
In seiner ersten Rede als Parteichef präsentierte sich der 56-jährige Burnham als klassisch sozialdemokratischer, eher links der Mitte verorteter Labour-Politiker. Er versprach, die politische und wirtschaftliche Macht wieder stärker in öffentliche Hand und weg von London in die Regionen zu verlagern.
Kernpunkt seiner Agenda ist die "größte Umverteilung der Macht" von der Zentralregierung in London auf die Regionen des Landes. Damit will er Ungleichheit verringern und auf die Wut von "abgehängten Gemeinschaften" reagieren, die sich zunehmend anderen Kräften zugewandt haben.
"Wirtschaftsfreundlicher Sozialismus"
Als Bürgermeister von Manchester war der Ausbau des Nahverkehrs zu erschwinglichen Preisen einer der größten Erfolge Burnhams. Auch der Wohnungsbau und die Verbesserung der öffentlichen Gesundheitsversorgung zählen zu den Prioritäten des Brexit-Kritikers und überzeugten Europäers, der sich als Vertreter eines "wirtschaftsfreundlichen Sozialismus" versteht.
Bereits vor seiner Zeit als Bürgermeister von Manchester wollte Burnham Regierungschef werden: Als Abgeordneter hatte er bereits 2010 und 2015 (erfolglos) versucht, an die Spitze der Labour-Partei gewählt zu werden. Am vergangenen Freitag erfolgte dann die Ernennung ohne Gegenkandidat.
Die Politico-Journalistin Anne McElvoy
sagte im Deutschlandfunk,
Burnham werde von vielen Menschen als lässig und bodenständig wahrgenommen. Er trage zum Beispiel öfter mal Fußballtrikots und Turnschuhe. Dadurch verkörpere er in gewisser Weise das Gegenteil von Keir Starmer, der als steif und zurückhaltend gelte.
Rücksichtsloser Strippenzieher?
Laut BBC wird Burnham von politischen Mitbewerbern auch als "rücksichtsloser Strippenzieher" bezeichnet. Beispielhaft wird nicht nur der Sturz von Starmer erwähnt, sondern auch die jüngsten Berichte, wonach Burnham entgegen dem bisherigen Labour-Kurs wieder neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.
Die Herausforderungen für Burnham als Premierminister sind groß. Die britische Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch verliert die Nation an Bedeutung, und die Bevölkerung leidet unter sozialer Ungleichheit und Faktoren wie Wohnungsnot und hohen Energiekosten. Erwartet werden bereits am Montag Ankündigungen zu Maßnahmen für mehr finanziellen Spielraum.
Großer Fußballfan
Aufgewachsen ist Burnham mit zwei Brüdern im beschaulichen Dorf Culcheth zwischen Manchester und Liverpool. Er ist Vater von drei Kindern. Seine Liebe zum FC Everton, dem in Deutschland weniger bekannten Liverpooler Verein, erwähnte er sogar in seiner Antrittsrede als Labour-Chef. Er hoffe, seine Menschennähe auch in der kommenden Saison mit einer Dauerkarte unter Beweis stellen zu können.
Diese Nachricht wurde am 20.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.






