Freitag, 02. Dezember 2022

Skandale in Sportverbänden
Grünen-Politikerin fordert Anti-Korruptions-Agentur im Sport

In vielen Sportverbänden gab es schon Korruptionsskandale. Um solche Machenschaften im Sport zu bekämpfen fordert die Grünen-Europaabgeordnete Viola von Cramon eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur. Etwas neues aufzubauen, sei die einzige Lösung, sagte sie im Dlf.

Viola von Cramon im Gespräch mit Marina Schweizer | 01.10.2022

Viola von Cramon-Taubadel, für die Grünen im EU-Parlament
Viola von Cramon-Taubadel, für die Grünen im EU-Parlament (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)
Viele Sportverbände hatten schon mit Korruptionsskandalen zu kämpfen, darunter das Internationale Olympische Komitee, der Fußball-Weltverband FIFA und auch die Formel 1. Die langjährige Grünen-Sportpolitikerin und Europaparlamentarierin Viola von Cramon will das Problem Korruption im Sport nun angehen und in der kommenden Woche eine Studie und Lösungsansätze präsentieren.
Neu sei die Idee nicht, sagte sie im Deutschlandfunk. Schon vorher habe es Initiativen gegeben, die auf die Notwendigkeit einer institutionellen, transnationalen Antwort hingewiesen hätten, um Korruption im internationalen Sport zu bekämpfen. "Und vor allen Dingen die, die betroffen sind, rechenschaftspflichtig in die Verantwortung zu nehmen. Und das ist jetzt die Idee, dass wir eine Studie haben, in der wir genau aufschreiben, wo das Problem ist, was bisher passiert ist und was aus unserer Sicht eine sinnvolle institutionelle Antwort darauf wäre."

Korruption im Sport auf unterschiedlichen Ebenen

Die Probleme seien vielfältig, sagte von Cramon. "Das eine Problem, von dem wir immer wieder hören, ist, dass wenn Korruption im Sport auf unterschiedlichen Ebenen vorliegt, für die Staatsanwälte häufig schwierig ist, aus den Ländern dafür Unterstützung zu bekommen. Wenn diejenigen, häufig Funktionäre oder andere Beteiligte, dann verurteilt sind, werden sie aufgrund der Autonomie des Sports nicht aus ihren Positionen verbannt. Das heißt, es gibt aus dem Sport heraus gar kein Interesse daran, den Sport zu bekämpfen."
Weitere Probleme seien die Veruntreuung großer Geldsummen und auch Staaten, meist autokratische, die durch immer mehr Einfluss im Sport ihre Reputation verbessern wollen - das sogenannte Sportswashing. "Das ist natürlich gerade - wenn wir jetzt aus demokratischer Sicht sagen, wir brauchen mehr Integrität im Sport - zunehmend ein Problem auf der internationalen Ebene."

Interesse von verschiedenen Stakeholdern

Von Cramon fordert deshalb eine Welt-Anti-Korruptions-Agentur, ähnlich der Welt-Anti-Doping-Agentur. Dafür brauche es aber Mehrheiten von entsprechenden Stakeholdern, sagte sie. Von Athletinnen und Athleten gebe es es bislang ein "sehr positives" Feedback. "Natürlich haben uns auch Juristinnen und Juristen stark unterstützt, die das seit Jahren beobachten und immer wieder an ihre Grenzen stoßen." Auch ganze Länder und selbst Sportverbände hätten bereits Interesse bekundet.
Diese Welt-Anti-Korruptions-Agentur sollte laut von Cramon als Schwesterorganisation zur Welt-Anti-Doping-Agentur gesehen werden. Jedoch sollte die neue Agentur nicht nur mit Vertretern aus dem Sport besetzt sein. "Da wäre es tatsächlich sinnvoll, dass zum Beispiel Juristinnen und Juristen oder Strafverfolgerinnen oder Strafverfolger oder aus dem Bereich jemanden zu nehmen, der da auch wirklich professionelles Know-how hat und der oder die auch weiß, wo der Hase versteckt ist. Das heißt, die Überlegung ist, alle Stakeholder mit reinzunehmen, natürlich auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Sport, aber eben nicht mehrheitlich."

Autonomie des Sports verhindert Korruptions-Bekämpfung

Allein die Autonomie des Sports zu überdenken, würde zu kurz greifen, sagte von Cramon. "Jemanden strafrechtlich zu verfolgen, wie das eben im Anti-Doping-Kampf auch der Fall ist, die oder der dann auch sanktioniert werden kann und hoffentlich auch unabhängig vom Sport verfolgt werden kann, das ist die Idee. Bei der Autonomie des Sports - das heißt, wenn mehrheitlich Sportorganisationen sich selbst regulieren - ist es fast ausgeschlossen, den Kampf gegen Korruption oder auch für mehr Sicherheit von Athletinnen und Athleten oder für mehr Einhaltung von Menschenrechten ernsthaft zu betreiben. Von daher sehe ich da keine andere Lösung, als wirklich etwas neues, unabhängiges aufzubauen."