Pläne der Bundesregierung
Kulturwissenschaftler Hirschfelder verteidigt Zuckersteuer als geboten

Der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder hat die geplante Zuckersteuer aus gesundheitspolitischer und historischer Perspektive als geboten bezeichnet. Auf der einen Seite habe man eine Luxusdiskussion, auf der anderen die enormen Folgen von Fehlernährung in einer Größenordnung von fast 20 Milliarden Euro jährlich, sagte der Regensburger Professor im Deutschlandfunk.

    Zu sehen sind bunte Gummibärchen mit Tier-Gesichtern und Süßigkeiten-Verpackungen mit knalligen Farben.
    Gunther Hirschfelder hält eine Zuckersteuer für richtig. (picture alliance / epd-bild | Anke Bingel)
    Ein großer Bereich der Bevölkerung konsumiere Zucker oft ungehemmt als billige Energiequelle und vermeintliches Genussmittel. Meist seien es Menschen mit weniger Einkommen, die oft auch ein Bildungsdefizit hätten.
    Zugleich warnte Hirschfelder vor pauschalen Bewertungen. Zucker sei ambivalent. Die Dosis mache die Wirkung. Weltweit könnte sich nach seinen Erkenntnissen in den nächsten Jahrzehnten der Lebensmittelüberfluss abschwächen und Zucker eine noch größere Bedeutung bekommen. Zucker sei die am billigsten verfügbare Kalorie.

    "Lieber eine Zuckerportion, die mich am Leben erhält, als keine Zuckerportion"

    In der Weltbevölkerung habe man etwa eine Milliarde Menschen, die deutlich unterernährt sei, und eine Milliarde, die deutlich überernährt sei, also eine Adipositas habe. Auch wenn Zucker aus hiesiger Perspektive gesundheitspolitisch problematisch sei, gelte für Menschen etwa in den Krisengebieten Sudan oder Somalia: "Lieber eine Zuckerportion, die mich am Leben erhält, als keine Zuckerportion."
    Laut Hirschfelder haben höher entwickelte Säugetiere, zu denen auch der Mensch gehört, eine natürliche Affinität zum Süßen. Das besonders Süße verspreche nicht nur Geschmack, sondern auch Überleben. Schon durch die besonders süße Muttermilch habe der Mensch das gelernt: "Wir sind darauf konditioniert". Während der Zucker im Kolonialzeitalter "eine steile Karriere" genommen habe, habe er sich dann im 20. Jahrhundert als ein "weißes Gift" herausgebildet. Seit den 50er-Jahren sei der Konsum in Deutschland explodiert, führte der Wissenschaftler aus.

    Zuckerabgabe in Deutschland soll 2028 kommen - Kritik aus der Wirtschaft

    Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Zuckerabgabe ab 2028 erhoben werden. Sie ist Teil eines Gesetzespakets zur finanziellen Stabilisierung der Krankenkassen, das das Kabinett jüngst verabschiedet hat. Zahlreiche Mediziner fordern einen solchen Schrittseit Langem.
    Teile der Wirtschaft und des Handels lehnen eine Zuckersteuer ab. Auch der Bundesparteitag der CDU hatte sich gegen eine Zuckersteuer ausgesprochen. Die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Connemann, betonte zuletzt, man brauche keinen 'Nanny-Staat mit Preisschild'. Die Menschen seien mündig genug, selbst zu entscheiden. Politik müsse Verantwortung stärken - nicht Freiheit verteuern, betonte die CDU-Politikerin.
    Diese Nachricht wurde am 03.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.