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StartseiteCorsoDie Macht der Body Politics08.02.2021

Körperaktivistin Melodie MichelbergerDie Macht der Body Politics

Dicke Menschen gelten als undiszipliniert und willensschwach. In Filmen und Fernsehserien finden sich kaum weibliche Charaktere, die nicht den Normen entsprechen. "Ich würde mir eine dicke Disney-Prinzessin wünschen", sagt die Autorin von "Body Politics", Melodie Michelberger, im Dlf.

Melodie Michelberger im Corsogespräch mit Susanne Luerweg

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Melodie Michelberger im Fernsehstudio (www.imago-images.de (C. Hardt / Future Image) )
Melodie Michelberger - modebewusste Influencerin, die für ein gutes Körpergefühl kämpft. Egal mit welchem Umfang (www.imago-images.de (C. Hardt / Future Image) )
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Die erste Diät mit zwölf, danach jahrelanges Wiegen, Kalorienzählen, Hungern - so beschreibt die Influencerin und Fettaktivistin Melodie Michelberger ihren Umgang mit ihrem Körper, den sie lange Zeit eher als Feind denn als Freund gesehen hat, der ihr lästig, nie schön genug, nie gut genug war. Sie erzählt dies unter anderem in ihrem gerade erschienenen Buch "Body Politics". 

"Der Begriff beschreibt, dass es eben Körper gibt, die aufgrund ihres Gewichts ausgegrenzt werden, die bestimmte Berufe nicht erlangen können", sagt die Autorin und Influencerin im Dlf. Noch immer würden viele Menschen die simple Rechnung dick gleich doof aufmachen. "Menschen mit zu hohem Fettgehalt können keine Beamten werden."

Vorsichtiger Umgang mit Worten

Sie und andere Fettaktivistinnen und -aktivisten setzen sich auch für einen anderen Umgang mit Sprache ein, wollen lieber "mehrgewichtig" als "übergewichtig" sagen. Und Adjektive wie "dick" und "fett" wieder ohne Abwertung sagen dürfen. "Wie soll man sich denn beschreiben, wenn alle Wörter, die dafür da sind, negativ aufgeladen sind."

Die Welle der "Body Postivity", die dazu aufgerufen hat, den eigenen Körper zu lieben, sei wichtig gewesen für sie, so Michelberger. Plötzlich tauchten größere Körper in der Werbung auf, Lena Dunham spielte als nicht superschlanke Frau eine Hauptrolle in der Fernsehserie "Girls."

"Es ändert total viel, wenn wir auch in der Werbung Körper sehen, die so ähnlich sind wie der eigene Körper. Ich würde mir eine dicke Disney-Prinzessin wünschen, eine Normalität, was Körper betrifft. Body Positivity", so Michelberger, "war eine gute Möglichkeit, meinen eigenen Körper nicht mehr zu hassen." Inzwischen versucht sie aber, ein neutrales Verhältnis zu ihrem Körper aufzubauen, nicht ständig darüber nachzudenken. 

Wut und Trauer

Schwierig findet sie die derzeit in den sozialen Medien grassierenden #Aftercoronabody-Memes, die Menschen zeigen, die während der Pandemie zugenommen haben.

"Wir reden gar nicht darüber, was das mit einem macht diese Pandemie, sondern nur darüber, dass wir zunehmen. Das macht mich traurig und wütend zugleich."

Melodie Michelberger: "Body Politics - Ein Manifest" ist am 26. Januar 2021 bei Rowohlt erschienen. S. 224, 18,00 Euro.

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