Samstag, 21. Mai 2022

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Korruptionsprozess in Paris
Ex-Leichtathletik-Boss Diack zu Haftstrafe verurteilt

Korruption, Geldwäsche und Beteiligung an der Vertuschung von Dopingfällen: Ein Gericht in Paris sah die Vorwürfe gegen Lamine Diack aus seiner Zeit als Präsident des Leichtathletik-Weltverbands als erwiesen an und verurteilte den 87-Jährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Von Martin Bohne | 16.09.2020

Lamine Diack, früherer Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, in einem Pariser Gerichtssaal bei der Urteilsverkündung im Korruptionsprozess am 16. September 2020
Vier Jahre Haft, davon zwei auf Bewährung, wegen schwerer Korruption: Der frühere Spitzenfunktionär Lamine Diack vor Gericht in Paris (Martin Bureau / AFP)
Zwei Jahre muss der 87-jährige ehemalige Spitzenfunktionär im Gefängnis absitzen, zwei Jahre wurden vom Pariser Finanzgerichtshof auf Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er 500.000 Euro Strafe zahlen. Lamine Diack habe sich der schweren Korruption schuldig gemacht, dem Kampf gegen das Doping einen schweren Schaden zugefügt und die Regeln des sportlichen Wettbewerbs verletzt, so die Vorsitzende Richterin zur Begründung.
Vertuschung von Dopingfällen gegen Geldzahlung
Der Senegalese war über fast zwei Jahrzehnte hinweg bis 2015 Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes und außerdem Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er mit anderen Funktionären ab 2011 gegen Geldzahlungen in Millionenhöhe die Aufklärung der Dopingvergehen von mindestens sechs russischen Leichtathleten behindert und verzögert hat. Darunter die Sieger bei den Olympischen Spielen von London 2012 im 50-Kilometer-Gehen, Sergei Kirdjapkin, und im 3000-Meter-Hindernislauf, Julija Saripowa. Beiden Athleten wurden die Goldmedaillen später aberkannt.
Fünf Jahre Haft für Diack-Sohn Papa Massata
Außerdem soll er zusammen mit seinem Sohn Papa Massata, dem langjährigen Marketingberater des Weltverbandes, Gelder aus Sponsorenverträgen veruntreut haben.
Papa Massata Diack erhielt die höchste Strafe, fünf Jahre Gefängnis und eine Million Euro Geldstrafe. Gegen ihn wurde allerdings in Abwesenheit verhandelt. Ebenso wie gegen zwei Funktionäre des russischen Leichtathletikverbandes, die zu drei beziehungsweise zwei Jahren Haft verurteilt wurden.
Weitere Vorwürfe um Vergabe der Olympischen Spiele
Lamine Diacks Anwälte kündigten an, ihn Berufung zu gehen. Diack hatte bereits fünf Jahre in Paris im Hausarrest verbracht. Und er wird demnächst in einem weiteren Fall vernommen werden: wegen des Verdachts der Vorteilnahme bei der Vergabe der Olympischen Spiele von Rio und Tokio.