 hieß es in einer US-Anklageschrift, dass Warner über diverse Scheinfirmen fünf Millionen Dollar erhalten habe, um für Russland als WM-Gastgeber 2018 zu stimmen. Er gilt als Wähler für Katar 2022, zudem wird ein 10-Millionen-Dollar-Geldfluss rund um die WM 2010 aus Südafrika an Warners Karibik-Verband CFU untersucht.
Im Zuge der WM-Affäre in Deutschland flog ein Vertrag auf, den Bewerberchef Franz Beckenbauer vier Tage vor dem FIFA-Votum mit Warner signiert und der Leistungen von ca. 10 Millionen D-Mark für dessen Nationalverband umfasst hatte. Warner soll laut einem Top-Berater die entscheidende Stimme für Deutschland abgegeben haben. 
Sollte Warner, im Fußball längst lebenslang gesperrt, in einem US-Gefängnis landen, könnte er über die FIFA auspacken. Schon 2015 hatte der 79-jährige einen „Tsunami“ an Enthüllungen angedroht – und ein Papier vorgelegt, dass ihm die WM-Fernsehrechte für den karibischen Raum zu einem Spottpreis zuschanzte. Sicher ist: Das Okay für Warners Auslieferung in die USA bringt nun viele korrupte Weggefährten erneut ins Schwitzen.