Samstag, 04. Februar 2023

Karl Lauterbach und die Medien
Die Probleme des Twitter-Ministers

In einem Interview hat Gesundheitsminister Lauterbach mit einer Äußerung zu mehrfachen Corona-Infektionen für Irritation gesorgt - nicht zum ersten Mal. Oft sei er mit einem Tweet schnell bei der Hand, wo Abwägung nötig wäre, so die Journalistin Christina Berndt im Dlf.

Christina Berndt im Gespräch mit Brigitte Baetz | 24.01.2023

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, steht hinter Mikrofonen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (Kay Nietfeld / dpa / Kay Nietfeld)
Wie kaum ein anderer Politiker stand Karl Lauterbach während der Corona-Pandemie im Fokus der Öffentlichkeit. Er galt immer wieder als Mahner und forderte strikte Schutzmaßnahmen - und schließlich führte ihn wohl auch diese Prominenz ins Bundesgesundheitsministerium. Als Olaf Scholz im Oktober 2021 die SPD-Minister in seinem neuen Kabinett vorstellte, erklärte er, dass sich die meisten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wohl wünschten, "dass der nächste Gesundheitsminister vom Fach ist und Karl Lauterbach heißt".
Doch so sehr viele Äußerungen Lauterbachs zum Maßstab einer sinnvollen Corona-Politik wurden, so sehr wurde er auch zum Feindbild für etliche Gegner der Maßnahmen. Für Irritation sorgte Lauterbach aber auch immer wieder mit seiner Kommunikation, etwa in den Sozialen Medien.

Missverständliche Äußerungen im Interview

Das jüngste Beispiel einer missverständlichen Kommunikation lieferte Karl Lauterbach nun mit einem Interview in der Rheinischen Post. Darin äußerte sich der Bundesgesundheitsminister unter anderem zu den Folgen mehrerer überstandener Corona-Infektionen und erklärte, dass diese zu einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche führen könnten.
Studien zeigten mittlerweile sehr deutlich, so Lauterbach in dem Interview, "dass die Betroffenen es häufig mit einer nicht mehr zu heilenden Immunschwäche zu tun haben. Das kann ein Risikofaktor für die Entstehung von chronischen Erkrankungen sein, angefangen bei Herz-Kreislauf-Problemen bis hin zur Demenz". Er fügte hinzu, dass die Aussagen noch nicht sicher seien und intensiv weiter geforscht werde.

Aussage inzwischen abgeschwächt

Die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt kritisierte in einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung, dass man mit solchen unsicheren Ergebnissen vorsichtig sein müsse. Dazu wies sie nun im Deutschlandfunk darauf hin, dass der Forschungsstand sehr dünn sei. "Es hat mich wirklich geärgert, dass er da eine so weitreichende Aussage gemacht hat und Leuten so viel Angst gemacht hat."
Lauterbach selbst reagierte mit einer Twitter-Nachricht auf Christina Berndts SZ-Beitrag.

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Inzwischen wurde Lauterbachs Aussage in dieser Form zurückgenommen. Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es, dass man eine falsche Version des Interviews mit dem Minister herausgegeben habe. Demnach sei ein technischer Übertragungsfehler dafür verantwortlich gewesen.

Fehler im Ministerium

Journalistin Christina Berndt betonte, dass es sich hier nicht um einen Fehler der Redaktion gehandelt habe: "Interviews in so einer gedruckten Zeitung, wenn die in einem O-Ton sind, dann werden die hinterher in Deutschland autorisiert. Das heißt, der Minister kriegt es, der kann da drüber gucken und sagen: na ja, da habe ich mich vielleicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt schwäche ich diese Aussage ab. Und das ist auch bei diesem Interview vorher passiert. Und offenbar, so stellen es Herr Lauterbach und das Ministerium dar, hat er dabei diesen Satz abgeschwächt. Aber diese Änderung ist durch Fehler im Ministerium nicht an die Rheinische Post weitergegeben worden."

"Da wäre Abwägung wirklich nötig gewesen"

Allerdings gehört es für Karl Lauterbach nicht nur zum Alltag, dass er sich in Zeitungsinterviews oder in Talkshows äußert. Sehr intensiv nutzt er auch Twitter, um seine Botschaften zu verbreiten. Und auch hier sieht Christina Berndt ein mögliches Kommunikationsproblem.
Lauterbach sei ein sehr fleißiger Minister und treibe sehr viele Gesetzesvorhaben voran, so Berndt. "Aber umso vorsichtiger sollte er natürlich sein, wie er sich in den Sozialen Medien und auch ansonsten in den Medien äußert. Und da ist er sehr schnell mal mit so einem Tweet bei der Hand, wo man sagen würde, da wäre eine Abwägung wirklich nötig gewesen."