Mittwoch, 06. Juli 2022

Ein Astronom und Telegramme aus Moskau
Lübeck, Sputnik und die Kripo

Im Oktober 1957 startete der erste Satellit ins All. Auch der Lübecker Astronom Peter von der Osten-Sacken verfolgte Sputnik intensiv – und profitierte dabei von Informationen aus erster Hand.

Von Dirk Lorenzen | 25.05.2022

Sputnik, der erste Satellit im All, wurde auch von Lübeck aus beobachtet
Sputnik, der erste Satellit im All, wurde auch von Lübeck aus beobachtet (NASA)
Der aus dem Baltikum stammende Forscher hatte beste Verbindungen nach Russland und beherrschte die Sprache perfekt. Die Russische Akademie der Wissenschaften versorgte ihn ständig mit den neuesten Bahndaten von Sputnik und den späteren Satelliten.

Verdacht der Spionage

Ständig erreichten Telegramme aus Moskau Peter von der Osten-Sacken, der dann mit bloßem Auge und seinem selbst gebauten Teleskop die künstlichen Flugkörper verfolgte.
Einem Beamten der Deutschen Bundespost kam der rege Telegramm-Austausch zwischen Moskau und Lübeck mitten im Kalten Krieg verdächtig vor und er alarmierte die Polizei. Die besuchte den Gelehrten, der nebenher als Lehrer tätig war, auf der Lübecker Sternwarte.

Peter von der Osten-Sacken starb 2008

Schnell stellte sich heraus, dass es um Sputnik-Beobachtungen ging, ein rein wissenschaftliches Projekt – und nicht um militärische Aktivitäten oder gar Spionage. Peter von der Osten-Sacken ist 2008 im Alter von fast 99 Jahren gestorben.
Die von ihm gegründete Sternwarte hat gerade einen neuen Bau bekommen. Beim Umzug fiel den Amateurastronomen ein Ordner mit den sauber abgehefteten Telegrammen vom Ende der 50er Jahre in die Hände.
Sie sind – gerade in diesen Zeiten – ein historisches Dokument, das zeigt, dass auch bei stärksten politischen Gegensätzen auf rein wissenschaftlicher Ebene guter Kontakt möglich ist.