Fußball-WM
So nutzt Trump Sport für seine Politik

Donald Trump weiß, wie sich mit Sport Wähler gewinnen lassen. Für seinen 80. Geburtstag am 14. Juni lässt der US-Präsident vor dem Weißen Haus eine Kampfarena errichten. Und auch die Fußball-WM dürfte er zu seiner Bühne machen.

    US-Präsident Donald Trump zieht ins Kaseya Center in Miami, Florida zu einem Kampfsportevent der UFC an der Seite von UFC-Chef Dana White ein. Trump trägt einen roten Schlips und einen blauen Anzug und winkt. 11. April 2026
    Trump bevorzugt Auftritte bei Sportevents, die seinem Männlichkeitsbild entsprechen, wie die Käfig-Kämpfe der Ultimate Fighting Championship (UFC). (picture alliance / Photoshot / Daniel Torok / Avalon)
    US-Präsidenten nutzen den Sport gern für Imagezwecke. Der Ball, den George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beim ersten Heimspiel der New York Yankees warf, wurde zu einem Symbol für die Geschlossenheit der US-Amerikaner. Sein Nachfolger Barack Obama besuchte Profi-Basketballspiele und ließ Videos verbreiten, in denen er selbst spielte.
    Donald Trump hat nun vor dem Weißen Haus eine temporäre Arena für mehr als 4.000 Zuschauer bauen lassen – für einen Kampfabend der Ultimate Fighting Championship (UFC) am 14. Juni, seinem 80. Geburtstag. UCF-Chef Dana White bezeichnete den Tag als „250. Geburtstag der USA“; tatsächlich wird dieses Jubiläum am Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, gefeiert.

    Inhalt

    UFC und Kampfsport als Bühne für Trumps Ideologie

    Die UFC ist die weltweit größte Profiliga für Mixed Martial Arts (MMA). Sie habe Trump bei seinem politischen Comeback geholfen, sagt der Sportjournalist Karim Zidan. Nach dem Sturm auf das Kapitol durch Anhänger Donald Trumps 2021 galt dieser zeitweise als politisch isoliert. Regelmäßige Besuche von UFC-Events waren Teil seiner Wahlkampfstrategie 2024, um gezielt junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren anzusprechen – eine auch von anderen Politikern umworbene Zielgruppe.
    Für Trump bringt die Nähe zur UFC nicht nur potentiell neue Wähler. Zidan sieht in dem Kampfsport auch ein Symbol für die gewaltbereite Ideologie, die der US-Präsident vertrete. Bei den Kämpfen treten zwei Gegner in einem achteckigen Käfig gegeneinander an: Schlagen, Treten, Würgen – fast alles ist erlaubt. Der Stärkste gewinnt. „Welcher Sport ist besser dafür geeignet, seine Politik zu unterstreichen – die Politik nach dem ‚Recht des Stärkeren‘?“

    Trumps Kulturkampf im Sport: Die Anti-Woke-Agenda

    Die UFC vermarkte sich zudem aktiv als „anti-woker Sport“, sagt Sportjournalist Karim Zidan. Das passt zur übergreifenden Strategie der extremen Rechten, Kulturkämpfe auch im Sport auszutragen. Ein zentrales Thema dabei sind Transmenschen im Sport. Er werde "Männer aus dem Frauensport fernhalten", hatte Trump 2024 angekündigt.
    Das betrifft zwar nur eine Handvoll Transsportlerinnen, die in den USA auf professionellem Niveau Sport treiben. Trumps transfeindliches Agieren im Sport habe aber zu einer grundsätzlichen Dämonisierung von Transmenschen geführt, sagt Politikwissenschaftler Jules Boykoff von der Pacific University.

    Rassismusvorwürfe: Trumps Umgang mit schwarzen Sportlern

    Gleichzeitig hat Trump wiederholt schwarze Sportler abgewertet. Als sich der schwarze Football-Spieler Colin Kaepernick 2016 aus Protest gegen Polizeigewalt während der Nationalhymne hinkniete, die traditionell vor Spielen der National Football League (NFL) läuft, wurde er dafür von Trump scharf kritisiert. Danach fand sich kein Verein mehr, der Kaepernick verpflichten wollte.
    Dahinter stecke das Kalkül, über den Sport vor allem weiße Männer anzusprechen, die sich benachteiligt fühlen und sich nach einer Gesellschaft zurücksehnen, in der weiße Männer noch “respektiert und verehrt” wurden, sagt der Extremismusforscher Kyle Kusz von der Universität Rhode Island. Ein Kalkül, das Trump bereits zu Beginn seiner politischen Karriere genutzt habe, als er sich mit erfolgreichen weißen College-Trainern zeigte, die in den USA hohes Ansehen genießen.

    Fußball-WM 2026: Trumps Selbstinszenierung á la Putin?

    Anders als im Kampfsport kann der US-Präsident nicht unbedingt damit rechnen, in Fußballstadien gefeiert zu werden. Im Sommer 2025, als Trump das Finale der Klub-WM besuchte – ein neues FIFA-Turnier mit 32 internationalen Teams – wurde er ausgepfiffen. Und als Trump im vergangenen Herbst drohte, dem demokratisch regierten Boston die WM-Spiele zu entziehen, wehrte sich die Stadt und blieb Spielort.
    Hinzu kommt, dass in den USA viele Frauen Fußball spielen und die Fankultur stark durch lateinamerikanische Einwanderer geprägt ist – beides Gruppen, die Trump in der Vergangenheit immer wieder abgewertet hat.
    Dennoch werde Trump versuchen, „die Weltmeisterschaft zu seiner WM zu machen“, sagt Sven-Daniel Wolfe von der Universität Neuchâtel. Die USA sind Hauptgastgeber der Fußball-WM; in Kanada und Mexiko findet nur ein kleiner Teil der Spiele statt.
    Beim Versuch, autoritäre Kontrolle zu festigen, könnte der US-Präsident einem ähnlichen Drehbuch folgen wie Putin bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland 2018, so der Experte. Er zieht auch Parallelen zu Katar und China: nach außen Stärke demonstrieren – und im Inneren unter dem Vorwand von Sicherheitsbedenken bei einem Mega-Sportereignis neue Überwachungsmethoden einführen, die auch danach bestehen bleiben könnten.

    FIFA-Chef Infantino und IOC: Trumps willfährige Helfer?

    FIFA-Präsident Gianni Infantino ist bestrebt, den US-Präsidenten angesichts der WM bei Laune zu halten. Er braucht Trump für einen reibungslosen Ablauf der Weltmeisterschaft. Um ihn wohlgesonnen zu stimmen, hatte Infantino ihm bereits während der WM-Gruppenauslosung einen eigens erfundenen sogenannten FIFA-Friedenspreis überreicht. Die Satzung der FIFA sieht jedoch politische Neutralität vor.
    Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) und einige US-Sportverbände haben bereits Druck der US-Regierung nachgegeben: Sie verabschiedeten Richtlinien, die Transfrauen künftig von Frauen-Wettbewerben ausschließen. Dabei sollen Sportverbände ihre Regeln grundsätzlich unabhängig von politischem Einfluss festlegen.
    Das Verhalten des IOC könnte auch damit zusammenhängen, dass die USA 2028 mit Los Angeles der Gastgeber der nächsten Olympischen Sommerspiele sind – und sich das IOC kaum leisten kann, Trump zu verstimmen.

    Radiobeitrag: Maximilian Rieger, Onlinetext: Tina Hammesfahr