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StartseiteUmwelt und VerbraucherWärmeliebende Arten nehmen zu24.12.2018

Klimawandel und VogelschutzWärmeliebende Arten nehmen zu

Die Auswirkungen des ungewöhnlich langen und heißen Sommers 2018 zeigen sich auch noch im Winter: Am oberen Mittelrhein lässt sich das am Beispiel der Vogelwelt beobachten. Während die Population einiger weniger Arten zugenommen hat, werden andere derzeit verdrängt.

Von Anke Petermann

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Das Foto zeigt einen Schwarzstorch. Er jagt in einem Bach nach Fischen. (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Aufgrund der Klimaerwärmung wird der Inselrhein mehr und mehr zum Dauerlebensraum von Störchen (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
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Anne Geberth vom NABU Rheingau deutet auf die Stillwasserzone jenseits der Insel namens Rüdesheimer Aue. Hier - zwischen Bingen und Mainz - hat sie vom Bootsdeck aus Silberreiher erspäht.

"Sie kommen ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet, und durch die Klimaerwärmung breiten die sich langsam mehr nach Norden aus, deswegen sind die hier noch nicht ganz so oft zu sehen. Und die sind halt strahlend weiß, sehen hübsch aus, die passen sich hier problemlos an."

"An der Tierwelt sieht man es eindeutig, an der Pflanzenwelt ja auch schon, dass die ganzen wärmeliebenden Arten hier zunehmen. Und das liegt auf jeden Fall daran, dass es wärmer wird", konstatiert Gina Gorzejeska in Bezug auf den Klimawandel. Die studierte Biologin kartiert hauptberuflich Vegetation.

Niedrigwasser löst ökologische Kettenreaktion aus

Gemeinsam mit einer Fachkollegin Lavinia Becker bleibt Gorzejeska die ganze Zeit an Deck. Das Niedrigwasser 2018 - für die Biologinnen zunächst ein Wetterphänomen. Wattvögel wie Möwen und Flussregenpfeifer profitieren sogar davon: Das Nahrungsangebot wächst mit der Größe der Sandbänke.

Eine Frau sitzt in einem Boot und blickt mit dem Fernglas in die Weite (Deutschlandradio / Anke Petermann)Schiffsexkursion des Naturschutzbundes NABU am Inselrhein zwischen Rüdesheim und Wiesbaden (Deutschlandradio / Anke Petermann)

Wenn es sommers immer wieder so heiß und trocken würde, gäbe es allerdings Probleme, glaubt Anne Geberth vom NABU Rheingau.

"Gerade im Sommer heizt sich das Wasser dann viel zu stark auf, der Sauerstoff geht raus, die Algen vermehren sich, die Fische sterben. Wenn es keine Fische mehr gibt, hat der Kormoran nichts mehr zu fressen, das ist ja immer dann so eine Kettenrektion. Kurzzeitig ist es kein Problem, wenn es länger dauert wäre es schlecht." - "Rechts wäre ein Eisvogel zu sehen." - "Direkt auf dem Wasserrand." - "Eisvögel sind sehr selten, spatzengroß, oberseits blau, unterseits orange, ganz schillerndes Gefieder, die sind in den letzten Jahren wieder etwas häufiger geworden, durch Schutzmaßnahmen."

Eisvögel können nicht im Trüben fischen

Die meisten der 90 Eisvogelarten leben in den Tropen. Warum die mitteleuropäische Art in dicht besiedelten industrialisierten Gegenden so stark zurückgegangen war?

Anne Geberth erklärt es so: "Sie brauchen wirklich glasklares Wasser zum Fischen, die müssen die Fische sehen. Der Kormoran spürt die so auf, auch in trübem Wasser, das kann der Eisvogel nicht. Das heißt, das Wasser muss also wirklich sehr sauber sein."

Der Rhein ist sauberer geworden, außerdem dringen die Naturschützer vielerorts darauf, auf künstliche Steinschüttungen zu verzichten, um Uferbiotope wiederherzustellen.

"Die ganzen Zugvögel, die vom Norden kommen und weiter nach Südeuropa oder Afrika fliegen, für die ist dieser Inselrhein ein riesiger Rastplatz. So viele Inseln im Wasser sind schon selten, deswegen machen viele Vögel gern Rast. Hier haben sie ihre Ruhe, hier haben sie ihre Stillwasserzonen und können Kraft tanken für den Weiterflug. Ein Teil von denen fliegt bis Südafrika. Auch sehr kleine Vögel dabei, die Schwalben zum Beispiel. Deswegen sind die Gebiete hier so wichtig."

Letzte Winter-Zuflucht für Säger und Singschwäne

Aufgrund der Klimaerwärmung wird der Inselrhein mehr und mehr zum Dauerlebensraum von Störchen, die nicht mehr wegziehen. Arktische Vogelarten finden Temperaturen bis minus zehn Grad ohnehin kuschelig genug, um zu bleiben.

"Also, wenn es im Winter richtig kalt ist, bei einer der Januar- oder Februarfahrten, ist so ein Highlight so ein Zwergsäger oder so etwas. Die kommen aus Skandinavien aus Russland und sind halt nur hier, wenn es extrem kalt ist. Das ist was Besonderes, ja."

Der Inselrhein – letzte Winter-Zuflucht für Säger und Singschwäne. Gertrude Döbel-Imhäuser zückt ihr Handy mit der Vogelbestimmungs-App.

"Es ist ein sehr schöner Vogel - so weiß, so knallweiß, dass man den auch auf große Entfernung sieht, obwohl der so klein ist."

Vorfreude auch auf die Singschwäne, Brutvögel aus der osteuropäischen oder sibirischen Taiga.

"Die sind auch nur da, wenn es richtig, richtig kalt ist, also wenn auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die Seen zugefroren sind und hier noch das Wasser offen ist, dann sind viele Vögel aus Skandinavien oder aus dem Baltikum, die man sonst nicht sieht."

Nächste Gelegenheit: Die NABU-Bootstouren Anfang 2019.

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