Kommentar zur FIFA WM
Das grobe Foul der FIFA

Die FIFA hat dem Fußball großen Schaden zugefügt. Die Rücknahme der roten Karte für US-Spieler Balogun nach politischer Einflussnahme hat das Potenzial, den Sport zu zerstören. Verantwortlich dafür sind die Struktur des Verbands und seine Funktionäre.

Von Maximilian Rieger |
Beine von Fußballspielern während eines Zweikampfs, ein Spieler tritt dem anderen auf das Fußgelenk.
Für dieses Foul wurde Folarin Balogun mir einer roten Karte bestraft, die die FIFA wieder zurücknahm (imago / ZUMA Press Wire / Kai River Kanzer)
Folarin Balogun war bei dieser WM einer der Schlüsselspieler für das US-Team. Der Stürmer hat drei Tore geschossen, eines im K.o.-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina. In diesem Spiel hatte Balogun aber auch seinen Gegenspieler von hinten so hart in den Knöchel getreten, dass er dafür die rote Karte sah – zurecht, auch wenn es keine Absicht von ihm war. Ein Spieler, der während der WM vom Platz gestellt wird, ist für mindestens ein Spiel gesperrt.
Das ist die Regel der FIFA, niedergeschrieben in den Wettbewerbsregularien, die dem Weltverband eigentlich heilig sind. Aber: Weil er diese Strafe als unfair empfindet, telefoniert US-Präsident Donald Trump mit FIFA-Präsident Gianni Infantino und fordert von der FIFA, die Sperre zu überprüfen. Offenbar mit Erfolg. Denn zum ersten Mal in der Geschichte einer WM nimmt die FIFA eine Sperre eines Spielers wieder zurück und setzt sie zur Bewährung aus.

Die FIFA beugt die sportlichen Regeln

Diese Art von direkter, erfolgreicher politischer Einflussnahme auf den Kernbereich des Spiels ist neu – und sie hat das Potenzial, das Fundament des Fußballs zu zerstören. Denn die Faszination, dass auf dem Spielfeld jeder jeden schlagen kann, ist der Grund, warum so viele Menschen den Fußball lieben. Fußball ist kein Wrestling, wo der Sieger von Anfang an feststeht.
Aber nach der Entscheidung der FIFA gibt es diese Gewissheit nicht mehr. Wenn die FIFA die sportlichen Regeln nach politischer Intervention auf diese Art beugt, ist den sportlichen Ergebnissen dieser WM nicht mehr zu trauen. Ab jetzt stellt sich bei jeder strittigen Entscheidung die Frage: War es nur die Inkompetenz des Schiedsrichters? Oder doch politische Einflussnahme?

Die Doppelrolle der FIFA ist ein Fehler

Möglich ist all das, weil es einen strukturellen Fehler gibt: Die FIFA ist Hüterin der Regeln und vermarktet gleichzeitig den Sport. Diese Doppelrolle verursacht Interessenskonflikte, die jetzt für alle sichtbar sind.
Denn für das Geschäft der FIFA ist es gut, wenn das US-Team möglichst weit kommt – und sich damit der US-Markt langfristig für Fußball begeistern lässt. Für das Geschäft war es auch gut, dass eine Rotsperre von Cristiano Ronaldo kurz vor der WM ebenfalls aufgehoben wurde und er so von Anfang an für Portugal mitspielen durfte. Und für das Geschäft war es auch gut, dass Lionel Messi im ersten Spiel nicht vom Platz gestellt wurde, obwohl er seinem Gegner in die Achillessehne getreten hat.

Den Schaden hat Infantino zu verantworten

Auch hier stellt sich jetzt im Nachhinein die Frage: Schiedsrichter-Fehler? Oder wollte man den Star der Argentinier nicht vom Platz schicken, weil der auch das Werbe-Gesicht der US-Fußballliga ist?
Allein dass solche Szenarien möglich erscheinen, schadet dem Fußball immens. Es ist ein Schaden, den FIFA-Präsident Gianni Infantino zu verantworten hat – und all jene, darunter auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, die Infantino in den vergangenen Jahren nicht gestoppt haben, als der seine Alleinherrschaft ausgebaut hat. Die Quittung erhalten sie jetzt.