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StartseiteKalenderblattMit eigenem Silberbesteck auf Staatsbesuch 18.05.2015

Königin Elisabeth II.Mit eigenem Silberbesteck auf Staatsbesuch

Der bis dato längste, teuerste und erfolgreichste Staatsbesuch im damaligen Deutschland war der Besuch von Königin Elisabeth II. von England. Am 18. Mai 1965 betrat erstmals seit 56 Jahren ein britisches Staatsoberhaupt wieder deutschen Boden. Das Mammutprogramm umfasste Treffen mit Bundespräsident und Kanzler, acht Länderchefs sowie 15 Stadtoberhäupter und trug sich in acht Goldene Bücher ein, darunter Köln, München, Hannover, Berlin und Hamburg.

Von Otto Langels

Königin Elisabeth II. von England auf dem Balkon des Münchner Rathauses. Rechts im Bild ihr Ehemann Prinz Philip. (imago/ZUMA/Keystone)
Königin Elisabeth II. von England auf dem Balkon des Münchner Rathauses. Rechts im Bild ihr Ehemann Prinz Philip. (imago/ZUMA/Keystone)

Königin Elizabeth:

"I thank you warmly for your welcome. For my husband and me it is a deeply moving experience, to be with you here in this courageous and famous city. "

Königin Elizabeth II. begrüßte am zehnten Tag ihrer Deutschlandvisite eine jubelnde Menschenmenge vor dem Schöneberger Rathaus. Der Empfang in West-Berlin war einer der Höhepunkte ihrer Reise.

Begonnen hatte der Staatsbesuch am 18. Mai 1965 in Bonn. Zum ersten Mal, seitdem ihr Urgroßvater Edward VII. 1909 in Berlin gewesen war, kam ein britisches Staatsoberhaupt wieder nach Deutschland. Dazwischen lagen zwei Weltkriege und eine durch das NS-Regime verursachte tiefe Feindschaft. Noch 1958 bereiteten die Briten Bundespräsident Theodor Heuss in London einen kühlen Empfang. Erst allmählich entspannte sich das Verhältnis, nicht zuletzt dank der engen familiären Bande zwischen der englischen Monarchie und den Häusern Hannover und Sachsen-Coburg-Gotha.
1960 erklärte Prinz Philip, der Gatte Königin Elizabeths:

Prinz Philip:
"Mit Deutschenhass allein können wir nicht überleben. Es ist eine öde Beschäftigung, sich über die Geschichte zu ärgern, und sie macht blind für die Aufgaben der Zukunft."

Sieben Jahre nach dem Besuch von Theodor Heuss in London folgte das englische Königspaar der Gegeneinladung. Westdeutsche Illustrierte mit einer Schwäche für die "Royals" sprachen vorab vom "Besuch des Jahrhunderts"; da lag Kennedys triumphale Deutschland-Reise noch nicht einmal zwei Jahre zurück.
Am ersten Abend des Staatsbesuchs erklärte Bundespräsident Heinrich Lübke bei einem Empfang auf Schloss Brühl:

Elftägiges Mammutprogramm

Heinrich Lübke:
"Sie dürfen mir glauben, ohne Rücksicht auf Protokoll oder politische oder wirtschaftliche Beziehungen darf ich sagen, wir sind sehr glücklich und froh, dass Sie hier sind. Ihren Besuch, Majestät, verstehen wir auch als ein Zeichen wachsenden Vertrauens zu unserem Volk."

Ausdruck der sichtbaren Entspannung war das elftägige Mammutprogramm: der längste und mit 500.000 DM bis dahin teuerste Staatsbesuch in der Geschichte der Bundesrepublik; im Gepäck der Queen: das eigene Tafelsilber und englisches Wasser für den Tee.

Königin Elizabeth:
"Meine Reise wird mich vom südlichen Ende Deutschlands bis in den hohen Norden führen, den Rhein entlang und bis nach Berlin. Ich freue mich, Menschen aus allen Teilen Ihres Landes und Ihrer Bevölkerung kennenzulernen. Und ich freue mich auch auf Hannover und die anderen Orte von historischer und persönlicher Bedeutung."

Mitarbeiter des Protokolls hatten die Bevölkerung mit praktischen Ratschlägen auf den hohen Besuch vorbereitet: Herzlichkeit könne man am Straßenrand durch Händeklatschen oder Winken ausdrücken, "Heil"-Rufe sollten jedoch tunlichst unterbleiben. Dank eines gewaltigen Polizeiaufgebots kam es zu keinen Zwischenfällen, überall wurde das Königspaar begeistert empfangen: Vor Schloss Salem, wo Prinz Philip zur Schule gegangen war, bei den Truppen der britischen Rheinarmee in Soest, in Duisburg, wo man im Hauptbahnhof vorsichtshalber das Gleis 13 in Gleis 12a umbenannte, oder in Köln.

"Eine schier unübersehbare Menschenmenge steht hier auf dem Platz vor Deutschlands gewaltigstem gotischen Bauwerk, dem Kölner Dom."

Mit ihrem Besuch bewirkte Elizabeth II. atmosphärisch mehr für die deutsch-englische Freundschaft als alle politischen Kontakte zuvor. Entsprechend dankbar zeigte sich Bundeskanzler Ludwig Erhard:

Ludwig Erhard:
"Auf Ihrer Reise durch weite Teile Deutschlands haben Sie in den für alle meine Landsleute unvergesslichen Tagen erfahren dürfen, welch tiefe Verehrung das freie deutsche Volk in warmer menschlicher Zuneigung Ihnen entgegenbringt."

Am Abend des 28. Mai 1965 ging die Queen in Hamburg an Bord ihrer königlichen Yacht "Britannia". Eine Tageszeitung jubelte:

"Es war wie im Märchen – nur war alles viel schöner, denn alles war Wirklichkeit."
Der Staatsbesuch ist zu Ende, es waren elf große Tage für die Bundesrepublik Deutschland, die Königin verlässt Hamburg. "

In diesem Sommer, so ließ der Buckingham-Palast mitteilen, will die britische Königin erneut nach Deutschland kommen. Es wäre ihr fünfter offizieller Staatsbesuch, 50 Jahre nach ihrem ersten.

 

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