
Wer auf den Straßen von Khartum unterwegs ist, sieht viel Zerstörung und Leid. Häuserwände, die von Einschusslöchern entstellt sind, ausgebrannte Panzer am Straßenrand und viele, viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, weil sie nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen können, weil sie aus Gegenden im Sudan geflohen sind, wo der Krieg noch viel grausamer tobt.
Auf den Straßen der sudanesischen Hauptstadt ist aber auch noch etwas anderes zu sehen und zu spüren. Menschen, die Bedürftigen helfen, private Initiativen, die Schulen wieder aufbauen, es ist die Zivilgesellschaft, die dieses Land am Leben hält.
Es ist gut, dass auf der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin zivile Vertreter des ostafrikanischen Landes im Mittelpunkt stehen. So zerstritten sie auch untereinander sein mögen, die zivilen Politiker und die vielen lokalen Hilfsorganisationen sind die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft für den Sudan.
Eine Hoffnung, die schon 2019 einmal aufschimmerte, als Langzeitdiktator Omar al-Baschir nach monatelangen Protesten gestürzt wurde und ein Übergang zur Demokratie möglich schien.
Internationale Gemeinschaft hat Fehler gemacht
Richtig ist, ohne das Militär wäre Baschirs Sturz vermutlich nicht geglückt, damals machten Armee und RSF-Miliz noch gemeinsame Sache. Doch die internationale Gemeinschaft machte danach den Fehler, weiter auf die Generäle als unverzichtbare Partner zu setzen. Sei es bei der Bekämpfung von Migration, sei es beim Übergang zur Demokratie. Das war naiv. Die Machtgier der Militärs war zu groß, ebenso ihre Bereitschaft, das eigene Volk bluten zu lassen.
Es sind die Anführer von Armee und Milizen, die verantwortlich sind für Massaker, Vergewaltigungen und Hunger in diesem brutalen Krieg. Auch wenn es ein frommer Wunsch sein mag: Diese Männer gehören vor internationale Gerichte. Für die ebenso mutige wie leiderprobte Zivilgesellschaft im Sudan wäre das auf lange Sicht ein Zeichen der Gerechtigkeit.
Ohne Hilfe würde die Bevölkerung noch mehr bluten
Kurzfristig kann der Aufruf an die gesamte Welt nur lauten: Lasst die Menschen im Sudan nicht im Stich! Nur mit Konferenzen und humanitärer Hilfe wird dieser Krieg nicht zu beenden sein, das ist klar. Dafür wären entweder ein Sinneswandel der Generäle oder eine robuste militärische Intervention mit Mandat der Vereinten Nationen notwendig. Beides erscheint aktuell mehr als unwahrscheinlich.
Es gibt auch kaum Anzeichen dafür, dass die wichtigsten Unterstützer der Kriegsparteien, die Waffenlieferanten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Ägypten, aus Saudi-Arabien, auf ein Ende des Krieges hinarbeiten.
Es bleibt also die Hilfe, immer zu wenig und nicht mehr als ein Pflaster in der Not. Aber ohne dieses Pflaster würde die Bevölkerung noch mehr bluten. Das haben die Sudanesen nicht verdient.












