Donnerstag, 30. Juni 2022

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Kirchgeld-Kampagne Frankreich
"Ihre Gemeinde rechnet mit Ihnen"

In Frankreich gibt es keine Kirchensteuer, die Gläubigen sollen spenden. Gerade ist eine neue, erstmals nationale Kirchgeld-Kampagne angelaufen. Die Werber setzen vor allem auf Seelsorger als Sympathieträger.

Von Suzanne Krause | 28.12.2017

Die Kathedrale von Meaux, Frankreich.
Noch fehlen 400.000 Euro in der Kirchenkase: Auch die Kathedrale von Meaux ist auf Spenden angewiesen (imago / Winfried Rothermel)
Im Windschatten der gotischen Kathedrale von Meaux liegt das Diözesebüro von Seine-et-Marne, des mit Abstand größten Départements im Pariser Großraum, das 500 Kirchen und Kapellen zählt. Zur Finanzierung des kirchlichen Alltags lässt Bischof Jean-Yves Nahmias ganzjährig mit eingängiger Parole um Spenden werben.
"'Wenn die Kirche Ihnen soviel geben kann, dann liegt das auch an den Spenden'. Mit diesem Slogan verknüpfen wir das Alltagsleben der Kirche mit der Notwendigkeit, dass jeder Gläubige nach seinem Gusto beisteuert zum Unterhalt der Priester, dem Lohn unserer Angestellten und für die täglichen Kosten des Kirchenbetriebs."
Eine Notwendigkeit, der sich mancher Gläubige nicht mehr recht bewusst scheint.
"Viele jüngere Gläubige haben sich noch nicht angewöhnt, der Kirche etwas zu spenden. Die Ältesten sind sehr großzügig und treu, aber es passiert immer wieder, dass einer wegzieht oder verstirbt."
Sorge um die finanzielle Zukunft der Gemeinden
Pleite ist bislang noch keine katholische Gemeinde im Land. Doch die Sorgen nehmen zu. Bekannten sich vor gut vierzig Jahren noch 87 Prozent der Franzosen zum Katholizismus, so sind es heute gerade mal 65 Prozent. Die Zahl der potentiellen Spender sinkt. Dabei bedeutet der Erlös aus Kirchgeld-Kampagnen die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle: 40 Prozent. Der Rest stammt vor allem aus Schenkungen und der Kirche überschriebenem Erbgeld.
All das brachte der katholischen Kirche in Frankreich 2016 insgesamt 600 Millionen Euro ein. Etwa ein Zehntel dessen, was die katholische Kirche in Deutschland im selben Zeitraum allein an Kirchensteuer erhielt. Das Jahresbudget der Diözese von Meaux beläuft sich auf zwölf Millionen Euro, rund 400.000 Euro fehlten noch in der Kasse, sagt Finanzverwalter Sylvain Guillebaud.
"Wir beschäftigen einhundert Angestellte, darunter viele in Teilzeit. Zu den Angestellten zählen auch zwanzig Laien, die den Priestern zur Hand gehen. Zudem müssen wir für den Unterhalt von rund 190 Pfarrern aufkommen, die Hälfte von ihnen ist schon in Rente."
Um finanzielle Sorgen abzuwenden, sollen nun auch die Pfarrer aktiver werden, denn bisher sprechen sie nicht gern öffentlich über Geld. Weshalb der aktuelle, erstmals nationale Spendenaufruf der Bischofskonferenz sie dazu ermuntert, sagt deren Sprecher Vincent Neymon.
"Wenn der Pfarrer die Messe abhält, sieht er es nicht als seinen Job, von Geldbedarf zu sprechen. Er soll ja das Evangelium verbreiten und verkünden. Da braucht es einiges an Überzeugungsarbeit, bis er versteht, dass dies ausreichende Geldmittel bedingt. Jungen Priestern ist der Gedanke eingängiger als älteren. Und es gibt ebenso Kirchgänger, die Spendenaufrufe nicht mögen. Das sind zumeist die, die eh nichts geben."
Zufrieden trotz finanzieller Nöte
Vor allem 30- bis 40-Jährige sollen zu mehr Spendenfreudigkeit gelockt werden mit der Kampagne, die Plakate ziert, online ist und sogar in Fernsehen und Radio läuft.
"Die katholische Kirche in Frankreich zählt 105 Diözesen und 13.000 Pfarrgemeinden. Ihre Kirchengemeinde, Ihre Diözese rechnet mit Ihnen. Sie haben 105 Gründe für eine Spende an die katholische Kirche. Danke für einen Kirchgeld-Beitrag."
Vincent Neymon von der Bischofskonferenz:
"In Umfragen sehen wir, wie sehr den Franzosen, selbst Nicht-Katholiken, die Person des Pfarrers am Herzen liegt. Auch wenn der Durchschnittsfranzose nur selten einen Pfarrer aufsucht, so erwartet er doch, dass der Priester bei bestimmten Anlässen verfügbar ist. Ähnlich hängt die Bevölkerung an den Kirchen. In manchem Dorf bei uns haben Nicht-Christen Vereine gegründet, um den dortigen Kirchenbau zu retten. Diese Verbundenheit auf Seiten der Bevölkerung müssen wir nutzen, um das Spendenaufkommen zu erhöhen."
An seinem Amtssitz in Meaux hat Bischof Nahmias schon Sparmaßnahmen durchgesetzt wie die Digitalisierung der kirchlichen Gemeindemitteilungen. Doch auf die reichen deutschen Diözesen blickt er ohne Neid.
"Finanzielle Sorgen zu haben ist natürlich nicht einfach. Aber gleichzeitig verfügen wir in Frankreich über eine große Freiheit. Unsere Einrichtungen sind eher klein. Und wir hängen ab von der Großzügigkeit unserer Gläubigen. Das bietet uns auch einen Gradmesser, was die Qualität der pastoralen Barmherzigkeit und Wohltätigkeit anbelangt. Von daher bin ich mit meiner Lage vollauf zufrieden."