
Hybride und Elektroautos führen seit Monaten in Deutschland die Zulassungslisten an. Dass E-Autos im Jahr 2026 beliebt sind bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern, ist ein Trend in ganz Europa, der bereits vor dem Irankrieg und den folgenden Preissteigerungen bei Öl und Benzin eingesetzt hat. Gleichzeitig gibt es in Deutschland einigen Nachholbedarf beim Umstieg auf das E-Auto – unter anderem bei der Ladeinfrastruktur.
Neuzulassungen 2026: E-Autos werden günstiger
Ein Plus von gut 66 Prozent stellte das Kraftfahrtbundesamt bei den Neuzulassungen von Elektroautos im März 2026 fest. Es war der drittbeste Verkaufsmonat für E-Autos insgesamt. Laut einer aktuellen Studie werden Elektrofahrzeuge zudem günstiger. Der Durchschnittspreis für ein E-Auto ist um vier Prozent auf 42.700 Euro gesunken. Der Grund: Zunehmend bringen die Hersteller auch kleinere Fahrzeuge mit E-Antrieb auf den Markt. Doch auch wenn der Kostenvorsprung der Benziner schmilzt, ist der Kauf von Verbrenner-Autos weiter günstiger.
Gregor Kolbe, Verkehrsexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, spricht nicht von einem Boom bei den E-Autos, sondern von „einer Phase, in der die Nachfrage deutlich anzieht und die Menschen die E-Mobilität interessant finden“. Das habe es in der Vergangenheit schon einmal gegeben und hänge immer von der Förderung ab: „Auf alle Fälle sind wir auf dem richtigen Weg. Die E-Mobilität kommt bei der Mitte der Gesellschaft an.“
Kostenvergleich: Strom vs. Benzin – was spart man?
Das hängt laut Verkehrsexperte Kolbe davon ab, wo Nutzer von E-Autos ihren Strom beziehen. Kolbe: „Laden Sie zuhause bei der eigenen Wallbox, dann wird es natürlich richtig günstig. Dann zahlen Sie quasi die Hälfte von dem, was Sie im Vergleich zu einer normalen Tankfüllung gerade zahlen.“ Wer dagegen an einer öffentlichen Ladestation seinen Strom beziehe, spare trotzdem auf hundert Kilometer „abhängig vom Verbrauch fünf, sechs Euro“. Das Fazit des Verbraucherschützers: „Es summiert sich dann schon. E-Mobilität ist momentan deutlich günstiger als die klassische.“
Wie die Bundesregierung E-Autos fördern will
Mitte April 2026 beschloss der Bundestag die von der schwarz-roten Bundesregierung vorgeschlagene E-Auto-Förderung. Diese gilt für Fahrzeuge, die ab Anfang 2026 erstmals zugelassen wurden. Ab Mai soll es möglich sein, über eine Internetplattform entsprechende Anträge zu stellen. Laut Programm soll der Kauf von reinen Elektroautos, Plug-in-Hybriden und E-Autos mit einem sogenannten Reichweitenverlängerer durch Privatkunden staatlich subventioniert werden. Je nach Fahrzeugart und persönlichen Umständen schwankt die Fördersumme zwischen 1.500 und 6.000 Euro – gedeckelt jeweils durch die Höhe des Einkommens. Die Grünen im Bundestag kritisierten, dass auch Fahrzeuge mit Plug-in-Hybriden und Range-Extender unter die Förderung fielen, die „im Prinzip mit Benzin fahren“.
Die Bundesregierung und der Kampf gegen das Verbrenner-Aus
Die schwarz-rote Bundesregierung setzt sich zugleich aber weiterhin auch für Benziner ein. So will die Regierung Merz in Brüssel zur Unterstützung der deutschen Automobilindustrie weitere Lockerungen beim sogenannten Verbrenner-Aus erreichen.
Die Koalition sei sich einig, dass sie die "bisher für 2027 vorgesehene Verschärfung der Flottenwerte bei hybriden Fahrzeugen ablehnt", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Mitte April 2026. Es dürfe "keine Abbruchkante für diese wichtigen Technologien geben".
Demnach einigten sich die Koalitionspartner auch darauf, dass Fahrzeuge, die mit "regenerativen Kraftstoffen" betrieben werden, als Nullemissionsfahrzeuge angerechnet werden sollen. Union und SPD fordern eine flexible Auslegung der EU-Regeln, um "Strafzahlungen für die deutsche Automobilindustrie zu vermeiden". Auch sogenannte Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Reichweitenverstärker sollen nach dem Willen der Bundesregierung weiter möglich sein.
Derzeit sieht die Europäische Union ein faktisches Verbrenner-Aus für das Jahr 2035 vor. Die EU-Kommission schlug aber im Dezember vor, dieses Ziel abzuschwächen und stattdessen eine 90-Prozent-Regel einzuführen: Demnach sollen die Flotten der Hersteller von 2035 an 90 Prozent weniger Emissionen ausstoßen als 2021. Eine endgültige Einigung steht noch aus.
Ladeinfrastruktur: 200.000 Ladepunkte in Deutschland
Laut Bundesnetzagentur gab es zum Stichtag 1. März 2026 in Deutschland knapp 200.000 Ladepunkte. Ende 2021 waren es bundesweit nur rund 50.000.
Die Online-Karten zu öffentlichen Ladepunkten zeigen große Unterschiede zwischen Bundesländern und Regionen. So hat zum Beispiel der Stadtstaat Hamburg deutlich mehr Ladepunkte als das ganze Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Ohne verlässliche Infrastruktur dürfte der Umstieg aber gerade Autofahrern auf dem Land schwer fallen.
Die Bundesregierung will das Angebot weiter ausbauen. So kündigte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im April 2026 an, den Zugang zu Lademöglichkeiten für Elektroautos in Mehrparteienhäusern verbessern zu wollen. Dazu beginne ein neues Förderprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro. Laut Ministerium gehören zu den rund zwanzig Millionen Wohnungen in Mehrparteienhäusern in Deutschland rund neun Millionen Stellplätze. Ein Großteil davon sei noch nicht mit Ladeinfrastruktur ausgestattet.
Allgemein gibt es bei den Ladepunkten erhebliche Unterschiede: „Die Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung von 300 oder 400 Kilowatt füllen den Akku zu 80 Prozent in einer Viertelstunde“, sagt Gregor Kolbe von der Verbrauchzentrale. „Das ist ein schöner kurzer Tankstopp an der Autobahn. Bei den Normalladern dauere es hingegen „die ganze Nacht“.
Im Alltag treten auch immer wieder ganz profane Probleme auf, wenn ein Ladepunkt gefunden wurde. Gerade in Großstädten werden diese oft von Verbrennern oder nicht ladenden E-Autos zugeparkt.
Eine weitere Herausforderung: Das Stromnetz muss für den Ausbau der E-Mobilität modernisiert werden. Ein Beispiel ist das sogenannte bidirektionale Laden. Damit sollen E-Auto-Fahrer ihren Wagen als mobilen, flexiblen Stromspeicher einsetzen können. Das Auto lädt dann nicht nur Strom, sondern kann den Strom auch wieder zurück ins Netz oder den Haushalt geben.
Ist E-Mobilität krisensicher?
Wenn Wirtschaft und Verbraucher noch stärker auf E-Mobilität umsteigen, sinkt die Abhängigkeit vom Öl. Dafür steigt aber die Abhängigkeit von anderen Rohstoffen. „Die Elektromobilität verändert die Rohstoffbedarfe der Automobilindustrie nachhaltig“, so die Deutschen Rohstoffagentur.
„Statt permanent Kraftstoffe zu verbrauchen, steckt der Großteil des Rohstoffbedarfs nun schon zu Beginn im Fahrzeug in Form von leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien.” Diese enthielten neben vielen anderen Rohstoffen Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan oder Graphit. Gleichzeitig steige der Einsatz von Kupfer, “etwa für Hochvolt-Leitungen und der Ausbau der Ladeinfrastruktur“.
Damit verschieben sich laut Rohstoffagentur nicht nur Lieferketten, sondern auch Beschaffungsrisiken: „Bei einigen dieser Rohstoffe dominieren nur wenige Länder den Bergbau oder die Weiterverarbeitung sowie die Produktion zentraler Batteriekomponenten. Politische Spannungen oder Exportkontrollen können diese Ketten empfindlich treffen.“ Daher brauche es „ein vorausschauendes Rohstoff- und Risikomanagement – vom Erz bis zum Recycling“.
Onlinetext: Martin Teigeler / Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen










