Freitag, 13.12.2019
 
Seit 10:10 Uhr Lebenszeit
StartseiteUmwelt und VerbraucherWie können wir ökologisch kühlen?26.09.2019

Klimaanlagen versus KlimaWie können wir ökologisch kühlen?

Die Sommer werden heißer: bis zu 40 Grad warm war es in den vergangenen Jahren. Da scheint die Installation einer Klimaanlage ein naheliegender Gedanke. Weltweit steigen die Verkaufszahlen, die Zahl der Geräte könnte sich verdreifachen. Dabei sind sie selbst Gift fürs Klima. Ein Teufelskreis.

Von Daniela Siebert

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Düsseldorf: Klimageräte stehen in der Landeshauptstadt auf einem Dach. (dpa / Martin Gerten)
Klimaanlagen heizen den Klimawandel an - die enthaltenen Kältemittel sind für die Atmosphäre schädlicher als CO2 (dpa / Martin Gerten)
Mehr zum Thema

Umweltfreundliche Klimaanlagen "Architektonisch von Anfang an mitdenken"

Belastung für die Atmosphäre Der Vormarsch der umweltschädlichen Klimaanlagen

Wirtschaftswissenschaftler Hickel zu Hitze: "Müssen Arbeitsrecht neu denken"

Eine Raumklima-Anlage besteht meist aus einem Außengerät, das vor dem Gebäude steht oder hängt und einem oder mehreren Innengeräten, die im Zimmer an der Wand hängen und die gekühlte Luft verbreiten. Solche Geräte werden als Split-Anlagen bezeichnet und erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit.

Das Problem: diese Klimaanlagen schädigen gleich zweifach selbst das Klima. Über ihren Stromverbrauch und über ihre klimaschädlichen Kältemittel. Die Fachwelt hat dafür sogar eine Maßeinheit, den TEWI. Diese Abkürzung steht für Total Equivalent Warming Impact. Professor Felix Ziegler, Kältetechniker an der Technischen Universität Berlin betont:

"Je mehr unser Energiesystem grün wird, also je mehr regenerative  Energien wir im Stromnetz drin haben, desto weniger fällt natürlich der Strombedarf im Treibhauseffekt ins Gewicht."

Moderne Geräte passen sich der Raumtemperatur an

Durch gute Technik und Wartung kann der Stromverbrauch von Klimaanlagen verbessert werden. Von den gesamten CO2-Emissionen von Raumklimaanlagen macht der Stromverbrauch durchschnittlich etwa 75 Prozent aus, die restlichen 25 Prozent entfallen auf die Kältemittel.

Ein wichtiger Schritt zu stromsparenderen Klimaanlagen ist die sogenannte Inverter-Technik. Damit passen die Geräte ihre Leistung der tatsächlichen Raumtemperatur an, vorher war nur an oder aus als Alternative möglich. In Europa sind Inverter-Anlagen inzwischen Standard.

Kältemittel sind oft extrem klimawirksam

Bei den Kältemitteln kommt es sehr darauf an, welche Chemikalien in den Anlagen verwendet werden. Sie werden zum Klima-Faktor, sobald die Kältemittel aus den Klima-Anlagen entweichen, sei es durch Lecks, nachlässige Montage oder Demontage. Im schlimmsten Fall entweichen 100 Prozent der Mittel in die Atmosphäre. Daniel de Graaf vom Umweltbundsamt:

"Das sind sehr potente Treibhausgase. Das Maß für die Treibhausstärke eines Treibhausgases ist der GWP, das Global Warming Potential. Das GWP von CO2 ist eins. Das ist die Referenzgröße. Und wenn Sie jetzt das Standard-Kältemittel in der Klimatisierung nehmen - das ist R410A - haben Sie in jedem mobilen Klimagerät, in jedem Split-Klimagerät oder fast jedem - und da haben Sie ein GWP von 2.088. Das heißt, auch kleine Mengen in die Atmosphäre emittiert haben durchaus eine beachtliche Klimawirkung."

Industrie wehrt sich gegen natürlich vorkommende Gase

Sowohl das Umweltbundesamt als auch die Deutsche Umwelthilfe setzen daher für Raumklimaanlagen vor allem auf das Kältemittel R290, das natürlich vorkommende Propangas. Sein GWP-Wert liegt bei drei. In Indien werden solche Klimaanlagen im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bei der Markteinführung unterstützt.

In Deutschland verhindern derzeit noch Normungsvorgaben die Verwendung von R290 in Raumklimaanlagen, bedauert Florian Koch von der Deutschen Umwelthilfe. Und in den Normungsgremien rede auch die chemische Industrie mit, die patentgeschützte synthetische Kältemittel verkaufen möchte.

"Der gesamte weltweite Markt für Kältemittel, das ist ein Milliardengeschäft.  Und die haben natürlich Interesse daran und blockieren diesen Einsatz von natürlichen Kältemitteln in den Normungsgremien."

Propan weniger problematisch

Gleichwohl hat ein chinesischer Hersteller als erster und einziger Anbieter überhaupt das deutsche  Umweltabzeichen "Blauer Engel" für eine Raum-Klimaanlage mit Propangas erhalten. Noch werden die Geräte in Deutschland aber nicht verkauft.

Den weit verbreiteten industriell hergestellten Kältemitteln wie R410A, erteilen die Umweltexperten durchweg schlechte Noten, weil ihre GWP-Werte hoch sind. Florian Koch:

"Ein Kilogramm Leckage von R410A wäre im Verhältnis ungefähr 700 Kilogramm Leckage von Propan."

EU verbietet Einsatz einiger Mittel

Politisch gewollt ist der Markt für Kältemittel im Umbruch: Durch diverse europäische und internationale Regelungen wird der Einsatz von Kältemitteln, die FCKW oder HFKW enthalten, seit Jahren reduziert; dadurch teurer und mittelfristig ganz verboten. R22 beispielsweise, HFCKW, ist in vielen Bestandsanlagen noch enthalten, darf aber beispielsweise seit 2015 in Deutschland nicht mehr nachgefüllt werden.

Parallel dazu arbeiten die industriellen Hersteller von synthetischen  Kältemitteln an neuen Stoffen, die weniger klimaschädlich sind.

Es gibt Alternativen zur klassischen Anlage

Fachleute für Gebäudekühlung denken längst über Alternativen zur klassischen Split-Anlage nach. Eine Variante ist die wassergestützte Verdunstungskühlung. Sie kommt jedoch nur für Regionen in Frage, wo keine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Andere Ideen sind magnetische Methoden oder thermische. Kältetechniker Felix Ziegler:

"Wir reden da über Sorptionskälteanlagen, speziell Absorptionskälteanlagen, die eben dann sinnvoll einsetzbar sind, wenn Wärmen zum Antrieb zur Verfügung stehen. Also man macht aus Wärme Kälte. Wenn Sie Abwärme, Sonnenwärme, Fernwärme zur Verfügung haben, dann können Sie damit Kälte machen, und die werden auch immer effizienter."

Eine andere Möglichkeit sind Gebäude, die durch ihre Konstruktion gar keine Kühlung benötigen. Hier sind Architekten und Städteplaner gefordert.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk