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StartseiteGesichter EuropasLeere Gefängnisse, mächtige Staatsanwälte12.10.2019

Justiz in den NiederlandenLeere Gefängnisse, mächtige Staatsanwälte

In den Niederlanden sind viele Gefängnisse überflüssig geworden. Sie stehen leer, weil es zu wenige Häftlinge gibt. Das liegt an dem Rückgang der Kriminalität, aber auch an neuen Wegen im Strafvollzug.

Von Kerstin Schweighöfer

Eine Frau geht durch das Boschpoort-Gefängnis, ein kuppelförmiges Gefängnis in Breda, das nach einem Rückgang der Inhaftierungen in niederländischen Gefängnissen in den letzten 20 Jahren in ein Büro und einen Unterhaltungsort umgewandelt wurde. (AFP / Emmanuel Dunand)
Wegen Rückgangs der Häftlingszahlen werden niederländische Gefängnissen in Büros oder Unterhaltungsorte umgewandelt. (AFP / Emmanuel Dunand)

Richter verhängen nicht automatisch Haftstrafen, sondern suchen nach Alternativen. Auch Staatsanwälte besitzen einen größeren Handlungsspielraum. Davon können Minderjährige profitieren, die bei einem Vergehen nicht unbedingt gleich mit dem Strafrecht in Berührung kommen. Keine Gnade jedoch gibt es bei einer lebenslangen Haft. Wer die Höchststrafe bekommt, bleibt für den Rest seines Lebens hinter Gittern.

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Anders als in Nachbarländern sinkt in den Niederlanden die Zahl der Häftlinge. Viele Gefängnisse werden nicht mehr gebraucht und umfunktioniert. In Breda ist das frühere Boschpoort-Gefängnis inzwischen ein beliebter Spielplatz für Erwachsene, die sich freiwillig einsperren lassen.

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In den Niederlanden sind Staatsanwälte sehr mächtig - sie können etwa viel freier als in Deutschland entscheiden, ob sie eine Straftat verfolgen oder nicht. Und auch Richter müssen sich nicht so viel Arbeit machen wie deutsche Kollegen. Ein effizientes System, für manche aber auch kritikwürdig.

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