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StartseiteInformation und MusikTitos Yacht spaltet Rijeka24.11.2019

Kulturhauptstadt 2020Titos Yacht spaltet Rijeka

Politiker, Schauspieler, sogar die Queen: Sie alle waren zu Gast auf der Yacht des jugoslawischen Staatschefs Tito. Auf dem Schiff wurde Weltgeschichte verhandelt. Die kroatische Stadt Rijeka - Europas Kulturhauptstadt 2020 - will es zum Museum umbauen. Doch es gibt Widerstand.

Von Jutta Schwengsbier

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Das Staatsyacht 'Galeb' des ehemaligen Regierungschef Jugoslawiens Tito im Hafen von Rijeka, Kroatien. (imago stock&people)
Rostendes Andenken - Titos Yacht im Hafen der kroatischen Stadt Rijeka (imago stock&people)
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Die schwimmende Seeresidenz Titos war Schauplatz einiger wirklich die Welt bewegenden Ereignisse. Auf den Planken der "Galeb" entstand etwa die Idee der Blockfreien Staaten. Die Bewegung agierte als politisches Gegengewicht zu Warschauer Pakt und NATO. Bis heute nehmen die Mitglieder der Bewegung der Blockfreien zwei Drittel der Sitze in der UN-Vollversammlung ein und vertreten mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung. Viele der wichtigsten Akteure der Blockfreien hat Tito auf seiner Seeresidenz empfangen.

"Auf diesen Messingtafeln sind einige der Begegnungen dokumentiert. Da sind die Namen von Haile Selassie, Nehru, Nasser, Gaddafi und anderen Staatsoberhäuptern zu lesen. Oder hier steht: 'Leonid Iljič Brežnjev reiste mit diesem Schiff 1969 von Split bis nach Brioni während seines Staatsbesuchs in Jugoslawien'."

Titos fahrende Seeresidenz

Dabei begann die Geschichte des ehemaligen Frachters ziemlich unspektakulär. Niemand ahnte bei seiner Jungfernfahrt, dass dieses Schiff noch Weltgeschichte schreiben würde.

"Es war zuerst ein italienisches Schiff, das in Genua 1938 gebaut wurde. Es wurde speziell konstruiert, um Bananen aus den italienischen Kolonien in Afrika zu transportieren. Da aber schon ein Jahr später der Zweite Weltkrieg anfing, wurde das Schiff gleich mit verschiedenen Waffen ausgerüstet und zum Kriegsschiff umfunktioniert. Nach der Kapitulation Italiens haben die Deutschen das Schiff übernommen. Das damals noch "Kiebitz" genannte 117 Meter lange und 15 Meter breite Schiff wurde 1944 von Alliierten im Hafen von Rijeka bombardiert und ist gesunken."

Eine Filmdokumentation zeigt, wie der Frachter "Kiebitz" dann vor rund 60 Jahren wieder vom Meeresboden geborgen wurde. Jugoslawiens Staatschef Tito erkor das nun in "Galeb" - "Die Möwe" - umbenannte Schiff zu seiner fahrenden Seeresidenz, erzählt Velid Djekic mit einem stolzen Lächeln.

"Tito betrat das Schiff zum ersten Mal 1952 und ist dann damit 40 Jahre lang um die Welt gereist. Zusammengerechnet hat Tito etwa anderthalb Jahre auf See verbracht. Im Jahr 1953 brachte ihn das Schiff nach London, kurz nachdem sich Jugoslawien mit Stalin überworfen hatte. Tito hatte Angst vor einem Attentat. Aber es war auch seine klare Botschaft: Jugoslawien hat sich vom Osten zum Westen gewandt."

Schwimmendes Museum

Nach Titos Tod 1980 wurde aus der "Galeb" ein Schulschiff der Armee. Nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 blieb es in Montenegro, wurde schließlich von Souvenirjägern geplündert und dann an einen griechischen Reeder verschachert. Seitdem rostete es in Rijeka vor sich hin, bis es die Stadt 2009 schließlich übernommen hat. Nach Renovierungsarbeiten wurde 2011 eine erste Ausstellung auf dem Schiff organisiert. Durch das große öffentliche Interesse entstand schließlich die Idee, das Schiff ganz zum Museum umzuwandeln. Gegen den Widerstand der politischen Opposition. Ivona Milinovic sitzt für die kroatischen Nationalisten im Stadtrat:

"Es ist eine Geldverbrennungsanlage des Bürgermeisters. Deshalb sind wir dagegen. Die Restaurierung soll mehr als 12 Millionen Euro kosten. Und dann noch mal eine Million Euro pro Jahr für den Unterhalt. Die Einnahmen durch Eintrittskarten würden nicht mal diesen Unterhalt finanzieren."

Rijekas Stadtparlament will das Schiff auch gegen den Widerstand kroatischer Nationalisten wieder aufmöbeln. Als schwimmendes Museum mit Kino, Konferenzräumen und einem Hostel soll es eines der Vorzeigeprojekte werden. Die "Galeb" soll den Glanz vergangener Zeiten zurück bringen in die Kulturhauptstadt Europas 2020.

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