Donnerstag, 14.11.2019
 
Seit 17:35 Uhr Kultur heute
StartseiteWirtschaft und GesellschaftGefahrenpotenzial durch "mehr Energie auf kleinerem Raum" 11.10.2016

Lithium-Ionen-Akkus in SmartphonesGefahrenpotenzial durch "mehr Energie auf kleinerem Raum"

Bei der Brandgefahr des Samsung Galaxy Note 7 könnte die Lithium-Ionen-Batterie ursächlich sein. Das Problem bei den Batterien sei, dass sie immer höhere Energiedichten hätten, sagte Stephan Scheuer von TÜV-Rheinland im DLF. Das Gefahrenpotenzial bei diesen Akkus steige vor allem, weil immer mehr Energie auf kleinem Raum zur Verfügung gestellt werden müsste.

Stephan Scheuer im Gespräch mit Katja Scherer

Samsung Galaxy Note 7 im Wasser (picture alliance / dpa / Ritchie B. Tongo)
"Wir haben das ja bei den Handys und bei den Smartphones nicht zum ersten Mal", erklärt der Batterie-Experte Scheuer im DLF. (picture alliance / dpa / Ritchie B. Tongo)
Mehr zum Thema

Notbremse bei Samsung Handy-Rückruf wegen Brandgefahr

Brennende Smartphones Samsung beendet Produktion des Mobiltelefons Galaxy Note 7

Amnesty International Kinderarbeit für Smartphones

Stiftung Warentest Viele Tablets überzeugen im Test

Smartphones Das neueste Modell ist nicht immer das beste

Katja Scherer: Mehr als 300 Milliarden Dollar Umsatz und knapp 500.000 Mitarbeiter weltweit - mächtiger als Samsung kann ein Konzern sein. Dennoch bekommt der Hersteller die Probleme nicht in den Griff. Ich habe bei Stephan Scheuer, Batterie-Experte beim TÜV Rheinland, nachgefragt, woran das liegt. Warum lässt sich nicht einmal feststellen, warum die Handys überhitzen?

Stephan Scheuer: Ein Smartphone ist ein komplexes Gerät aus sehr vielen Bauteilen und viele dieser Bauteile werden auch zugeliefert von Zulieferern, und deshalb ist es wichtig, dass dann auch die Probleme beim Zulieferer mit gesucht werden, um so ein Problem dann einkreisen zu können.

Scherer: Man vermutet ja, dass die Lithium-Ionen-Batterie das Problem ist. Warum genau sind diese Batterien so kompliziert?

Scheuer Die Batterien sind eigentlich nicht so kompliziert. Das Problem ist bei den Lithium-Batterien, dass die Lithium-Batterien immer höhere Energiedichten haben. Das heißt, da muss immer mehr Energie geliefert werden, weil die Smartphones leistungsfähiger werden. Und mehr Energie auf kleinerem Raum heißt, dass dadurch das Gefährdungspotenzial von so einem Lithium-Akku entsprechend zunimmt.

"Zwei große Probleme bei Lithium-Ionen-Akkus"

Scherer: Was genau passiert in der Batterie, wenn die dann zum Beispiel zu brennen anfängt?

Scheuer: Es gibt zwei große Probleme grundsätzlich bei Lithium-Ionen-Akkus. Das eine ist, wenn entsprechend der Akku zum Beispiel mal überladen worden ist. Dann ist er vorgeschädigt. Ein anderes Problem kann sein, wenn Temperaturbereiche nicht eingehalten werden, das heißt, wenn er mal zu warm geworden ist, oder auch zu kalt geworden ist. Das kann zum Beispiel auch beim Transport über längere Strecken passieren. Und diese Schädigungen können dazu führen, dass sich entsprechende Strukturen in diesem Akku so ausbilden, dass es zu Kurzschlüssen darin kommt, und diese hohen Ströme führen dann entsprechend zum Brand.

!!Scherer:! Das heißt, das ist ein relativ bekanntes Problem, wie Sie das so erzählen. Heißt das, das könnte theoretisch bei jedem Handy passieren?

Scheuer: Wir haben das ja bei den Handys und bei den Smartphones nicht zum ersten Mal. Diese Problematik ist uns schon bekannt mit den ersten Handys schon Ende der 90er-Jahre. Es gibt immer wieder Probleme mit diesen Akkus dadurch, dass die Handys teilweise flacher oder kleiner von der Bauform werden, die Akkus angefasst werden und dann vom Formfaktor oft diese Dinge nicht so zusammenpassen, dass sie sicher betrieben werden können.

Problem könne beim Akku, aber auch beim Einbau liegen

Scherer: Was kann man denn eigentlich machen als Unternehmen oder jetzt in der Forschung, um diese Akkus sicherer zu machen?

!!Scheuer: Es ist ja noch gar nicht ganz klar jetzt, wo das Problem entsprechend liegt. Das Problem kann natürlich beim Akku liegen, es muss aber nicht beim Akku liegen, es kann auch beim Einbau liegen. Ein weiterer Fall, der auch bekannt ist, ist, dass diese Akkus nicht gerne einem Druck oder Stößen ausgesetzt werden. Das sind allerdings alles Probleme, die systematisch als Unternehmen Samsung erforscht werden müssen. Das sind vier, fünf, sechs Hauptursachen, die man dort systematisch untersuchen muss.

Scherer: Und könnten auch andere Geräte von Samsung betroffen sein?

Scheuer: Das ist natürlich nie auszuschließen, dass andere Geräte betroffen sein können, aber da Samsung in der Regel auch Massenprodukte herstellt, denke ich, wären da auch schon, wenn andere Geräte betroffen wären, diese Dinge aufgetreten und auch bekannt. Wo die Probleme nicht von Anfang an auftreten, da sind die Probleme in der Regel auch wesentlich weniger anzutreffen.

Scherer: Stephan Scheuer war das, Batterie-Experte beim TÜV Rheinland, über das, was beim Bau eines Smartphones alles schiefgehen kann.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk