Hohe Spritpreise
Kommentar: Die Abhängigkeit von Öl und Gas macht uns ärmer

Der Krieg in der Golfregion und seine Auswirkungen treiben die Ölpreise weiter nach oben. Staatliche Hilfen nach dem Gießkannenprinzip greifen jedoch zu kurz und senden falsche Signale. Zumal der hohe Ölpreis auch nachweislich positive Effekte hat.

Ein Kommentar von Dorothee Holz |
Spritpreisanzeige an einer Tankstelle. Diesel kostet 2,34 Euro, Super E10 2,18 Euro, Super 2,24 Euro.
Die Abhängigkeit von fossiler Energie zeigt sich aktuell besonders an der Debatte um die hohen Öl- und Spritpreise. (picture alliance / M.i.S. / Bernd Feil)
„Dieser Krieg macht uns ärmer.“ – Das hat die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer zu Beginn des Irankriegs gesagt und das gilt heute genauso. Denn die für den Ölhandel so wichtige Straße von Hormus ist immer noch blockiert und jetzt fließt auch kein Öl mehr durch die saudische Ost-West-Pipeline. Öl wird immer knapper und das treibt den Preis nach oben. Es könnte noch schlimmer werden.
An dieser Tatsache kommt man nicht vorbei, auch wenn einige Politiker so tun, als ob der Preisanstieg nur an den gierigen Mineralölkonzernen liege, die sich die Taschen vollmachten. Nein, dieser Krieg wirkt wie eine Steuer, die vielen sehr weh tut, weil wir immer noch sehr abhängig von fossiler Energie sind – das zeigt dieser Krieg jeden Tag.

Vergleiche mit Nachbarländern hinken

Auch jetzt ist die Wut von Autofahrern groß, der Ruf nach staatlichen Hilfen sehr laut – und er wird erhört. Der Bundeskanzler kündigt Entlastungen an. Gerne verweist man auf Nachbarländer, wo doch Benzin und Diesel viel billiger seien, zum Beispiel in Polen. Dort kostet der Liter Super gut 40 Cent weniger. Aber in Polen sind auch die Steuern und die Betriebskosten niedriger – vor allem aber das Durchschnittseinkommen. Das ist nicht mal halb so hoch wie in Deutschland. Im Verhältnis zum Einkommen bezahlt man in Polen mehr und nicht weniger.
Gerne wird auch Luxemburg als Beispiel für einen funktionierenden Preisdeckel genannt. Aber Achtung: Da weckt man Erwartungen, die man vielleicht nicht erfüllen kann. Denn auch Luxemburg kommt nicht an den Weltmarktpreisen vorbei, an denen sich der Preisdeckel orientiert.
Und dass man schon seit Jahrzehnten in Luxemburg deutlich günstiger tanken kann, liegt an den viel niedrigeren Steuern. Darüber verlieren die Politiker, die einen Preisdeckel fordern, aber kein Wort. Und die Wiederauflage des Tankrabatts? Woher soll denn das Geld kommen? Es geht hier schließlich um Milliarden.

Absatz von E-Autos und Wärmepumpen steigt

Ja, Rekordpreise bei E10 und vielleicht auch bald bei Diesel tun richtig weh, aber nicht allen gleichermaßen. Wer sich für ein großes Auto mit hohem Benzinverbrauch entschieden hat, sorry, ist selbst schuld. Menschen mit niedrigem Einkommen, die auf ihr Auto angewiesen sind, Handwerksbetriebe, Logistiker - die trifft es viel härter. Nur die sollte man tatsächlich entlasten.
Wer nach dem Gießkannenprinzip handelt, sendet ein fatales Signal: „Ihr müsst an eurem Verhalten nichts ändern, auch wenn Öl knapp ist. Der Staat regelt alles.“ Dabei hat der hohe Ölpreis nachweislich positive Effekte.
In Deutschland hat der Absatz von E-Autos in den vergangenen Monaten rasant angezogen, ebenso die Nachfrage nach Wärmepumpen. Das wird auch staatlich gefördert, und das ist gut so. Denn damit sinkt auch die Abhängigkeit von Öl, von Gas – denn diese Abhängigkeit macht uns ärmer.